Emden. Großes Theater mit wenigen gestischen Mitteln: die „Damen und Herren Daffke“ liefen in der Besetzung drei Sänger und zwei Instrumentalisten zu großer Form auf. Mit ihrem Programm „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ gestalteten sie einen Abend mit Musik aus Filmen, Operetten, mit Chansons, Liedern und Couplets und ernteten lautstarken Applaus.
Das Ensemble und sein Publikum in der ausverkauften Veranstaltung im Fährhaus am Borkumkai: Franzisca Kussmaul, Ilan Bendahan Bitton, Franziska Hiller, Markus Paul und Kurt Kuhfeld.
Das Programm setzte sich vorwiegend auf Beiträgen rund um 1930 zusammen, reichte aber auch weiter in die Gegenwart. Bestechend indes war, wie gut die einzelnen Nummern zusammenpassten, um das „Wunsch-Programm“ entstehen zu lassen. Dabei befassten sich die Themen nicht allein mit verschiedenen Arten der Liebe, sondern – besonders im ersten Teil des Abends – mit Politik. Ganz deutlich wurde es bei Friedrich Hollaenders „Der Spuk persönlich“, in dem dezidiert der Name Hitler vorkommt oder auch in dem Georg Kreisler-Chanson „Weg zur Arbeit“ mit seiner entlarvenden Kritik an politischen Wendehälsen. Der erste Teil endete mit dem originellen Couplet „Stroganoff“, in dem Friedrich Hollaender die Entstehung eines besonderen Gerichtes in absurder Weise thematisiert. Der Schauspieler und Sänger Markus Paul brillierte hier als wahrer Wortakrobat.
Die Sängergruppe: Franziska Hiller, Markus Paul und Kurt Kuhfeld
Kurt Kuhfeld hat nicht nur eine bemerkenswert wandlungsfähige Stimme, sondern auch viel Bühnentalent. Wie er seinen Kollegen Markus Paul bei „L’heure bleue“ umgarnte oder in „La bella Tangolita“ eine anspielungsreiche Situation herstellte, das zeugte von ausgeprägtem Körperbewusstsein. Franziska Hiller bekundete mit rollendem „R“ und verführerischen Blicken: „Ich bin ein Vamp“ und ließ einen „Stoßseufzer einer Dame in bewegter Nacht“ hören, der mit der nüchternen Erkenntnis endet „Lieben, ja. Aber schlafen? Allein!“ Die junge Leipzigerin wirkte im schwarzen Kleid und mit kräftigem Makeup wie aus den 20er Jahren in die Gegenwart gesprungen. Genau wie ihre Kollegen hat sie eine Gesangs- und Schauspielausbildung und wusste beides mit viel Charme einzusetzen.
Begleitet wurde das Trio, das leider nur zu Anfang und Schluss gemeinsam auftrat und ansonsten solistisch zu hören war, von Ilan Bendahan Bitton am Klavier und Franzisca Kussmaul auf der Violine. Gemeinsam bildeten sie ein völlig ausgewogenes Ensemble, dem zuzuhören und zu sehen viel Spaß bereitete, weil sich erstklassige Spiel- und Sangeskunst mit ganz offensichtlicher schauspielerischer Begabung verbanden. Die Musiker dürfen gerne wiederkommen, denn an Musik aus der Zeit, die man die „Goldene“ nennt, besteht ja kein Mangel.
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