Norden. Bach auf der Orgel gespielt. Bach von einem kleinen Barock-Ensemble interpretiert. Bach gesungen. Bach getanzt. In der Ludgerikirche erlebten die Besucher somit ein musikalisches Paket, das noch erweitert wurde durch Arrangements des Organisten und Dirigenten von BachWerkVokal, einem Ensemble, das im Mozart-trunkenen Salzburg beheimatet ist. Gordon Safari hatte eine Kleinbesetzung mitgebracht. Acht Instrumentalisten, vier Solisten, zwei Tänzer. Sie gestalteten einen Abend, der das Prädikat „ungewöhnlich“ nun wirklich einmal verdient.
Das gesamte Ensemble mit Tänzern, Instrumentalisten und Sängern.
Drei Kantaten standen auf dem Programm, dazu solistisch besetzte geistliche Lieder, Orgelwerke und Instrumentalmusik. Zwei der Kantaten wurden von Iveta Krmelova und István Varga mit tänzerischen Momenten unterlegt. Das war ein interessanter Versuch, die Musik des großen Barockkomponisten noch sinnfälliger zu machen. Es waren sehr expressive, freie und dynamische Bewegungsmuster, die die beiden Tänzer in einer eigenen Choreographie vorstellten und damit das Ziel ins Auge fassten, die Tiefe der Musik Bachs in sehr moderner Weise zu ergründen. Womöglich ein bisschen zu modern?
Iveta Krmelova und Istvan Varga in Aktion auf einer kleinen Bühne
Die vier Solisten Anne Stadler, Jaro Kirchgessner, Alexander Hüttner und Elias Mädler verfügen über wunderbare Stimmen, die mühelos den großen Raum der Ludgerikirche füllten: ein eleganter Sopran, dem es aber nie an Kraft gebrach; ein ausgeprägter Bass, ein agiler Tenor und ein Altus von schmelzendem Charakter – alle vier wunderbar aufeinander eingestimmt.
Dirigent Gordon Safari
Dazu kamen die Arrangements von Gordon Safari, die mit großer Sicherheit den Barockkompositionen nachspüren, aber Neuerungen hineinbringen. So lässt er in „Erbarm Dich mein, o Herre Gott“ die Männerstimmen summen. Das gibt dem geistlichen Lied einen Background, der die Frauenstimme wie über einen Klangteppich gleiten lässt. Ganz besonders schön war „Liebster Jesu, wir sind hier“ gelungen, ein Arrangement so fein wie gesponnene Seide und so zart, dass das Publikum in der ausverkauften Ludgerikirche eine Weile zögerte, dieses delikate Klanggespinst mit Applaus womöglich zu zerstören.
Ein Teil der Instrumentalgruppe: Violone, Cello, Fagott und Oboe
Orgelstücke wurden mit einer Verbeugung vor der Norder Orgel Arp Schnitgers ins Programm genommen, wobei sich die „Fuga alla Giga“ als ein wundersames Prachtstück erwies, das nicht nur den tänzerischen Aspekt des Programms aufnahm (Giga = der Tanz Gigue), sondern auch mit technischer Brillanz aufwartete. Das Instrumental-Ensemble setzte sich aus fünf erstklassigen Streichern (Violinen, Viola, Violone und Cello) zusammen. Oboe und Fagott setzten dann die Glanzpunkte. Das Cembalo sorgte für satte Fülle.
Und Gordon Safari? Der behielt alle Fäden sorgsam in der Hand, sang mit den Sängern, gestaltete mit dem ganzen Körper die Musik Bachs und machte so deutlich, dass die Tradition der Bach‘schen Musik seine Fortsetzung findet – mit innovativen Zugängen, unkonventionellen Ideen und dem Mut, sich dem Giganten der Musikgeschichte mit frischem Blick zu nähern.