1820dieKUNST erhält zahlreiche Schenkungen
Mitgliederversammlung der Gesellschaft fand im Rummel des Emder Rathauses statt
Emden. Zahlreiche Gemälde und ein Puppenwagen von 1942 wurden im letzten Jahr als Schenkung an die Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer gegeben. Das gab Vorsitzender Gregor Strelow im Rahmen der Mitgliederversammlung bekannt.
Leitete die Mitgliederversammlung: der 1. Vorsitzende von 1820dieKUNST Gregor Strelow
Es handelt sich um Arbeiten von Gerd Rokahr, Alfred Kaufner, Dirk Huisken, Ernst Petrich, Julius Schrag, Georg Warring, Jaques Roskamp, Julian Klein von Diepold. Auf einer Auktion in Haarlem, von der die Kunst erst zu spät erfuhr, standen in einem größeren Konvolut auch zwei Glasbilder von 1630 zum Verkauf, die nach Emden verortet wurden. Kees Berserik, der die Glasbilder ersteigerte, wandte sich anschließend an 1820dieKUNST und bot die beiden Stücke an – für den „moderaten Preis von 250 Euro“, wie Dr. Annette Kanzenbach, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Landesmuseums betonte. Silberobjekte aus dem Bestand des Antiquitätenhandels von Horst Arians, darunter zwei silberne Riechdöschen aus der Zeit zwischen 1811 und 1849, sowie ein Messer, datiert 1765, wurden ebenfalls angekauft.
Preiswerter Ankauf: zwei Glasbilder von 1630 mit Emder Bezug
Dass die Gesellschaft, die 520 Mitglieder zählt, dank einer größeren Erbschaft derzeit höchst solide dasteht, machte Schatzmeister Oltmann Bunger deutlich. So konnte es sich 1820dieKUNST leisten, fünfstellig in Restaurierungen von Gemälden und Papierarbeiten zu investieren.
1820dieKUNST haben gemeinsam mit dem Ostfriesischen Landesmuseum Emden, der Johannes a Lasco Bibliothek, der Kunsthalle und der Stadt Emden einen Notfallverbund gegründet, der im Fall von Bränden oder Wasserschäden Objekte sichert. Unter anderem wurde spezielles Verpackungsmaterial angeschafft, das, so Strelow, nötig ist, um „im Falle eines Falles“ Objekte fachgerecht zu bergen. Das Material lagere in der sogenannten Notfallhalle der Stadt Emden im Frisia-Park.
Referierte über historische Glasbilder: Kunsthistorikerin Dr. Annette Kanzenbach
Für die große Radbod-Ausstellung, die am 4. September im Fries Museum in Leeuwarden eröffnet wird, räumt das Landesmuseum eine ganze Etage frei, wie Direktorin Jasmin Alley erklärte. Auch die Neue Galerie, die Arbeiten aus dem Besitz des Sammlers Dr. Walter Baumfalk beherbergt, wird in den Ausstellungsbereich einbezogen. Dazu habe der Sammler sein Einverständnis erklärt. Das ist nötig, weil ihm vertraglich zugesichert wurde, dass Teile seiner Sammlung ständig gezeigt werden. Für die Ausstellung müsse das Haus noch klimatisch und sicherheitstechnisch aktualisiert werden, kündigte Alley an.
Restauriertes Werbeschild eines Emder Glasmalers aus dem 18. Jahrhundert mit Werbespruch. Im Mittelpunkt steht die Darstellung des Apoll, Gott des Lichtes und der Künste
Am 6. September eröffnet das Landesmuseum eine kleine Ausstellung mit Arbeiten der New Yorker Bildhauerin Marsha Pels (Jahrgang 1950). Die Nachfahrin einer jüdischen Emder Familie, die vor dem Holocaust auswanderte, hatte bereits in den 90er Jahren ein Mahnmal für den Emder Bahnhofsbunker entwickelt, das aber nie realisiert wurde. Erhalten ist aber das Modell, das unter anderem noch einmal gezeigt werden soll.
Derzeit arbeitet man im Museum an den Vorbereitungen für die Bewerbung um das Gütesiegel des Museumsverbandes Niedersachsen / Bremen. Dabei handelt es sich um ein aufwändiges Zertifizierungsverfahren, mit dem besonders qualitätvolle Museumsarbeit ausgezeichnet wird. Das Landesmuseum hatte das Gütesiegel zuletzt 2015 erhalten. Eine neuerliche Bewerbung sei im Zuge der Verleihung des Museumspreises 2026 des hbs kulturfonds in der Niedersächsischen Sparkassenstiftung angeregt worden, sagte Jasmin Alley.
Beispiel für eine sogenannte Geschenk- oder Monolithscheibe, die zu besonderen Gelegenheiten vergeben wurden
Den Abschluss der Versammlung bildete ein Kurzvortrag von Annette Kanzenbach über Glasmalerei in Emden. Von den vielen Glasbildern, die in Kirchen, öffentlichen Gebäuden und Bürgerhäusern eingebaut waren, hätten sich nur zwei bis fünf Prozent überhaupt erhalten, erklärte die Kunsthistorikerin. Dazu zählen die großformatige Renaissance-Glasbilder mit Gerechtigkeitsdarstellungen, die teilweise überkommen sind und im Landesmuseum gezeigt werden.
Fragmente von Glasmalereien, die restauriert und thematisch zugeordnet wurden
Dazu zählen aber auch Glasbilder des 19. Jahrhunderts, die heute im Rummel installiert sind. Erst kürzlich wurden kleinere Arbeiten restauriert, die alttestamentliche Könige und Sibyllen zeigen. Diese befanden sich mit weiteren Bruchstücken in einer hölzernen Kiste, die 2003 zufällig in einem Winkel des Museums gefunden wurde, als das Haus wegen Umbauarbeiten ausgeräumt wurde. Dort waren auch weitere Fragmente aufbewahrt, die die KUNST bereits im 19. Jahrhundert in Privathäusern gesammelt hatte. Auch diese konnten zum Teil aufgearbeitet werden. Sie befinden sich heute in der Gemäldegalerie. Frühestes Beispiel für die Kunst der Glasmalerei ist ein Fenster des frühen 20. Jahrhunderts, das sich in der einstigen ELBIA Eilfracht Transportgenossenschaft in der Ringstraße 39 befand. Die Scheibe zeigt das Emder Renaissance-Rathaus.
Die „Elbia-Scheibe“ mit einer Ansicht des Renaissance-Rathauses (Ausschnitt aus dem Titelbild oben)
Wahlen: Gregor Strelow und Dr. Thomas Brüggemann wurden als 1. und 2. Vorsitzende wiedergewählt. Für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Gero Conring und Sebastian Fröhlich rücken Peter Heidemann und Gerhard Terling nach.
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events
In diesem Beitrag erwähnt
1820dieKUNST
Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer seit 1820