72 Tonnen-Denkmal erinnert an Krankenmorde

Eine Projektgruppe will ein mobiles Denkmal nach Emden holen, das an psychisch kranke sowie geistig und körperlich behinderte Menschen erinnert, die in der NS-Zeit ermordet wurden. Im Kulturausschuss der Stadt wurde das Konzept jetzt vorgestellt

Das Logo der Aktion, die vom 3. Dezember 2026 bis zum September 2027 terminiert ist
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Lebenshilfe Emden e. V.

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Emden. Die reinen Fakten stehen fest, der Standort auch. Die Kosten sollen durch Spenden eingeworben werden, und die Eröffnung ist für den 3. Dezember, den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung, geplant. Eine Projektgruppe aus Mitgliedern des Arbeitskreises Stolpersteine und der Lebenshilfe Emden wird ein mobiles Denkmal nach Emden holen, das an einen systematischen Massenmord in den Jahren 1940/41 erinnert. Damals waren es grau eingefärbte Busse, die – auch in Emden - psychisch kranke sowie geistig und körperlich behinderte Menschen abholten und in Tötungsanstalten fuhren.

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Die Projektgruppe: Okka Fekken, Matthias Meyer, Thomas Sprengelmeyer und Sabine Eilert. Bild: Lebenshilfe Emden

Die Projektgruppe: Okka Fekken, Matthias Meyer, Thomas Sprengelmeyer und Sabine Eilert. Bild: Lebenshilfe Emden

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Die Erinnerung an die „Grauen Busse“ in ein Denkmal umzusetzen, haben die beiden Künstler Dr. Horst Hoheisel und Andreas Knitz vor rund 20 Jahren unternommen. Ihre Plastik besteht aus drei Teilen. Auf einer massiven Bodenplatte ist eine Beton-Nachbildung eines solchen Busses installiert. Allerdings fehlt der mittlere Teil, so dass man das Fahrzeug in ganzer Länge durchschreiten kann. Die Skulptur wiegt rund 72 Tonnen, und sie wird mit drei Sattelschleppern von ihrem letzten Standort Chemnitz nach Emden gebracht, wo sie bis September 2027 bleiben wird, ehe sie dann nach Heidelberg weitertransportiert wird. Standort in Emden soll der Bahnhofsvorplatz sein. Der sei groß genug für das 8,70 Meter lange, 2,40 Meter breite und 2,50 Meter hohe Denkmal, wie Okka Fekken, 2. Vorsitzende der Lebenshilfe Emden im Ausschuss berichtete. Es sei gar nicht so einfach gewesen, einen passenden Standort zu finden, der zentral läge und genügend Platz böte.

Geplant ist ein umfangreiches Beiprogramm, das unter anderem Workshops, Exkursionen, Vorträge, eine Wanderausstellung sowie eine neuerliche Verlegung von Stolpersteinen beinhalte, erklärte Thomas Sprengelmeyer vom Arbeitskreis Stolpersteine und Mitglied der Projektgruppe. Bereits terminiert ist ein Gespräch mit den beiden Künstlern, das am 26. Oktober stattfinden soll. Ansprechen will man besonders Jugendliche und junge Erwachsene, und das sei auch machbar, betonte Sprengelmeyer. Mittlerweile seien alle Emder Schulen bei den „Stolpersteinen“ vertreten, so dass man einen direkten und unmittelbaren Kontakt habe. Im Rahmen einer aktiven Erinnerungsarbeit habe eine Klasse der Berufsbildenden Schulen I beispielsweise eine Recherche in Osnabrück abgeschlossen, um die Biographie eines Betroffenen schreiben zu können. Solche Nachforschungen gehören vor jeder Stolpersteinverlegung zur obligatorischen Aufgabe.

Das ehrenamtlich durchgeführte Projekt wird mit rund 55 000 Euro zu Buche schlagen, erklärte Sprengelmeyer. Davon seien rund 32 000 Euro für das eigentliche Denkmal-Projekt vorgesehen seien, während der Rest benötigt werde, um das Programm im Umfeld seriös gestalten zu können. Die Finanzierung solle allein durch Spenden finanziert werden. Dafür haben sich bisher als Förderer die Sparkasse Emden, die Stiftung Ostfriesischer Volksbanken, die Lebenshilfe Leer und die Deich8 bereitgefunden. Das Projekt „Graue Busse Emden“ wird als Gemeinschaftsprojekt getragen von der Lebenshilfe Emden e.V. und dem Arbeitskreis Stolpersteine in Kooperation mit dem Ostfriesischen Landesmuseum und der Stadt Emden. Eingebunden sind: die Ostfriesischen Beschützenden Werkstätten, die KZ Gedenkstätte Engerhafe, die Volkshochschule Emden, die Evangelische Familienbildungsstätte und die Ostfriesische Landschaft.

Emden sei zwar kein Ort der Massendeportation gewesen, aber es habe hier Menschen gegeben, die „in unterschiedlichen Funktionen eine aktive Rolle gespielt haben“, heißt es in einer digitalen Info-Mappe, die  auf der Website des Projektes www.grauerbus-emden.de zu finden ist. Die Initiatoren möchten mit ihrer Aktion aber auch das Augenmerk auf die Opfer von Zwangssterilisation und Tötungen lenken. Für diese Menschen gäbe es bereits einige Stolpersteine in Emden. 

Mit solchen Steinen gewürdigt und erinnert werden zum Beispiel Annette Hinriette Wever (Jahrgang 1919) und ihr Bruder Wübbo Peter Klaassen Wever (Jahrgang 1921). Beide erlitten als Kinder eine Gehirnhautentzündung und waren danach behindert. Beide kamen in die Rotenburger Anstalten nach Rotenburg, durften aber zunächst in den Ferien zur Familie nach Emden fahren – bis 1939. Dann wurden sie verlegt. Annette kam nach Kaufbeuren, Wübbo nach Eberswalde. Annette verhungerte 1944, sie war 24 Jahre alt. Wübbo starb mit 21 Jahren. Die Stolpersteine für Annette und Wübbo Wever sind am Anker am Emder Ratsdelft verlegt. 

▶     Wer das Projekt fördern möchte, kann das bei der Sparkasse Emden tun. Kontoinhaber ist der Förderverein Prävention Emden, die Bankverbindung: IBAN DE69 2845 0000 0000 1090 66 Verwendungszweck: Grauer Bus

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Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.