Weener. Zwischen aufgewühlt und eingängig vollzog sich ein Konzert, das Kammermusik in reinster Form bot. Der unvergleichliche Violinist Christian Tetzlaff und der künstlerische Leiter der Gezeitenkonzerte, der Pianist Matthias Kirschnereit, hatten ein Programm zusammengestellt, das zu stürmischen Begegnungen führte. Brahms, Janácek, Dvorak – das machte etwas her. Und die schöne Greiner-Violine agierte in der kundigen Hand von Tetzlaff derart volltönend, dass es eine reine Freude war, dem zuzuhören.
Gespanntes Publikum in der Georgskirche zu Weener
Schon der erste Ton des Scherzos aus der F.A.E.-Sonate, das von der Hand von jungen Johannes Brahms stammt, machte das deutlich. Da ging es gleich zur Sache, ohne Zögern und Umschweife. Tetzlaffs Bogenstrich ist kraftvoll und präzise. Kirschnereit gab den rasant agierenden Gegenpart für die heftig drängende Musik des c-Moll-Scherzos. Und so ging es weiter: mit Janáčeks Sonate für Violine und Klavier. Die stand am Vortag schon in Bargebur auf dem Programm der Kafka-Lesung. Waren die vier Sätze dort von Erzählungen Kafkas unterbrochen, so entfaltete sich hier die ganze Wucht, aber auch die am Ende sich entwickelnde Zartheit eines Musikstückes, das man als durchaus politisch bezeichnen darf. Bei Janáčeks begegnen sich Heftigkeit und Sensibilität, und die beiden Musiker entwickelten ein intuitives Zusammenspiel, in dem die Ballade wie zarte, dekorative Spitzenklöppelei wirkte, während im abschließenden Adagio den brüchigen Tönen der Violine zarte Klavierklänge kontrastierend entgegenstehen.
Intensives Spiel: Christian Tetzlaff und Matthias Kirschnereit
Die schmeichelhafte, melodiegesättigte Sonatine von Antonin Dvorak bildete den Abschluss des ersten Konzertteils. Das Werk in freundlichem G-Dur wurde im temperamentvollen Zugriff von Kirschnereit und Tetzlaff zu einem Hörvergnügen und stand in wirkungsvollem Kontrast zur vorhergehenden Violinsonate.
Studien der beiden Musiker Kirschnereit und Tetzlaff
Zum Schluss – Johannes Brahms‘ „Sonate d-Moll op. 108“. Und hier wurde es dramatisch. Während draußen sich der Donner grollend über die Georgskirche legte, entfaltete sich drinnen Spannungen und drängend düstere Stimmungen. Bestimmend aber blieben die hohen Anforderungen des Klavier-Parts und parallel dazu die Ausdrucksstärke der Geige. Bei diesem Duo war beides gegeben. Und so erlebten die Besucher in Weener eine der Sternstunden des Festivals. Beendet wurde der höchst beglückende Abend durch die Zugabe – der langsame Satz aus Beethovens A-Dur-Sonate. Pure Seelenkost!
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Gezeitenkonzerte 2026
"Begegnungen"