Hinte. Ein klassisches Kammerkonzert, das erste in dieser Gezeiten-Saison, mit einem Programm, in dem sich die einzelnen Beiträge wonnig ineinander schmiegten – das erlebten 190 Besucher in der Kirche zu Hinte. Schon der Zwischenapplaus für den Cellisten Danjulo Ishizaka und den Pianisten Markus Schirmer war enorm und steigerte sich zum Schluss zu einem Crescendo mit Bravo-Rufen und Standing Ovation.
Ist Professor an der Universität der Künste Berlin und der Musikakademie Basel: Cellist Danjulo Ishizaka.
Mozarts „Fantasie c-Moll“ stand auf dem Programm, und Schirmer näherte sich dem Solostück, das er zuvor in einer kurzen Moderation als „zerklüfftet“ bezeichnet hatte, mit ungemein belebender Intensität. Die Tonart ordnete er der schwierigen Kindheit des Phänomens Mozart zu, der von seinem Vater ausgebeutet wurde, was zu Verstörungen führte. Das Solo-Gegenstück von Danjulo Ishizaka war eine Suite für Violoncello von Gaspar Cassadó, in der das folkloristische Element dominierte und zwei spanische Tänze zum Ausdruck mediterranen Lebens wurden. Ishizaka spielte mit hinreißendem Ausdruck und einer brillanten Technik, sodass man aus dem Staunen nicht herauskam.
Professor für Klavier an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz und künstlerischer Leiter eines Kammermusikfestivals: Pianist Markus Schirmer
Sein Instrument weist einen bestrickend wohltönenden Klang auf, sonor und tief. Das wirkte sich auch auf die beiden gemeinsam gespielten Werke aus. Johannes Brahms‘ Sonate e-Moll mit seinem markanten Thema im 1. Satz wurde so zu einem akustischen Erlebnis, das hie und da zwar vom Klavier leicht überdeckt wurde, aus dem sich das Cello aber immer wieder angenehm deutlich heraushob. Überhaupt kann das Zusammenspiel der beiden Musiker nur als ideal bezeichnet werden. Und das gestaltete sich umso wunderbarer, als der Cellist völlig ohne Noten spielte, was angesichts der schieren Masse der Zeichen und der daraus resultierenden Komplexität der Einsätze bemerkenswert war. Als das Rondo Fahrt aufnahm, hörte man deutlich, wie eng Ishizaka und Schirmer sich in der Interpretation, aber auch im Tempo einig waren. Das war erstklassig.
Veranstaltungsort des Gezeitenkonzertes: die Kirche zu Hinte, einer der wenigen spätgotischen Kirchenbauten Ostfrieslands
Zwei Zugaben folgten: Zunächst „Du bist die Ruh“. Das Schubert-Lied, hier als „Lied ohne Worte“ arrangiert, wurde mit romantischer Innigkeit umgesetzt und markierte einen neuerlichen Höhepunkt des Konzerts. Dieses endete mit Fritz Kreisler und seiner „Liebesleid“, was wiederum Bezug nahm auf das Motto des Konzertes, das Markus Schirmer anfangs ausgegeben hatte. „Von der Dunkelheit ins Licht“.
Unmittelbar benachbart ist die Burg Hinta, in der die Familie von Frese in 13. Generation lebt
Schirmer hatte übrigens mit wirklicher Wärme dem Gezeiten-Team ein öffentliches Lob für die freundliche Aufnahme und die sorgende Begleitung der Musiker ausgesprochen. Und er muss es wissen, schließlich ist er selber künstlerischer Leiter des Kammermusik-Festivals „ARSONORE“ in Graz.
In diesem Beitrag erwähnt
Gezeitenkonzerte 2026
"Begegnungen"