Leer. Aus scharfen Geraden und einigen wenigen weichen Linien entstehen Gesichter, die gefangen nehmen und aufgrund der zurückhaltenden Gesten zeitlos wirken. Landschaften werden mehrsichtig betrachtet, denn man sieht eine Landschaft ja nie nur aus einem Blickwinkel – so die Begründung. Daneben stehen emotionale Momente menschlichen Lebens. Dazu gehört zum Beispiel „Abschied“, eine stabile, fast dreieckige Komposition, in der sich alle Schattierungen von Schmerz und Erwartung bündeln. Unter Einbeziehung von Holzmaserung und Astlöchern entstehen Holzschnitte von weiten Landschaften, in denen der Mensch – unterlegen wegen seiner geringen Größe – nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Bestimmt von sparsamen Linien: zwei Kopfstudien von Ida Oelke
Großformatige Porträts in Seitenansicht konservieren Alterslosigkeit. Dazwischen immer wieder kleine Köpfe, aufgelöst in einfache Linien, Köpfe, die einander zugewandt oder abgewandt sind, Köpfe, deren Vielzahl sich erst bei genauer Betrachtung offenbart, und dann schichtenweise. „Diese Bilder verlangen Zeit“, sagte die Leiterin des Kunsthauses, Susanne Augat, in ihrer Eröffnung. Wenn man sich aber darauf einlasse, entstünden vielfältige neue Bezüge.
Gefragte Gesprächspartnerin: Ida Oelke und Gäste
Diese vielfältigen Bezüge waren bei der Eröffnung auch durch die beiden Musiker gegeben. Johanna Varner (Cello) und Dick Toering (Gitarre) gestalteten zu Bildern von Ida Oelke Improvisationen, die auch technische Mittel in ihre Gestaltung einbezogen. In freier Assoziation bezogen die beiden Musiker in ihrem letzten Beitrag ein ukrainisches Volkslied mit ein. Der bildliche Bezug war dabei „Auf der Flucht“ von Ida Oelke, eine Mischtechnik auf Leinwand. Entgegen aller Erwartungen ist es eine Arbeit in fröhlichem Hellblau. Allein ein traurig blickendes Gesicht der weiblichen Hauptperson lässt erahnen, dass das Thema des Bildes durchaus nicht erheiternd ist.
Landschaft aus zwei Blickwinkeln: Bauernhof von 1996
Landrat Matthias Groote erläuterte in seiner Begrüßung, dass es sich bei den 49 ausgestellten Werken nahezu ausschließlich um Holzschnitte handle, die sich „auf den ersten Blick ruhig entfalten“, dann aber eine große Tiefe aufweisen.
Die beiden Musiker Dirk Toering und Johanna Varner, rechts Kunsthaus-Leiterin Susanne Augat
Ida Oelke (Jahrgang 1956) wurde in Ardorf (Landkreis Wittmund) geboren. Seite Mitte der 90er Jahre sei der Holzschnitt ihr künstlerischer Schwerpunkt, betonte Susanne Augat. Oelke, die freiberuflich tätig ist, führt Workshops in ihrer eigenen Druckwerkstatt durch und unterrichtet an der Kunsthalle Emden. Sie ist Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler in Oldenburg und in der GEDOK Niedersachsen Hannover (Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen).
Im Gespräch: Kunstsammler Dr. Walter Baumfalk und Kunsthistorikerin Sarah Byl
⏵ Die Ausstellung „Von Mensch zu Mensch. Ida Oelke. Holzschnitte und Malerei“ ist bis zum 21. Juni zu sehen, Di bis Do und So von 14 bis 17 Uhr. Das Kunsthaus hat die Adresse: Turnerweg 5 in Leer
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events
In diesem Beitrag erwähnt
Von Mensch zu Mensch - Ida Oelke. Holzschnitte und Malerei
dienstags - donnerstags sowie sonntags von 14-17 Uhr
Ida Oelke
Holzschnitt / Mischtechnik