Emden. „Küstenklänge“ sei ein wunderbarer Film geworden, der außerordentlich gelungen sei und es verdiene, bundesweit gezeigt zu werden, lobte Filmfest-Manager Edzard Wagenaar nach der Präsentation der knapp einstündigen Dokumentation im Festspielhaus am Wall. „Ich hatte mich gefragt, wie man ein solches Festival filmisch umsetzt, so dass er auch kurzweilig wirkt“, betonte der künstlerische Leiter der Gezeitenkonzerte, Matthias Kirschnereit, der sich „überwältigt“ von der Wirkung zeigte. Er erlebe das Festival ja nicht „von außen“ und staune über seine eigene Reaktion auf die Darstellung. „Da ist nichts gestellt. Auch die interviewten Künstler sind locker und entspannt.“
Erwartungsvoll: Das Gezeiten-Team um die beiden Leiter Matthias Kirschnereit und Raoul-Philip Schmidt vor der Film-Premiere
Der organisatorische Leiter der Gezeitenkonzerte, Raoul-Philip Schmidt, hatte den Film 2025 bei der Produktionsfirma AZ Media Gate in Auftrag gegeben. Sechs Konzerte besuchten die jungen Mitarbeiter. Diese Veranstaltungen bilden die Basis der Dokumentation. Drumherum bauten sie Aufnahmen von Spielorten, Stellungnahmen von Besuchern, Künstlern, Mitgliedern des Freundeskreises der Gezeitenkonzerte und Vertretern der Spielstätten ein. Dabei werden alle Facetten berücksichtigt, die die Gezeitenkonzerte als Festival bieten: die Konzerte, die Ausflüge, die jeweils vor den Veranstaltungen angeboten werden, das Catering, das vielbeschäftigte Gezeiten-Team, die vielfältigen Unterstützer aus Wirtschaft und Ehrenamt. Aber auch die Produktion der sogenannten „Bilderwelten“, die den Programmheften ihr ganz eigenes Gepräge geben, findet sich thematisiert.
Kannten das Festival vor Beginn der Arbeiten nicht, lernten es aber beim Dreh intensiv kennen: Max Gies und Zoran Alexander Garic von der AZ Media Gate
Dass da so vieles zusammenpasse und sich gegenseitig befruchte und ergänze, betonte Landschaftspräsident Rico Mecklenburg. Er werde immer wieder von anderen Landschaften gefragt, wie die Ostfriesische Landschaft, die älteste unter den Kommunalverbänden und Körperschaften, die ganze Vielfalt zwischen Kultur und Bildung bewältige. Er pflege zu entgegnen: „Weil wir es können!“
Matthias Kirschnereit gibt in dem Film den Roten Faden vor. Wirkungsvoll an einem hölzernen Tisch mit einer historischen Lampe sitzend, leitet er von einem Themenaspekt zum nächsten über und berichtet über Fakten und Emotionen.
Kannten das Festival vor Beginn der Arbeiten nicht, lernten es aber beim Dreh intensiv kennen: Max Gies und Zoran Alexander Garic von der AZ Media Gate
Wie aber kommt dieser Imagefilm überhaupt zum Filmfest? Am 17. März habe ihm Raoul-Philip Schmidt eine Mail geschickt, berichtete Wagenaar. Er habe ein filmisches Porträt der Gezeitenkonzerte anfertigen lassen. Das sei jetzt fertig. Es sei ihm, Schmidt, aber bei den ganzen Vorbereitungen des aktuellen Gezeiten-Programms bisher „durchgerutscht“, das Thema nachdrücklicher zu verfolgen. Aber vielleicht habe das Filmfest, mit dem man nun ja schon seit Jahren zusammenarbeite, Interesse daran?
Wagenaar sah sich das Festival-Porträt digital an – und war völlig perplex. Wie einem solch ein Film, der eine solche „ungeheure Lebendigkeit“, einen solchen Spirit ausstrahle, „durchrutschen“ könne, fragte er – einigermaßen fassungslos – seinen Kollegen und schaute gleich nach einem passenden Termin. Und so kam am letzten Filmfest-Tag das ganze Gezeiten-Team im Festspielhaus am Wall zusammen, um gemeinsam mit anderen Besuchern den Film zu begutachten. Ob die Doku nun tatsächlich, wie von Edzard Wagenaar angesprochen, aufgrund ihrer Qualität von einem öffentlich-rechtlichen Sender ins Programm aufgenommen wird, bleibt abzuwarten.
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events
In diesem Beitrag erwähnt
36. Internationales Filmfest Emden-Norderney
Veranstaltungsorte:
VHS, CineStar, Norderney