Emden. Zum dritten Mal fand ein Gezeitenkonzert im Emder Ökowerk statt - im Freien, wo im nahegelegenen Teich zwar die Frösche quakten, im Übrigen aber nur feines Blätterrauschen zu hören war. Das Gelände bietet ein natürliches Forum für die Konzerte, und das gefiel auch den Musikern des „Quintessence Saxophone Quintet“ so ausnehmend gut, dass Sopransaxophonist Ulrich Lettermann es in seiner pfiffigen Moderation eigens erwähnte.
Spielten im knallenden Sonnenschein: Jonas Buschsieweke, Ulrich Lettermann, Anatole Gomersall, Thorsten Floth und Roland Danyi
„A cinematic suite“ war das Programm betitelt, das aber nicht nur speziell Filmmusik bot, sondern auch Musik von Mozart, Bach und Beethoven, die in Filmen genutzt wurde. Doch belassen es die fünf Musiker nicht allein bei einer Präsentation der Titel von „Mission Impossible“ oder „Game of Thrones“. Vielmehr werden die Vorlagen bearbeitet und somit „modernisiert“. Vieles davon geht in Richtung Jazz, manches geht auch noch darüber hinaus. Das Ergebnis ist ein Crossover, das manchmal schrill daherkommt, manchmal lyrische Dimensionen erreicht, manchmal aber auch geradezu verhalten oder innig wirkt, wie in „Gabriels Oboe“ aus dem mit einem Oscar prämierten Film „The Mission“.
Fast wie bei einem Picknick im Grünen: Besucher des Konzertes
Musikalisch ist das Ensemble ein Phänomen, denn das gesamte Programm wurde auswendig gespielt. Das war eine wirkliche Leistung, denn die Arrangements sind alles andere als schlicht und erfordern die ganze Aufmerksamkeit der Spieler, die immer wieder nicht nur als Gruppe, sondern auch solistisch gefordert wurden. Mal dominierte das dunkle Bariton-Saxophon von Anatole Gomersall, mal das Altsaxophon von Jonas Buschsieweke, mal die Tenor-Saxophone von Roland Danyi oder Thorsten Floth. Ein andermal war es das Sopran-Saxophon von Ulrich Lettermann, das führte. Zudem zeigte sich, dass Lettermann auch als Moderator ein richtiges Ass ist, der munter Informatives mit viel Humor würzte.
Einmal von ganz oben: das Konzertforum im Ökowerk mit Ems-Blick
350 Besucher füllten den ausverkauften Naturraum – mehr sollten es auch nicht sein, sagte der organisatorische Leiter der „Gezeiten“, Raoul-Philip Schmidt. Die Gäste sollten bequem sitzen und von allen Plätzen gut sehen können. Und so konnten die Besucher einen warmen Frühlingsabend in prächtiger Kulisse genießen – bis hin zur Zugabe - einer sehr ruhigen „Ode an die Freude“ von Schiller, nach der Musik von Beethoven, in einer feierlichen Ausarbeitung durch das Quintessence Saxophone Quintet.
„Grünes Spiel“: Jonas Buschsieweke und Ulrich Lettermann
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