Im Rausch der Töne

Ein Barock-Ensemble gastierte im 40. Konzert der „Gezeiten“ mit dem Programm „Grand Tour“ in der Barockkirche zu Wittmund – und fand die Akustik dort bestechend gut

Hatten selber Spaß beim Konzert: Maurice Steger und Dorothee Oberlinger
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Karlheinz Krämer

Hatten selber Spaß beim Konzert: Maurice Steger und Dorothee Oberlinger

Wittmund. Jedes Jahr ist Maurice Steger beim Festival zu Gast – dank der regelmäßigen Konzertförderung durch Monika Kramer. Die in Zürich lebende Ostfriesin ist ein begeisterter Fan des Musikers und folgt ihm, wo immer er auftritt – selbst ins ferne Königreich Bhutan, ins „Land des Donnerdrachens“. 

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Ein fünfköpfiges Ensemble spielte in der Barock-Kirche. Küster Werner Semmler hatte zuvor für ein festliches Ambiente gesorgt

Ein fünfköpfiges Ensemble spielte in der Barock-Kirche. Küster Werner Semmler hatte zuvor für ein festliches Ambiente gesorgt

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In Ostfriesland geht es geographisch weniger in die Höhe als in die Weite. Und in der Nicolaikirche zu Wittmund hatten Steger und seine Kollegen ein ideales Umfeld, das dem Klangerlebnis seine Rundung verlieh. Dieses Kollegen-Team hatte es in sich. Die berühmte Flötistin Dorothee Oberlinger brillierte gemeinsam mit Steger in Kompositionen, die eine sensationelle Virtuosität erforderten und technisch ans Limit des noch Spielbaren gingen. Diese brillante Spielweise ging so weit, dass Oberlinger auf ihrem Instrument zweistimmig konzertierte, dass sie und Steger hinreißende Echo-Wirkungen erzeugten und sich bei den Kompositionen von bekannten und nicht bekannten Meistern des Barocks gegenseitig inspirativ beflügelten.

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Gastierte erstmals beim Festival: Dorothee Oberlinger

Gastierte erstmals beim Festival: Dorothee Oberlinger

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Das Erstaunliche dabei: die beiden wirkten völlig locker und unangestrengt. Beide strahlten und ließen stilvoll ihr Charisma ins Publikum fließen. Das wiederum bewirkte eine sehr persönliche Beziehung, die auch die drei weiteren Ensemble-Mitglieder einschloss: den zurückhaltenden Theorbe-Spieler Gianluca Geremia, den stets präsenten Cellisten Alex Jellici und die strahlende Cembalistin Flóra Fábri, die ein historisches Tasteninstrument des Oldenburgers Dietrich Hein spielte und davon außerordentlich beeindruckt war.

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War bereits zum neunten Mal zu Gast: Maurice Steger

War bereits zum neunten Mal zu Gast: Maurice Steger

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Barock-Musik strahlt immer etwas Beglückendes aus, auch wenn sie ernste Themen verfolgt. Bei der Auswahl, die das Ensemble für das Konzert in Wittmund getroffen hatte, kam hinzu, dass der experimentelle Aspekt eine große Rolle einnahm. Dorothee Oberlinger spielte zum Beispiel ein Pasticcio, für das Werke von Johann Sebastian Bach, Carl Philipp Emanuel Bach und Johann Joachim Quantz zu einer Sonate zusammengestellt worden waren, die in dieser kleinen Form wesentliche Aspekte barocker Musik präsentierte. Zu den musikalischen Experimenten darf auch Francesco Maria Veracinis „Il Postiglione“ gezählt werden, in der die kleine Flöte von Maurice Steger ein großes Posthorn imitierte. 

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 Spielte mit der Toccata Arpeggiata von Kapsberger ein Solo: Gianluca Geremia

Spielte mit der Toccata Arpeggiata von Kapsberger ein Solo: Gianluca Geremia

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Das Konzert endete mit dem bekanntesten Satzmodell des Barock: „La Folia“. In der aus dem Spanischen stammenden Sarabande kulminierten die vielfältigen Möglichkeiten musikalischer Ausdrucksfähigkeit in einem atemberaubenden Rausch der Töne und Variationen. In dem mal temperamentvollen, mal innigen, immer aber perfekt abgestimmten Spiel von Oberlinger und Steger wurde „La Folia“ zu einem wunderbaren Beispiel für die große Popularität der Alten Musik, die so zauberhafte Melodien erfunden und in ihrer Durcharbeitung in Variationen so human gestaltet hat. Dem Ensemble hätte man mühelos noch Stunden zuhören können.

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Konzertierte auf einem in Oldenburg gebauten Cembalo: Flóra Fábri

Konzertierte auf einem in Oldenburg gebauten Cembalo: Flóra Fábri

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Stattdessen gab es zwei Zugaben, die das hohe Niveau des Abends auf sehr eigene Weise fortschrieben. Einer Gavotte von Georg Friedrich Händel folgte die berühmte Arie „Lascia la spina“ aus der Händel-Oper „Il Trionfo del Tempo e del Disinganno“ – ganz sanft und mit dunkel schillerndem Timbre. Es war der nachdrückliche Abschluss eines eindrucksvollen Konzertes!

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Komplettierte das Quintett: Alex Jellici mit seinem Barock-Violoncello

Komplettierte das Quintett: Alex Jellici mit seinem Barock-Violoncello

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     Das Konzert wurde vom Deutschlandfunk aufgezeichnet und wird am 20. Juli ab 21.05 Uhr in der Sendung „Musik-Panorama“ gesendet.

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Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.