Emden. Bäsle-Briefe werden sie genannt, weil Wolfgang Amadeus Mozart sie an seine in Augsburg lebende Kusine Maria Anna Thekla Mozart geschickt hat. Erhalten haben sich nur die Briefe, die er ihr geschrieben hat. Dokumente aus ihrer Hand sind nicht bekannt. Aber das, was Mozart da mit 21 Jahren verfasst hat, changiert zwischen hochgradig infantil und ebenso hochgradig vulgär. Und dennoch zeugen die Billetts von allerhand Phantasie und der Kunst, sich genehm zu machen. Zudem sind sie mit sprachlichen Andeutungen gespickt, die den Blick auf mögliche amouröse Begegnungen der beiden lenken (könnten?). Dennoch hat man beständig das Gefühl, in einer sprachlichen Spirale zu stecken, die die Worte zu einem Wirbelwind verknoten.
Vortragskunst in höchster Vollendung: Daniel Keberle.
Daran war natürlich auch der Vortrag des Schauspielers Daniel Keberle „schuld“, der mit wahrer Lust am Persiflieren der Texte mit großem Spaß die denkwürdigen Nachrichten aus den Jahren 1777 und 1778 spielerisch gestaltete und sprachlich so durcharbeitete, dass man nicht den Schauspieler Keberle, sondern den Komponisten Mozart vor sich wähnte. Keberle war völlig „drin“ im Thema, und auch die denkwürdigste Sprachrabulistik des Komponisten brachten ihn nicht ins Schleudern.
Solist und Liedbegleiter: Pianist Florian Krumpöck
Dem Vortragenden beigesellt waren der Pianist Florian Krumpöck und die Sopranistin Megan Kahts, die die Musik des Genies Mozart den Worten des jungen Mannes Mozart entgegensetzten. Und das war nun ein Unterschied, wie er massiver gar nicht hätte sein können, obwohl beides als ausgefeilt bezeichnet werden darf. Aber die typische Mozart‘sche Klangwelt versöhnte auf der Stelle mit der fäkalgesättigten Sprache. Dabei gestaltete sich die Musikauswahl als sehr besonders. Denn es waren keine großen Arien ausgewählt worden, sondern Lieder, die von vermeintlich raffinierter Schlichtheit kündeten - Beobachtungen, Empfindungen, Emotionen in der Sprache eines der größten Komponisten der Musikgeschichte.
Mal raffiniert, mal innig: Sopranistin Megan Kahts
Megan Kahts hat eine wunderbar klare Stimme, die sich der Diktion des Komponisten auf das Schönste anpasste. Und Krumpöck weiß zudem, wie man als Liedbegleiter zu agieren hat. Lautlos „sang“ er die Texte mit, blieb somit immer in perfekter Abstimmung mit der Sängerin. Auch solistisch wusste sich der Wiener bestens zu präsentieren. Er spielte – die einzelnen Sätze mit den Textpassagen verschränkend – die schmeichelhafte und zudem allbekannte Klaviersonate C-Dur (KV 330) mit viel Ausdruck und verzückter Begeisterung.
Das ganze Programm war derart gestaltet, dass es für das Publikum ein packender Abend war, der zeigte, dass auch das Genie letztlich immer auch ein Kind seiner Zeit ist.
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