Historische Grabmale in Leer stehen wieder aufrecht
Der Freundeskreis der Krypta und des Kirchhofs Westerende in Leer kümmert sich um den Erhalt alter Grabsteine auf dem historischen Gelände
Leer. Auf dem alten reformierten Kirchhof am Westerende in Leer sind über 150 historische Grabsteine aus mehreren Jahrhunderten erhalten. 33 von ihnen konnten dank einer Zuwendung der Leeraner Hans-Heyo Prahm Stiftung gesichert werden. Das teilt der Vorsitzende des Freundeskreises der Krypta und des Kirchhofs Westerende, Dr. Georg Cramer, mit.
Etliche dieser 33 Grabsteine seien bereits niedergelegt worden, andere habe man teilweise überwuchert vorgefunden. Bei weiteren hätten Absperrbänder vor unzureichender Standfestigkeit gewarnt. Nun konnte der Auftrag an einen Steinmetzbetrieb vergeben werden, der die Steine fachgerecht wiederherrichtete.
Stück für Stück bauen Stefan Hunfeld und Michael Abheiden von der Firma Grabmale Schäfer den 600 KG schweren Grabstein für Zimmermeister Alberts und seine Frau wieder auf.
Nach welchen Kriterien hat man die Steine ausgewählt? Cramer versichert, dass die Auswahl recht einfach gewesen sei. „Sie waren nicht mehr in der Verantwortung von Angehörigen.“ Alle Steine seien zudem im Rahmen eines Projektes der Ostfriesischen Landschaft mit dem Titel „Memento Mori. Bestattungskultur in Ostfriesland“ zwischen 2010 bis 2014 dokumentiert und damit als historisch wertvoll und erhaltenswürdig charakterisiert worden.
Viele Namen auf den Grabsteinen erinnerten, so Cramer, an bedeutende Namen der Leeraner Stadtgeschichte. Die Herrichtung der Steine seien wichtig, denn sie gäben dem historischen Friedhof wieder „ein Stück weit seine ursprüngliche Würde und Ausstrahlung zurück“, wie Cramer versichert. Damit sei zugleich ein Ziel des Freundeskreises erreicht worden, „diesen historischen Ort der Trauer und des Erinnerns für die Menschen in Leer und für Gäste der Stadt zu bewahren“. Alte Grabsteine seien Zeugen einer längst vergangenen Zeit. Sie zeigten das Verhältnis zu Sterben und Tod früherer Generationen und brächten die christliche Hoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben zum Ausdruck. Zugleich prägten diese Grabmale die besondere Atmosphäre auf dem alten Kirchhof und lüden ein, dort gerne zu verweilen.
Nun bereiten Mitglieder des Freundeskreises ein Konzept für Gästeführungen und Informationen über den Friedhof vor. Erste Führungen sind für den Tag des offenen Denkmals am 13. September geplant. Cramer begründet: „Zusammen mit der Krypta verdient der alte reformierte Kirchhof am Westerende mehr Aufmerksamkeit, damit dieser Ort als Ursprung der Stadt Leer in Erinnerung bleibt.“
Der Freundeskreis möchte sich aber nicht allein für den Friedhof engagieren, sondern auch für die noch vorhandene Unterkirche, die Krypta, die einst von einer Kirche überbaut war. Das unterirdische Gebäude, rund 800 Jahre alt, leidet unter schweren Feuchtigkeitsschäden. Die zweischiffige Unterkirche ist zwar nicht einsturzgefährdet, aber die Mauern sind massiv durchfeuchtet, und der Putz zerbröselt. Derzeit gehe es darum „die Voruntersuchungen zur Krypta so weit zu führen, dass ein Sanierungskonzept entwickelt und mit dem Denkmalschutz verabschiedet werden kann“, erläutert Georg Cramer jenen Prozess, der als nächstes in Angriff genommen werden soll. Dazu gehöre es auch, die Qualität der Backsteine und ihren Salzgehalt besser zu untersuchen. Auch die Dichtigkeit der Gebäudehülle muss noch genauer untersucht werden. „Bisher fehlt es noch an abschließenden Erkenntnissen. Leider“, bedauert der Vorsitzende.
Der Freundeskreis der Krypta und des Kirchhofs Westerende wurde im November 2025 von 25 engagierten Bürgern gegründet. Ein halbes Jahr später hatte sich die Zahl verdoppelt, wobei nicht nur Einzelpersonen Mitglied wurden, sondern auch Körperschaften wie die Stadt Leer, die Prahm-Stiftung oder die katholische Kirchengemeinde Ems.
▶ Kontakt zum Freundeskreis:
info@krypta-leer.de
Die nächsten Veranstaltungen:
9. September, 19 Uhr, Gemeindehaus der reformierten Kirche, Reformierter Schulgang 5 in Leer, Vortragsveranstaltung zur Geschichte und Bedeutung der Krypta und des Kirchhofs Westerende. Es sprechen:
Dr. Sonja König über „Grabsteine unter die Lupe genommen - zur Bedeutung der Symbole auf dem Kirchhof“
Dr. Paul Wessels über „Vorgeschichte und Bedeutung der Aufstellung der Grabplatten im Jahr 1928 an der Ostseite der Krypta“
Dr. Stefan Krabath über „Bauentwicklung von der ursprünglichen Holzkirche bis zum gotischen Backsteinbau“
12. September ab 11.30 Uhr, Kirchhof Westerende, Plytenbergstraße
Am Vortag zum Tag des offenen Denkmals will der Freundeskreis mit Gästen die Besonderheiten des alten Kirchhofs erkunden und sich um vernachlässigte historische Grabstellen kümmern. Erwünscht sind weitere „Mitmacher“
13. September ab 11.30 Uhr, Plytenbergstraße
Am Tag des offenen Denkmals ist die Krypta geöffnet, es werden zudem Führungen über den alten Kirchhof am Westerende angeboten. Mit dabei sind: Dr. Paul Wessels, Dr. Sonja König, Linda Hinrichs und Dr. Stefan Krabath
Um 15 Uhr startet der „Reformierte Leer-Gang", ein Spaziergang mit Stadtführer Bernt-Dieter Boelsen durch die Leeraner Altstadt von der Krypta bis zur Waage und der Großen Kirche. Dort werden Exponate aus der 500-jährigen Geschichte der reformierten Gemeinde gezeigt