Mit Blasmusik auf Weltreise

Das Marinemusikkorps Wilhelmshaven war auf Einladung des Lions-Klubs im Festspielhaus am Wall zu Gast – mit einem überzeugenden Programm

Präsentierte ein höchst attraktives Programm: Fregattenkapitän Matthias Prock
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Wolfgang Mauersberger

Emden. „Vor Esprit sprühend“ sei das Programm, kündigte Fregattenkapitän Matthias Prock das Konzert an. Es sei nämlich von den Mitgliedern des Marinemusikkorps Wilhelmshaven selber zusammengestellt worden – als eine musikalische Weltreise. Beginn war in Russland. Aus der Oper „Colas Breugnon“ von Dimitri Kabalewski spielte das symphonische Blasorchester die Ouvertüre – voller Schwung wurde es ein Auftakt nach Maß. 
 

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Blick ins Orchester: das Marinemusikkorps Wilhelmshaven mit breit ausgelegter Percussion

Blick ins Orchester: das Marinemusikkorps Wilhelmshaven mit breit ausgelegter Percussion

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Die „Weltreise“ des Militärorchesters war weit gespannt und reichte von einer Zusammenstellung von Shanties über „Mexican Pictures“ bis zu Musik aus dem Animationsfilm „Drachen zähmen leicht gemacht“.  Die Beschaffung einer Partitur des japanischen Komponisten Yasuhide Itō war gut für eine Anekdote. „Beinahe hätten wir dieses Stück nämlich gar nicht spielen können“, erläuterte Prock. Man habe beim Notenhändler eine Bestellung aufgegeben, die dieser nach Japan weiterleitete. Die Noten wurden als Gepäck per Schiff auf den Weg gebracht, kamen bisher aber nicht an. Die japanische Fagottistin des Orchesters schrieb kurzerhand den Komponisten (Jahrgang 1960) direkt an, und der sandte das Material umgehend digital nach Wilhelmshaven – so rechtzeitig, dass das Konzert nun um eine viersätzige Komposition des Herrn Itō, der bisher mehr als 60 Stücke für Blasorchester geschrieben hat, bereichert werden konnte.
 

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Er ist der einzige Streicher im Ensemble: Nico Fischer | Sie organisierte Noten aus Japan: die Kontrafagottistin des Marinemusikkorps, Masami Massong

Er ist der einzige Streicher im Ensemble: Nico Fischer | Sie organisierte Noten aus Japan: die Kontrafagottistin des Marinemusikkorps, Masami Massong

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Besondere Begeisterung erregte beim Publikum ein Arrangement von 18 Glenn Miller-Songs, das der Bremer Musiker Joachim Refardt eigens für das Marinemusikkorps geschrieben hatte. Es ist ein wunderbar verschachteltes Ganzes geworden, das an die größten Hits wie „In the Mood“, „Moonlight Serenade“ oder „Chattanooga Choo Choo“ erinnert. Für diese schöne musikalische Inszenierung, die perfekt eingespielt wurde, gab es tosenden Beifall.

Die große Percussionsgruppe des Korps, die schon den ganzen Abend mit effektvollen Einsätzen beschäftigt war, bekam mit „Riverdance“ ihren großen Auftritt. Die Musik von Bill Whelan, die 1994 im Rahmen des European Song Contest in Dublin gespielt wurde, begleitete irische Stepp-Tänzer bei einer knapp siebenminütigen Pausenaufführung, die derart begeisterte, dass es zu minutenlangen Stehenden Ovationen kam und ein Kommentator damals anmerkte, dass die Gruppe mit Michael Flatley als Solist die Beiträge des Sängerwettstreits überstrahlte. 
 

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Bester Laune: Fregattenkapitän Matthias Prock

Bester Laune: Fregattenkapitän Matthias Prock

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Zum Abschluss gab es – „Lilly Marleen“, das teilweise mitgesummt und mit wahrhaft herzlichem Beifall bedacht wurde. Ein Marsch stand am Schluss des Konzertes und machte deutlich, dass das Blasorchester nicht nur konzertant, sondern auch militärisch im Einsatz ist: „Wir sind Kameraden zur See“, wobei das sicherlich nicht als Erinnerung an den gleichnamigen Film von 1938 gedacht war, sondern als Gruß an die Seehafenstadt Emden. Es sei gestattet, darauf zu verweisen, dass der Regimentsmarsch des einst in Emden beheimateten ABC-Abwehrbataillons 110 ein anderer war, nämlich „Des Großen Kurfürsten Reitermarsch“, den man in diesem Zusammenhang als Erinnerung an die Zeiten Emdens als Garnisonsstadt gerne wiedergehört hätte.

Insgesamt ein großartiger Abend mit einem Orchester und einem Dirigenten, die mit viel Leidenschaft ein inspirierendes Programm mitgebracht hatten. Das Festspielhaus war nicht ganz ausgelastet, „wegen der Osterferien“, wie Lions-Mitglied Wilfried Kracke anmerkte. Der Erlös des Benefiz-Konzertes wird für die Finanzierung von Jugendfreizeiten eingesetzt. Die Begünstigten sind: der CVJM, die lutherische Martin-Luther-Gemeinde und die katholische Christ König-Gemeinde.

Veröffentlichungsdatum
Publiziert von

Wolfgang Mauersberger

(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events

In diesem Beitrag erwähnt

Multifunktionaler Ort

Festspielhaus am Wall

Adresse
Theaterstraße 5, Emden

Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.