LiteraturFest Wittmund 2025

Von Tradition und Talenten

Publikum beim LiteraturFest
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Walter Ruß

Ein wenig Stolz klingt mit, wenn die Organisatorinnen und Organisatoren über das LiteraturFest in Wittmund sprechen, das sie seit drei Jahren gestalten: Anja Fimmen und Heike Koch von der Stadtbücherei Wittmund sowie Helma Ruß-Bittner, Lothar Englert und Walter Ruß vom Ostfriesischen Kunstkreis (OKK). 

An vier Abenden im Oktober (9. bis 12.10.) treten erneut ganz unterschiedliche Autorinnen und Autoren auf, mit ebenso vielfältigen Textformen – von Theater über humorvolle Erzählungen bis hin zu Klassikern der Weltliteratur. Die Gruppe, der seit 2024 auch die neue Vorsitzende des OKK, Tanja Bakenhus, angehört, möchte keine Möglichkeit ungenutzt lassen. Deshalb, so erklärt Walter Ruß als Sprecher der Gruppe, „sind wir in diesem Jahr noch einen Schritt weitergegangen und haben den Literaturpreis Wittmund ins Leben gerufen. Das erschien uns als logischer nächster Entwicklungsschritt.“

Wer den Preis bei seiner Premiere erhalten wird, bleibt vorerst geheim. Die Bekanntgabe erfolgt am letzten Abend des LiteraturFestes, am 12. Oktober – direkt im Anschluss an die Präsentation englischsprachiger Weltliteratur. „Der Preisträger oder die Preisträgerin kann aus dem plattdeutschen Literaturbereich stammen, darf aber auch ausschließlich mit hochdeutschen Arbeiten hervorgetreten sein“, erläutert Ruß. Er ist überzeugt, dass es auf der ostfriesischen Halbinsel viele geeignete Kandidatinnen und Kandidaten gibt.

Über dreißig Autorinnen und Autoren traten seit 2022 bereits in der Peldemühle, im Rathaussaal und in der Stadtbücherei auf. In diesem Jahr kommt erstmals der historische Sitzungssaal im Kreishaus als Veranstaltungsort hinzu. Das Festival versteht sich nicht nur als Bewahrer von Tradition und Sprache, sondern möchte verstärkt auch jungen Menschen eine Bühne bieten, Talente fördern und Mut machen, sich mit ersten eigenen Schreibprojekten der Öffentlichkeit zu zeigen,  „der wohlmeinenden Öffentlichkeit“, wie Ruß betont. Mit Lothar Englert gehört ein literarisch erfahrener Mitstreiter zur Gruppe, der seine Kompetenz in die Planung und Ausrichtung einbringt. „Wir wollen keine Schulmeister sein“, stellt Ruß klar, „wir sind Möglichmacher und Förderer.“

Ein besonderer Akzent liegt in diesem Jahr auf dem Abend der Talente. Vier junge Autorinnen wagen sich mit ihren Texten auf die Bühne und erleben, was ein öffentlicher Auftritt mit ihnen und ihren Arbeiten macht. Es sei durchaus schwierig gewesen, geeignete Talente zu finden, berichtet Ruß, doch schließlich habe man  vielversprechende Talente aus ganz Ostfriesland erreicht. Esther Fengkohl, Ilka Gerdes, Thordis Kokot und Femke Rickerts sind die Protagonistinnen dieses Abends, der bereits früh ausverkauft war.

Dass man in Ostfriesland Sinn für Humor hat, ist hinlänglich bekannt. Dass dies auch für das Wittmunder LiteraturFest gilt, zeigt der dritte Abend in der Stadtbücherei. Mit Ubbo Gerdes und Tanja Bakenhus hat man ein Duo gefunden, das ganz unterschiedlich auftritt, aber gemeinsam das erfüllt, was das Plakat verspricht: humorvoll.

Den Auftakt macht am ersten Abend das TAG Theater aus Rhauderfehn mit einer szenischen Interpretation der Fragebögen von Max Frisch – unter den Augen des Schirmherrn, Landschaftspräsident Rico Mecklenburg, der seit 2022 kein LiteraturFest versäumt hat. Frisch zählt zu den Klassikern der deutschsprachigen Moderne und hat auch heute noch viel zu sagen. Knitsch und Sakowski sind bekannt für ihre herausragenden und dramaturgisch besonderen Inszenierungen.

Den Abschluss bildet der Abend der Weltliteratur. Gerd Constapel, der Grandseigneur der ostfriesischen Lyrik, liest unter anderem aus seinen plattdeutschen Shakespeare-Übersetzungen. Femke Rickerts, Wolfgang Steinborn und Walter Ruß präsentieren hochdeutsche Übersetzungen von Gedichten, etwa von Khalil Gibran und Walt Whitman. Damit setzen sie einen literarisch anspruchsvollen Schlusspunkt, bevor zum ersten Mal der Literaturpreis Wittmund verliehen wird.

Die Pläne für das kommende Jahr liegen bereits in der Schublade, wie das Team verrät. Was genau angeboten wird, entscheidet sich Anfang des Jahres. Mit Unterstützung der Heinz Wieker- und der Aloys Wobben-Stiftung sowie der Ostfriesischen Landschaft sieht man sich gut gerüstet. Besonders Helma Ruß-Bittner, verantwortlich für die Finanzen, zweifelt nicht am regionalen Konzept des Festivals. Attraktionen aus Hamburg oder Berlin zu holen, wird auch künftig nicht vorgesehen sein. „Wir bleiben bei unseren ostfriesischen Leisten“, sagt sie und weiß ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter hinter sich.

© Walter Ruß

 

LiteraturFest Wittmund 9.10.–12.10.2025, jeweils 18 Uhr 

Abend 1: Fragebogen nach Max Frisch, Rathaussaal 

Abend 2: Abend der Talente, Kreishaus 

Abend 3: Humor aus Ostfriesland, Stadtbücherei 

Abend 4: Abend der Weltliteratur und Preisverleihung, Peldemühle Wittmund

Tickets unter stadtbuecherei@stadt.wittmund.de ( 1: 9 Euro, sonst 6 Euro)

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