Das Rad des Lebens

„Rigoletto“ von Giuseppe Verdi stand im Festspielhaus am Wall auf dem Programm. Zu Gast war das Theater Niedersachsen aus Hildesheim

Mörder und Auftraggeber: Tobias Hieronimi als Sparafucile und Andrey Andreychik als Rigoletto
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Wolfgang Mauersberger

Emden. Einmal in der Saison gibt es eine Opern-Aufführung in Emden. Nur einmal? Die Situation auf dem Kulturmarkt hat sich verschlechtert. Viele Produktionen gehen nicht mehr auf Tournee, die zeitlichen Vorgaben sind streng. Dauert eine Vorstellung länger als bis 21.30 Uhr, dann muss der Veranstalter die Übernachtung bezahlen. So konnte man sich freuen, dass das Theater Niedersachsen aus Hildesheim mit einer Rigoletto-Produktion in Emden zu Gast war – und es war eine Vorstellung, die sich sehen lassen konnte. Vor allem die Stimmen des Ensembles waren wunderbar und so eindrucksvoll, dass mancher im Publikum dachte, da sei elektronische Verstärkung im Spiel. Mitnichten. Das war alles echt.
 

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Ihre Geschichte geht nicht gut aus: Rigoletto (Andrey Andreychik) und Gilda (Gabriele Jocaitė)

Ihre Geschichte geht nicht gut aus: Rigoletto (Andrey Andreychik) und Gilda (Gabriele Jocaitė)

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„Rigoletto“ ist eine tragische Geschichte, schließlich geht es um einen furchtbaren Fluch, um grundlose Verhaftung und Verführung, nicht zuletzt um einen Mord. Allerdings bleibt dieses blutige Geschehen auf der Bühne im Bereich dezenter Andeutung. Der Meuchelmörder Sparafucile (Tobias Hieronimi) ist immerhin komplett in aggressives Rot gewandet. Und Gilda (Gabriele Jocaitė) wird zwar statt des Herzogs erstochen, doch hat sie noch so viel zu singen, dass es – blutlos – noch dauert mit dem Sterben. Der Herzog (David Soto Zambrana) ist ein Schuft, der zwar von Liebe schwadroniert, sie aber nicht wirklich empfindet. Dass er im Kleid auftritt, soll wohl auf seine Dekadenz verweisen. Ob man als Besucher wirklich in dieser Klischeehaftigkeit darauf gestoßen werden muss, fragt man sich schon. Der Hofstaat agiert als ein Haufen von Gauklern und Karnevalsfiguren. Rigoletto (Andrey Andreychik) ist blond, groß und jung, und wirkt eher wie ein Siegfried aus dem „Ring der Nibelungen“ denn als buckeliger Alter. 

Optisch musste man sich also ziemlich eingewöhnen, aber stimmlich war der Abend ein wirklicher Genuss. Da war keine Rolle, die nicht aufs Beste besetzt war. Der Herzog als kräftiger Tenor, Rigoletto als wunderbarer Bariton, der Mörder als bedrohlicher Bass, Gilda als sehr runder angenehmer Sopran standen an der Spitze eines Ensembles, in dem die weiteren Sänger und der Chor ein sattes Bild der musikalischen Vorstellungen des Komponisten abbildeten.
 

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Herzensbrecher ohne eine Spur von Gewissen: der Duca di Mantova (David Soto Zambrana) Bietet sich als Mörder an: Tobias Hieronimi als Sparafucile

Herzensbrecher ohne eine Spur von Gewissen: der Duca di Mantova (David Soto Zambrana) | Bietet sich als Mörder an: Tobias Hieronimi als Sparafucile

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Zudem hatten die Hildesheimer ein großes Orchester dabei. Ungewöhnlich bei heutigen Opernproduktionen, sagte anschließend die Betriebsleiterin von Kulturevents, Kerstin Rogge-Mönchmeyer. „Da hätte keine weitere Geige in den Orchestergraben gepasst.“ Allerdings ließen sich die Musiker von der Enge nicht irritieren. Die Ruhelosigkeit der Musik, die der der Handlung entspricht, wurde sehr vorteilhaft umgesetzt. Auch auf der formengesättigten Bühne war allerhand los. Beherrscht wurde das Bühnenbild von einem sich ab und an drehendes Rund, auf dem das eigentliche Geschehen stattfand und die Requisiten sich in schnellem Wechsel auf offener Bühne abwechselten. Hinweis auf das bunte Rad des Lebens? Auf jeden Fall eine anregende Veranstaltung, die der Oper musikalisch gerecht wurde.
 

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Der Blick ins Orchester zeigt, wie eng es im Orchestergraben war. Die tfn-philharmonie wurde von Florian Ziemen geleitet

Der Blick ins Orchester zeigt, wie eng es im Orchestergraben war. Die tfn-philharmonie wurde von Florian Ziemen geleitet

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Veröffentlichungsdatum

In diesem Beitrag erwähnt

Multifunktionaler Ort

Festspielhaus am Wall

Adresse
Theaterstraße 5, Emden

Rigoletto

Oper von Giuseppe Verdi

Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.