Biblisches im Kleinformat
Horst Arians, Antiquitätenhändler und Restaurator, hielt im Forsthaus im Ihlower Wald einen Vortrag über historische Bibelfliesen
Ihlow. Eine uralte Technik, prächtige Ergebnisse - Fliesen werden seit Jahrhunderten produziert. Sie sind Gebrauchsgegenstände von hoher Ästhetik, müssen aber mit Bedacht behandelt werden. Dann können sie alt werden. Und so konnte Horst Arians Exemplare aus dem 18. und 19. Jahrhundert zeigen, die immer in großen Tableaus an die Wände gebracht wurden – natürlich mit Muschelkalk, damit man sie gefahrlos wieder abnehmen und an anderer Stelle wieder neu verwenden kann. Das, so betonte Annegret Arians, seit Jahrzehnten Wegbegleiterin ihres Mannes und ebenso erfahren, im Anschluss. „Fliesen niemals zementieren. Man kann sie dann nicht wieder abnehmen. Sie zerbrechen.“
Das Café im Forsthaus war sehr gut besucht, als Arians mit seinem bebilderten Vortrag begann und dabei den Fokus speziell auf Fliesen mit biblischem Inhalt lenkte. Ein ganz besonderes Stück hatte er auch mitgebracht. Die Fliese, die 1660 in Amsterdam gefertigt wurde, zeigt Moses mit überdimensionalen Gesetzestafeln. Und exakt diese Fliese befindet sich als Abbildung in dem Buch „Bibelfliesen“, das Pastor Kurt Perrey 2008 herausgegeben hat. Ein kleines Kuriosum in einer Präsentation, die mit einer kleinen Geschichte der Fliesen begann und mit einer Fülle bildlicher Darstellungen vor Augen führte, was alles auf einem kleinen Format von 12 bis 13,5 Zentimetern Seitenlänge möglich ist.
Kleines Kuriosum: Moses mit den Gesetzestafeln als Darstellung in der Fliesenbibel und als Original
Vorlage für die insgesamt 609 Motive auf Bibelfliesen sind Kupferstiche des Pieter Hendriksz Schut (geboren circa 1618/19, gestorben 1660 oder 1680), veröffentlicht 1659 bei Nicolaes Visscher in Amsterdam. Die Kopien der Stiche auf den Fliesen sind äußerst exakt, manchmal allerdings in der Anzahl der dargestellten Personen reduziert. Das Motiv wird vom Kupferstich auf ein durchscheinendes Papier kopiert, dieses mit Nadelstichen gelöchert, auf das Tonmaterial aufgelegt und dann mit einer Staubquaste „kopiert“. Das Ausmalen muss mit sicherer Hand erfolgen, weil Korrekturen nicht möglich sind, da die Fliese noch nicht glasiert ist.
Berichtete aus seinem reichen Erfahrungsschatz: Horst Arians
Nach Angaben von Arians konnten pro Arbeitstag nur zehn bis zwölf Fliesen von Hand bemalt werden. Der Preis entschied sich nach dem Aufwand, den die Produktion bedeutete. Denn die Kunden konnten auch Sonderwünsche äußern – etwa ob ein Motiv in ein Rund gestellt wurde oder nicht. Auch das Vermerken der entsprechenden Bibelstelle auf der Fliese war ein Extra, das den Preis in die Höhe trieb.
Selbst wenn biblische Motive abgebildet waren, gab es keine Fliesen in den calvinistischen Kirchen, sagte Arians. Daheim allerdings wurden sie verwendet, auch um das biblische Geschehen zu erklären. Denn viele Menschen waren zu jener Zeit des Lesens unkundig.
Beispiel für ein Fliesen-Tableau aus der Zeit um 1770/80
Als Antiquitäten-Fachmann erläuterte Horst Arians, dass eine Fliese auch dann noch als sammelwürdig gilt, wenn sie beschädigt ist. Entscheidend ist, ob das eigentliche Motiv noch intakt ist. Wo eine Fliese hergestellt wurde, ob in Rotterdam, Harlingen, Utrecht, Amsterdam, lässt sich an den charakteristischen Ochsenkopf-Ecken oder auch an der Gestaltung von Fenstern und Fußböden auf dem Fliesenmotiv ablesen. Ob eine Fliese in Braun oder Blau gestaltet wurde, sei nicht wichtig gewesen. Arians: „Was es in Blau gibt, gibt es auch in Braun.“
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events
In diesem Beitrag erwähnt
Passion und Ostern auf alten Wand-Fliesen
Horst Arians, Remels