Musikalische Präsenz

Das fünfte Konzert der Gezeiten führte in die Mauritius-Kirche nach Horsten. Dort erklangen zwei Klavierquartette des 19. Jahrhunderts

Schnappschuss: Henja Semmler, Vasyl Kotys und Simone von Rahden
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Karlheinz Krämer

Schnappschuss: Henja Semmler, Vasyl Kotys und Simone von Rahden

Horsten. Ein echtes Gezeiten-Urgestein war beim hochkarätigen Kammermusikabend in Horsten zum wiederholten Male zu Gast: Der Pianist Vasyl Kotys, einst Meisterschüler und inzwischen Kollege von Matthias Kirschnereit an der Rostocker Musikhochschule, reiste diesmal mit drei weiteren Rostocker Kollegen nach Ostfriesland. Mit Henja Semmler (Violine), Simone von Rahden (Viola) und Daniel Paulich (Violoncello) spielte er in Horsten zwei gewichtige Klavierquartette des 19. Jahrhunderts, die beide in g-Moll stehen.

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Spielten Fauré und Brahms: Henja Semmler, Vasyl Kotys, Simone von Rahden und Daniel Paulich

Spielten Fauré und Brahms: Henja Semmler, Vasyl Kotys, Simone von Rahden und Daniel Paulich

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Das Quartett op. 45 von Gabriel Fauré, das die vier Musiker in der ersten Konzerthälfte präsentierten, hört man sehr selten, wie überhaupt Fauré hierzulande leider nicht allzu häufig auf den Konzertprogrammen auftaucht. Er steht zwischen Camille Saint-Saëns, dessen Schüler er war, und Claude Debussy, dessen Impressionismus er sich in seinen späteren Jahren näherte. Beide waren übrigens voll des Lobes für ihren Kollegen. Saint-Saëns etwa schwärmte von seiner Musik: „Man findet in ihr alles, was verführen kann: neue Formen, kühne Modulationen, kuriose Klänge, einen ganz unvorhersehbaren Gebrauch der Rhythmen; und über all dem liegt ein Zauber, der das ganze Werk umhüllt und der die breite Masse der gewöhnlichen Zuhörer dazu bringt, ungeahnte Kühnheiten als die natürlichste Sache der Welt hinzunehmen."

Das Klavierquartett von Fauré wusste auch in Horsten das Publikum zu begeistern Besonders das Adagio, über Aaron Copland schrieb, es sei „ein langer Seufzer von unendlicher Zärtlichkeit, ein langer Moment stiller Melancholie und nostalgischem Charme," gelang den Musikern meisterhaft. 

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 Kirche und Glockenturm von Horsten in der Vogelschau

Kirche und Glockenturm von Horsten in der Vogelschau

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Die zweite Konzerthälfte stand ganz im Zeichen von Johannes Brahms. Dessen Klavierquartett g-Moll op. 25 zählt nicht ohne Grund zu den beliebtesten Werken seiner Gattung: voller Energie, Dramatik und emotionaler Intensität scheint die Musik förmlich vor Leidenschaft zu bersten - und bleibt dabei zugleich bis ins Detail kunstvoll und höchst anspruchsvoll gearbeitet. Beim Konzert entfachten Henja Semmler, Simone von Rahden, Daniel Paulich und Vasyl Kotys diese ganze Ausdruckskraft mit herausragender musikalischer Präsenz und großer Spielfreude. Das Publikum dankte den Künstlerinnen und Künstlern mit stehenden Ovationen.    

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