„Der 1. Strich sitzt immer falsch“

Die kleine reformierte Kirche in Upleward entwickelt sich zu einem intimen Ausstellungsort. Derzeit sind dort Bilder von Ulrich Schnelle zu sehen.

Vor vollen Kirchenbänken wurde die Ausstellung eröffnet
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Ina Wagner

Vor vollen Kirchenbänken wurde die Ausstellung eröffnet

Upleward. Wie zu Weihnachten – so voll war die Kirche im Krummhörn-Dorf Upleward, als die reformierte Gemeinde zur Ausstellungseröffnung bat. In Zusammenarbeit mit dem Ehepaar von der Lage war - nach Herbert Müller und Kriso ten Doornkaat - mit Ulrich Schnelle aus Boen zum dritten Mal ein bekannter Künstler gebeten worden, die weißen Wände der schlichten gotischen Einraum-Kirche zur Darstellung von Kunst zu nutzen. Schnelle hatte einen kleinen Querschnitt aus seiner Arbeit zusammengestellt: Kuh-Porträts, Handtaschen-Typen, verwehende Folien, die sich in Abstraktionen ein ästhetisches Feld erobern, Wasserflüsse.

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Ulrich Schnelle im Gespräch mit Adelheid und Herbert Müller.

Ulrich Schnelle im Gespräch mit Adelheid und Herbert Müller.

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„Von Kühen, Handtaschen und dem ganzen Rest“ ist die Übersicht benannt, die von der Kunsthistorikerin Dr. Annette Kanzenbach im Gespräch mit Ulrich Schnelle vorgestellt wurde. Schnelle arbeitet in Serien und hatte für die Schau jeweils prägnante Exemplare ausgewählt, die „die Schönheit von Dingen zeigen, die niemand beachtet“. Die Kritik an den Folgen menschlicher Lebensweise äußert sich in seinen Bildern eher zurückhaltend. Die Plastikfolien gehören eben nicht in die Natur, sind aber in der Darstellung von Schnelle von hoher ästhetischer Qualität. Selbst toten Krabben gewinnt er noch eine nachdrückliche Schönheit ab. Und das Leder der Handtaschen bietet in der Darstellung eine Faszination von Stofflichkeit, die so reizvoll ist, dass der Künstler sie selber wieder stört, indem er blaue Striche einfügt und damit sein eigenes Bedenken gegen allzu viel Eleganz gestisch formuliert.

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Laudatorin Dr. Annette Kanzenbach und Künstler Hartmut Bleß vor Kuh-Bildern von Ulrich Schnelle

Laudatorin Dr. Annette Kanzenbach und Künstler Hartmut Bleß vor Kuh-Bildern von Ulrich Schnelle

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Eigentlich habe er aus den Taschenmotiven eine ganze Wand gestalten wollen, berichtet Schnelle im Gespräch mit Annette Kanzenbach. Es habe aussehen sollen wie eine Kachelwand. Doch dann seien die Bilder so schnell verkauft worden, dass das Projekt nie zum Ende kam. Ähnliches passierte mit den „Schafskötteln“. Die fand er massenhaft am Deich, fotografierte sie - und entdeckte schöne Strukturen in den tierischen Fäkalien. Malerisch umgesetzt, wurden sie zu begehrten Hinguckern. Und die Kühe? Sind das Porträts oder Typen? Ihm sei aufgefallen, dass jedes Tier anders gucke. Manche hätten eine Punk-Frisur – und dann seien da die feuchten Nasen. Alles Anreize, sie detailreich ins Bild zu bannen, egal wie man diese Bildform nenne.

Die frische Leinwand an sich bedeute immer den klassische „Horror vacui“, die Furcht vor der Leere. Bei ihm sitze zudem „der erste Strich immer falsch“. Das Eingeständnis, dass die Malerei nicht immer vom ersten Moment an den erwünschten Erfolg nach sich zieht, geht Schnelle glatt über die Lippen. Dass er manchmal keine Lust zum Arbeiten habe, bedeutet ihm ein Zugeständnis ohne Hemmungen. Manchmal sei der Gang in den Garten eben lustvoller.

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Bilder aus der Serie „Handtaschen“

Bilder aus der Serie „Handtaschen“

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Nach der Eröffnung, die von Pastorin Nina Ziegler-Oltmanns moderiert und von der Akkordeonistin Dörte Lehmann musikalisch begleitet wurde, hatten Ehrenamtliche einen Imbiss vorbereitet, der den Blick auf die Gastfreundschaft des Dorfes lenkte. Um die Hängung der Bilder zu professionalisieren, waren spezielle Leisten angeschafft und ebenfalls von einem ehrenamtlich tätigen Handwerker installiert worden. Sie verweisen darauf, dass das Konzept „Kunst in Upleward“ fortgeführt werden soll.

Ulrich Schnelle kam 2002 nach Ostfriesland – der Liebe wegen, wie er selber sagte. Mittlerweile fühle er sich auch als Ostfriese. Schnelle (Jahrgang 1954) wurde in Bünde (Nordrhein-Westfalen) geboren. An der Universität Göttingen studierte er Forstwirtschaft und Germanistik, ehe er zur Hochschule für Gestaltung in Bremen wechselte und Malerei studierte. Seit 1981 ist Schnelle freischaffend tätig.

▶     Die Ausstellung in der Kirche zu Upleward ist bis zum 4. Oktober zu sehen. Die Kirche ist täglich bis 18 Uhr geöffnet. 

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Bilder von Ulrich Schnelle: "Von Kühen, Taschen und dem ganzen Rest"

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Ausstellung in der Ev.-ref. Kirche in Upleward

Ulrich Schnelle

Bildender Künstler

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