Eine Sternstunde in Bargebur

Der Organist und Cembalist Bernhard Klapprott hat in der reformierten Kirche Bargebur ein neu gebautes Cembalo in einem intensiven Konzert vorgestellt

Der Ausführende und der Schöpfer: Cembalist Bernhard Klapprott und der Erbauer historischer Tasteninstrumente Dietrich Hein
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Wolfgang Mauersberger

Der Ausführende und der Schöpfer: Cembalist Bernhard Klapprott und der Erbauer historischer Tasteninstrumente Dietrich Hein

Bargebur. Der Ton steht klar im Raum. Es ist ein freundlicher, zugänglicher Ton, der charmant die Musik bezirzt und ihr weiten Raum gibt. Im intimen Rahmen der akustisch perfekten reformierten Kirche in Bargebur entfalten sich die Klänge anmutig und umschmeicheln das Publikum, unter dem viele Fachleute vertreten sind. Vorgestellt wird an diesem Abend ein zweimanualiges Cembalo aus der Werkstatt von Dietrich Hein, der spezialisiert ist auf den Bau historischer Tasteninstrumente. Er selber ist aus Oldenburg gekommen, um diese denkwürdige Premiere mitzuerleben.
 

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Bernhard Klapprott am neuen Cembalo in der Kirche von Bargebur

Bernhard Klapprott am neuen Cembalo in der Kirche von Bargebur

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Bernhard Klapprott, Professor für Historische Tasteninstrumente aus Weimar und Bremen, stellt das Instrument, dessen Korpus burgunderrot gestrichen und mit einer Goldkante verziert ist, im Rahmen eines Programms vor, das die vielfältigen Fähigkeiten des Cembalos höchst vorteilhaft zur Geltung bringt. Das Instrument ist einem Vorbild des Cembalo- und Harfenbauers Michael Mietke (geboren zwischen 1656 und 1671, gestorben 1719 in Berlin) nachempfunden. Entsprechend hat Klapprott das Programm zusammengestellt. Er selber moderiert seine Auswahl und bringt so den Zuhörern eine Zeit zwischen dem frühen Barock und der Empfindsamkeit des 18. Jahrhunderts in exquisiten Werken nahe.

Für den Einstieg wählte Klapprott ein Werk von Louis Couperin, das Tanzsätze in F-Dur zusammenbindet und das eingeleitet wird durch ein sogenanntes „Prélude non mesuré“, ein Präludium ohne Taktangabe, in dem nur in Gruppen angeordnete ganze Noten vorkommen, die durch Bögen verbunden sind. Der Cembalist selber muss die rhythmische Ausgestaltung übernehmen. Die unterschiedlichen Tanzsätze folgen unterschiedlichen Stimmungen, am ruhigsten war dabei das melancholische „Tombeau de Mr. de Blancrocher“ – eine Würdigung für den Lautenisten Charles Fleury, der durch einen Treppensturz unglücklich zu Tode kam. Gefolgt von einer rauschhaften Chaconne, endete dieses fulminante Beispiel für französische Musik, wie sie am Hofe Ludwigs XIV. erklang.
 

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Umarmung im Überschwang der Gefühle: Bernhard Klapprott und Dietrich Hein

Umarmung im Überschwang der Gefühle: Bernhard Klapprott und Dietrich Hein

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Georg Muffats „Passacaglia in g“ sei ein Beispiel für die hohe Kunst der Variation, wie Klapprott erklärte. Die 24 Miniaturen wiederholen nach je sechs Stücken das anfängliche Thema. Natürlich gehört auch Johann Sebastian Bach in den Reigen jener Komponisten, deren Musik sich durch das Cembalo in schönster Weise präsentieren lassen – und zudem geeignet sind, bestimmte Qualitäten des Instrumentes hervorzuheben. Bei dem Hein/Mietke-Cembalo sind es zwei Lautenzüge, bei denen Elch-Leder für eine Dämpfung der Messingsaiten sorgt, die damit eine dunklere Klangwirkung erhalten. Sie imitieren Lautenklaviere, bei denen die Saiten grundsätzlich aus Darm bestehen. Exemplarisch demonstrierte Klapprott diese Wirkung anhand von „Praeludium, Fuge und Allegro“ in Es-Dur, BWV 998. Dieses spezielle Klangbeispiel darf durchaus als ein Höhepunkt der Präsentation benannt werden.

Den Schluss des Konzertes bildete eine Komposition von Carl Philipp Emanuel Bach. Seine „Württembergische Sonate III“ in e-Moll sei ein Beispiel für die „musikalische Rede“, die in jener Zeit zum Tragen kam und Figuren der Rhetorik mit den Mitteln der Komposition nachbildet. Wie nicht anders zu erwarten, hatte Klapprott auch für die Zugabe einen hochästhetischen Tanzsatz gewählt – eine berührende Sarabande aus einer der französischen Suiten Johann Sebastian Bachs. Kein Wunder, dass der Organisator des Konzertes, Dr. Reinhard Böhlen, von einer „Sternstunde“ sprach, die die wunderbaren Kompositionen, den meisterlichen Cembalisten, seine herausragende Darbietung und das wohltönende neue Instrument gleichermaßen meinte.

Veröffentlichungsdatum
Publiziert von

Wolfgang Mauersberger

(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events

In diesem Beitrag erwähnt

Gotteshaus

Kirche Bargebur

Adresse
Alter Postweg, Norden-Bargebur
Bernhard Klapprott an der Orgel von Dornum

Cembalo-Recital

Perlen der Cembalomusik des 17. und 18. Jahrhunderts in der Reformierten Kirche Bargebur

Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.