Reepsholt. Mit Klavier und Oboe mitten hinein in die Oper? Mit Albrecht Mayer und Bernd Glemser gelang das mühelos. Die beiden boten solo (Glemser) oder zu zweit starke Auftritte. Mayer munter moderierend, Glemser ganz in das musikalische Programm versunken. Die unterschiedlichen Charaktere der Musiker ergänzten sich letztlich glänzend, und so war man als Besucher vielerlei Gefühlsregungen zwischen berührt und erfüllt ausgesetzt. Das ging so weit, dass die Zugabe – Bachs „Nun komm, der Heiden Heiland“ – mit einem intensiven Schweigen endete. Niemand traute sich, sich auch nur zu räuspern, geschweige denn zu applaudieren – so innig, so herzergreifend war das Spiel der beiden.
Moderierte und spielte: Oboist Albrecht Mayer
Nach vier Arien aus Mozarts „Zauberflöte“, zauberhaft von Klavier und Oboe ins Instrumentale übersetzt, gestaltete Glemser zwei der drei Klavierstücke D 946 von Franz Schubert. Der Pianist hat einen interessanten Anschlag, der so leicht und flüssig wirkt, dass man ihn eher mit einem Streicheln der Tasten beschreiben möchte. Und so entwickelten sich die beiden kleinen Stücke zu perlenden Juwelen – so schön, dass man hinterher geneigt war, erst einmal die Luft anzuhalten, um die Stücke es-Moll und Es-Dur zu „verdauen“.
Robert Schumanns „Fantasiestücke op.73“ bezeichnete der moderierende Mayer als „definitiv ein Gottesgeschenk“ und lieferte mit Bernd Glemser einen Eindruck davon, wie sich diese quasi als himmlisch bezeichnete Musik anhören kann. Das war unglaublich eindrucksvoll – doch, es sollte noch besser kommen.
Brillanter Pianist: Bernd Glemser
Francis Poulencs „Sonate für Oboe und Klavier“ stand nach der Pause auf dem Programm. Mayer erläuterte, dass der französische Komponist als Mitglied der „Groupe des Six“ eigentlich gegen die romantische Schwülstigkeit agieren wollte. Mit der Oboen-Sonate aber habe er „schönste romantische Musik“ geschrieben.
Und wieder war Bernd Glemser als Solist eingeplant. Dieses Mal mit Chopin. Das „Nocturnes Des-Dur op. 27“ war eine phänomenale Hommage an die Nacht. Aber die „Ballade Nr. 3“ in As-Dur übertraf sie womöglich an Tiefe des Ausdrucks und ergreifender Hingabe an die Musik.
Mit einer Fantasie über Donizettis Oper „Linda di Chamounix“, die Louis Klemcke für Oboe und Klavier gesetzt hatte, schoss das fabelhafte Duo dann aber den Vogel ab. Über lange Phasen schien Albrecht Mayer überhaupt keine Luft zu benötigen, um die ausufernden Notationen zu spielen. Und Glemser ließ es an Tastenbrillanz nicht fehlen. Das war schon ganz hohe Kunst und beschloss einen Abend, den man sich - was die Schönheit des Ausdrucks, die Zartheit der Musikalität und die Souveränität in der Umsetzung anging – nicht edler hätte vorstellen können.
⏵ Das Konzert wurde vom Deutschlandfunk aufgezeichnet. Ein Sendetermin steht noch nicht fest.
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