Emden. „Ich habe versucht, Klarinette zu spielen. Ich habe aus dem Ding keinen einzigen Ton herausgebracht.“ Die Konzertbesucherin ist ob dieser Erfahrung voller Bewunderung für den Klarinettisten Norbert Kaiser, der dem Instrument die schönsten, zartesten, delikatesten Töne entlockte und so zum Beispiel das „Klarinetten-Quintett A-Dur“ (KV 581) im Zusammenspiel mit dem wunderbaren Minguet Quartett zu einem rauschhaften Erlebnis machte, das beschwingte und verzauberte.
Opernarien von Mozart: Matthias Kirschnereit begleitete Bassbariton Stephan Storck auf dem Klavier.
Welch grandiose Idee des künstlerischen Leiters der „Gezeiten“, Matthias Kirschnereit, dem großen Wolfgang Amadeus Mozart einen Konzertreigen zu widmen, der eine Vielfalt von Facetten des Komponisten beleuchtet – und welch ein Jammer, dass es nicht mehr war. Denn im Grunde hätte jeder einzelne Programmpunkt ein eigenes Konzert verdient: die Kammermusik, die Lieder, die Arien, die Vorstellung der Musik für Glasharfe, das Klavierkonzert mit einem überragenden Minguet-Quartett, das den Orchester-Part übernahm und eine solche Vielzahl musikalischer Farben hervorbrachte, dass man ein größeres Ensemble gar nicht vermisste.
Ätherische Musik gespielt auf 43 Kristallgläsern von Susanne Würmell
War es am ersten Abend die Sopranistin Megan Kahts, die mit Mozart-Liedern begeisterte, so gestaltete im dritten Konzert der Bassbariton Stephan Storck Opernarien derart brillant, dass man ihm gerne noch ein Weilchen länger zugehört hätte, denn er spielte seine Rollen beim Singen mit nachdrücklicher Gestik. 43 selbst geschliffene Kristallgläser sind das Instrument von Susanne Würmell. Die Glasharfenistin gab mit dem Rondo aus KV 617a Einblick in eine Kunst, die Fingerfertigkeit benötigt - und die Besucher damit zum Staunen brachte. Kristallgläser und feuchte Fingerspitzen – und schon lässt sich mit einem Trinkgefäß edelste Musik hervorbringen.
Ein Orchester aus vier Musikern: das Minguet Quartett spielte Mozarts Konzert Nr. 12 in A-Dur mit Matthias Kirschnereit als Solisten
Ob „Kegelstatt-Trio“, die Arie des Leporello aus Don Giovanni, das Lied „Die Abendempfindung“, das Konzert Nr. 12 in A-Dur, das Quartett d-Moll für Streichquartett oder die Fantasie d-Moll – es war ein Fest der schönen Klänge. Und wenn der organisatorische Festivalleiter Raoul-Philip Schmidt eingangs darauf verwiesen hatte, dass Mozarts Musik heilende Kräfte besäße, so war am Ende dieses dreiteiligen Zyklus ganz offensichtlich der Beweis erbracht, dass das Publikum nicht nur etwas für sein Vergnügen, sondern auch etwas für seine Gesundheit getan hatte.
Ein Vergnügen, ihm zuzuhören: Klarinettist Norbert Kaiser
⏵ Das Minguet Quartett spielt in der Besetzung Ulrich Isfort und Annette Reisinger (Violine), Aida-Carmen Soanea (Viola), Matthias Diener (Violoncello)
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