„Ganz Ostfriesland gratuliert!“

Mit dem Bundesverdienstkreuz wurde nicht nur der Künstler Herbert Müller ausgezeichnet, sondern es wurde vor allem seine Arbeit im Sinne der Völkerverständigung gewürdigt

Verdienstkreuz für Herbert Müller
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Wolfgang Mauersberger

Verdienstkreuz für Herbert Müller

Aurich. Eine Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz sei rar, versichert Landrat Olaf Meinen. Jeder Antrag werde ausgiebig geprüft und durchlaufe einen langen, teilweise jahrelangen Weg, bis es zu einer Ablehnung oder Bewilligung komme. Die Auszeichnung für den Künstler Herbert Müller brauchte drei Jahre, bis der Brief mit einer positiven Nachricht beim Antragsteller Hans Michaelis in Leer ankam. „Ich habe gleich bei Herbert angerufen, aber in Fehnhusen war die Post noch nicht ausgetragen worden“, berichtete Michaelis, Kunstbeauftragter beim Klinikum Leer, zum Amüsement der anwesenden Gäste der Verleihung im „Sandhorster Krug“ in Aurich.
 

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Die Laudatoren und der Geehrte: Dr. Gerhard Stauch, Herbert Müller, Jan van den Hoorn, Hans Michaelis, Adelheid Wilts-Müller, Rico Mecklenburg, Thomas Erdwins, Ulrich Kohlhoff und Olaf Meinen

Die Laudatoren und der Geehrte: Dr. Gerhard Stauch, Herbert Müller, Jan van den Hoorn, Hans Michaelis, Adelheid Wilts-Müller, Rico Mecklenburg, Thomas Erdwins, Ulrich Kohlhoff und Olaf Meinen

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Ein strahlender Herbert Müller nahm die Ehrung entgegen, ließ die Insignien des Ordens von den Gästen ausgiebig bestaunen und bedankte sich mit Hinweis darauf, dass Völkerverständigung auch auf kleinster Ebene funktioniert, aber alles eben nur im Miteinander. Die Würdigungen von Politik und Weggefährten machten deutlich, dass Müller „seit Jahrzehnten mit außergewöhnlicher Hingabe Verantwortung“ übernehme, wie Olaf Meinen es formulierte. Seine ehrenamtliche Arbeit bezeuge vor allem eine Haltung, mit der er den Menschen einen Spiegel vorhalte. Dies geschehe eher leise und ohne belehren zu wollen. 
 

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Sieht man nicht jeden Tag: die Verleihungsurkunde mit der Unterschrift des Bundespräsidenten

Sieht man nicht jeden Tag: die Verleihungsurkunde mit der Unterschrift des Bundespräsidenten

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Ulrich Kohlhoff, ein Freund des Geehrten, schilderte, wie Müller, der am Ulricianum als Kunsterzieher tätig war, die Namen der toten Zwangsarbeiter von Engerhafe in einem Schuhkarton im Kirchenarchiv fand und gemeinsam mit Schülern begann, ein Mahnmal zu konzipieren. Mit Beharrlichkeit ging es voran, und 2008 wurde eine Ausstellung mit Arbeiten Müllers zur Initialzündung für die Gründung eines Vereins, der die Gedenkstättenarbeit tragen sollte. Er habe die Erinnerungskultur stets mit seiner Kunst in Verbindung gesehen, als Möglichkeit, die Arbeit im Sinne der Gedenkstättenarbeit auszuweiten. Historiker würden dieser Verknüpfung allerdings eher ablehnend gegenüberstehen.
 

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Digitaler Gruß aus Kambodscha

Digitaler Gruß aus Kambodscha

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Bürgermeister Thomas Erdwins würdigte Herbert Müller als einen Menschen, der seine künstlerische Begabung nutze, um „Leid sichtbar und erfahrbar“ zu machen. Dass Müller dies aber nicht nur in Ostfriesland, sondern auch in der Welt umsetze, war das Thema des Pathologen Dr. Gerhard Stauch. Er hatte Müller auf eine Reise nach Kambodscha mitgenommen, wo man unter anderem auch eine Schule besuchte. Die Zustände ließen den gebürtigen Norder nicht los. „Da müssen wir etwas tun.“ Aber Müller beließ es nicht bei bloßen Worten. Als Mann der Praxis beschaffte er Bücher, Hefte, Lehrmaterial, zudem Geld für die Einstellung zusätzlicher Lehrer. Und weil es zur Tradition der Kambodschaner gehört, bekam die Erziehungsstätte eine Bibliothek. Ein Solarpanel sorgte für Elektrizität. Und als sich die Schule belebte und immer mehr Schüler sich einfanden, begann ein Bauprojekt zur Schulerweiterung. Es sei der „grenzenlose Optimismus“ Müllers gewesen, der all das möglich gemacht habe, resümierte Stauch, ehe Grüße aus Kambodscha digital eingespielt wurden. Für die Ostfriesische Landschaft sprach deren Präsident Rico Mecklenburg ein Grußwort und rief dem Geehrten zu: „Ganz Ostfriesland gratuliert!“
 

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Olaf Meinen heftet das Verdienstkreuz an das Revers von Herbert Müller

Olaf Meinen heftet das Verdienstkreuz an das Revers von Herbert Müller

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Einen herzlichen Glückwunsch richtete Jan van den Hoorn aus. Er ist Vorsitzender der Stichting Oktober 44, und war eigens aus Amersfoord angereist, um an der Ehrung Herbert Müllers teilzunehmen. Die beiden kennen sich über die Gedenkstättenarbeit, da unter den Toten von Engerhafe auch zwölf Männer aus dem niederländischen Putten waren. Die Erinnerung an das Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht in dem kleinen Ort im Gelderland am 2. Oktober 1944 ist Teil der Gedenkarbeit der Stichting.
 

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Vor der Verleihung trafen sich die Gäste zu einer Kaffeetafel im Wintergarten des Sandhorster Krugs

Vor der Verleihung trafen sich die Gäste zu einer Kaffeetafel im Wintergarten des Sandhorster Krugs

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Und was bedeutet „Völkerverständigung im Kleinen“, die Müller angesprochen hatte? Zum Zuge der Gedenkstättenarbeit wollte sich auch ein Däne nach dem Verbleib eines Verwandten erkundigen und kam an einem recht kalten Sommertag in kurzen Hosen zu Familie Müller, die bei dem Mann bald tiefgreifende Ressentiments verspürte. Herbert Müller in seiner praktischen Art bot ihm kurzerhand ein paar Jeans an, damit der Tag für den Dänen nicht zu kühl wurde. Seit diesem Augenblick änderte sich der Umgang grundlegend, berichtete Müller. Hans Sörensen sei ein Freund geworden, der leider inzwischen verstorben sei.

Veröffentlichungsdatum
Publiziert von

Wolfgang Mauersberger

(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events

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Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.