Bunderhee. Mit einem musikalischen Feuerwerk sind die Gezeitenkonzerte 2026 zu Ende gegangen. Vor der Kulisse des Polderhofs in Bunderhee feierten 1500 Besucherinnen und Besucher gemeinsam mit dem Crossover-Ensemble UWAGA!, der Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Rasmus Baumann sowie dem Team der Gezeitenkonzerte einen Schlusspunkt, der kaum eindrucksvoller hätte ausfallen können. Das ausverkaufte Konzert bildete nicht nur den glanzvollen Abschluss der Festivalsaison, sondern zugleich das Ende einer Ära.
Auch ihm fiel es schwer, den Abschied zu vermelden: Polderhof-Chef Helmuth Brümmer.
Für einen bewegenden Moment sorgte bereits die Begrüßung durch Gastgeber Helmuth A. Brümmer. Mit sichtbarer Emotion kündigte er an, dass dieses zehnte Schlusskonzert auf dem Polderhof zugleich das letzte sein werde. Die Nachricht verlieh dem Nachmittag eine besondere Atmosphäre. Umso passender, dass sich dieser außergewöhnliche Konzertort mit einem Programm verabschiedete, das seine Geschichte als Spielstätte der Gezeitenkonzerte eindrucksvoll krönte.
Dabei hätte das Ambiente kaum stimmungsvoller sein können: Strahlender Sonnenschein, sommerliche Temperaturen und die einzigartige Kulisse des Friesenpferdegestüts sowie das Catering des Tammenshofs boten den idealen Rahmen für ein Konzert, das von der ersten Minute an elektrisierte. Schon beim Einzug der Musikerinnen und Musiker war die Vorfreude auf den voll besetzten Rängen förmlich greifbar.
Der Polderhof bot zum letzten Mal die Kulisse für das Abschlusskonzert des Festivals
Unter dem Titel "UWAGA! Goes Opera" bewiesen die fünf Musiker einmal mehr, weshalb sie seit Jahren zu den außergewöhnlichsten Ensembles der europäischen Crossover-Szene zählen. Gemeinsam mit der Neuen Philharmonie Westfalen verwandelten sie berühmte Opernmelodien in temperamentvolle, überraschende und bisweilen aberwitzige Klangabenteuer. Mozarts „Zauberflöte", Händels „Rinaldo", Verdis Gefangenenchor oder Bizets „Carmen" wurden nicht einfach arrangiert, sondern mit Jazz, Balkanmusik, Improvisation und einer gehörigen Portion Humor neu erfunden. Immer wieder blitzten musikalische Zitate aus Pop und Rock auf, ohne jemals plakativ zu wirken. Stattdessen entstand ein faszinierender Dialog zwischen klassischer Tradition und grenzenloser Spielfreude.
Ein starkes Team: UWAGA! und die Neue Philharmonie Westfalen
Die besondere Stärke des Konzerts lag dabei in der perfekten Balance zwischen orchestraler Klangfülle und der ansteckenden Energie von UWAGA!. Rasmus Baumann führte die Neue Philharmonie Westfalen mit sicherer Hand durch die stilistischen Wechsel, während die fünf Solisten mit stupender Virtuosität, großer Bühnenpräsenz und sichtbarer Freude am gemeinsamen Musizieren das Publikum mitrissen. Was hier entstand, war weit mehr als ein Crossover-Projekt - es war ein ebenso intelligentes wie hoch unterhaltsames musikalisches Miteinander, bei dem sämtliche Genregrenzen spielerisch überwunden wurden. Immer wieder entluden sich Begeisterung und Staunen in spontanem Szenenapplaus. Besonders die augenzwinkernden Übergänge zwischen Oper, Jazz, Balkanrhythmen und Rock sorgten für zahlreiche Überraschungsmomente. Virtuosität wurde nie zum Selbstzweck, sondern stets von Charme, Witz und einer ansteckenden Leichtigkeit getragen.
Leitete mit sicherer Hand durch den Abend: Dirigent Rasmus Baumann
Als nach dem letzten Akkord minutenlange Standing Ovations einsetzten, war spürbar, dass sich nicht nur ein Konzert seinem Ende näherte. Mit dem Abschied vom Polderhof endet nach zehn unvergesslichen Schlusskonzerten zugleich ein Kapitel der Gezeitenkonzerte, das Publikum, Künstlerinnen und Künstler sowie Veranstalter gleichermaßen geprägt hat. Gerade deshalb hätte es keinen würdigeren Abschluss geben können als dieses begeisternde Konzerterlebnis voller musikalischer Fantasie, überschäumender Energie und echter Festivalemotion.
In diesem Beitrag erwähnt
Gezeitenkonzerte 2026 „Begegnungen!“
Programm der diesjährigen Saison veröffentlicht