Sandhorst. Ein Quartett für 16 Lichtschalter – das hört sich erst einmal recht sonderlich an. Doch was Alexej Gerassimez, Lukas Böhm, Simon Klavžar und Emil Kuyumcuyan aus „Nocturne“ von Mátyás Wettl machten, ließ den Abend von Anfang an in einem erwartungsvollen „Licht“ erscheinen und schuf atmosphärische Dichte. Was sich aus dem rhythmischen Experiment dann entspann, darf ohne Einschränkung großartig genannt werden.
Das Percussion Collective in Aktion: Alexej Gerassimez, Simon Klavžar, Emil Kuyumcuyan und Lukas Böhm.
Dabei wurden die bestrickend schönen Kompositionen aus der Suite „Aguas da Amazonia“ von Philip Glass im ersten Teil des Konzertes zur zentralen Aussage. Es ging um das Element „Wasser“, das in vielfacher Weise umspielt oder - besser gesagt – umspült wurde. Wenn Alexej Gerassimez zur halbleeren Wasserflasche greift und zeigt, welche Rhythmik sich mit percussiven Mitteln auf dem kleinen Objekt produzieren lässt, wie vielschichtig die Klangfarben sind, dann zeichnet sich auf den Gesichtern der Konzertbesucher Staunen über derart virtuose Möglichkeiten, seine Hände einzusetzen und damit Geräusche von bestechender Intensität zu produzieren. 400 Besucher in der ausverkauften Halle waren fasziniert.
Melodiös: Alexej Gerassimez beim Spiel auf Kuhglocken
Gerassimez, nach eigenen Worten ein begeisterter Besucher von Schrottplätzen, regt die Phantasie an. So erzählte er, dass sein natürlicher Drang für Rhythmisierung schon in jungen Jahren angeregt worden sei durch Klickgeräusche von Ampelschaltungen oder das typische Rauschen von Druck-Vorgängen. Für sein neues Programm stand am Ausgang die Frage, woraus seine Schlaginstrumente eigentlich bestehen? Er summierte fünf Elemente auf: Wasser, Metall, Holz, Stein und die Bespannung aus Tierhaut. Diesen Stoffen widmete er seine „Suite of Elements“, die an diesem Konzertabend in Aurich auftauchten – die meisten davon im zweiten Teil, der auch von der Gesamtwirkung her der komplexeste war und sich zudem zum Schluss hin systematisch steigerte, bis er mit „Skin“ einen großartig-brachialen Höhepunkt erreichte, der die vier Musiker in einer flirrenden Eruption koordinierter Bewegungsabläufe einte.
Percussion im Wasserbecken: Simon Klavžar und Alexej Gerassimez
Aber auch die zarten, melodiösen Momente waren berücksichtigt, in denen die fünf Elemente des Percussionisten sich gleichsam von ihrer sanglich lyrischen Seite zeugten. „Sleep“ von Eric Whitacre gehörte zum Beispiel zu diesen sensiblen Stücken, mit denen das aufregende Programm immer wieder eingefangen wurde. Gerassimez war mit seinem Percussion Collective in der Halle von Schüt-Duis genau am rechten Ort.
Bis es allerdings so weit kommen konnte, dass die breite Bühne aufgebaut werden und ein Konzert stattfinden konnte, waren die Mitarbeiter der Firma stark gefordert. Fünf Tage habe es gedauert, die Halle von den Arbeitsplätzen und den Materialien zu räumen, hatte eingangs Niels Fritzsche, einer der Geschäftsführer der Schüt-Duis Gruppe, verraten. Nach dem Konzert schien er durchaus gewillt, diesen Aufwand für eine weitere Veranstaltung im Rahmen der Gezeitenkonzerte nochmals zu treiben.