Stadt erwägt Bau eines Zentralarchivs

Eine Zusammenlegung von Emder Stadtarchiv und dem Magazin des Ostfriesischen Landesmuseums könnte zwei Probleme auf einen Schlag lösen, sagen die Verantwortlichen

Die Planungsskizze aus der Präsentation der Iconyk GmbH zeigt die Einstellung des Depots als eigenständiges Haus-im-Haus. Im vorderen Bereich sind die Funktionsräume angedeutet
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Die Planungsskizze aus der Präsentation der Iconyk GmbH zeigt die Einstellung des Depots als eigenständiges Haus-im-Haus. Im vorderen Bereich sind die Funktionsräume angedeutet

Emden. Die Stadt Emden erwägt den Einbau eines Zentralarchivs in eine der Hallen im Frisia-Park als Möglichkeit, um die Bestände des Stadtarchivs und das Magazin des Ostfriesischen Landesmuseums zusammenzulegen und so zwei große Problemfälle auf einmal zu lösen. Denn sowohl das bedeutende Archiv der Stadt, das bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht, als auch das Magazin des Landesmuseums sind derzeit nicht optimal untergebracht. 

Im Kulturausschuss stellte die beauftragte Iconyk GmbH München und das Architekturstudio pm aus Minden am Donnerstag, 10. September, eine erste Konzeptplanung vor. Es handle sich dabei, wie Museumsdirektorin Jasmin Alley ausdrücklich betonte, zunächst einmal nur um eine Mitteilung an die Ausschuss-Mitglieder. Es gehe derzeit nicht darum, einen Beschluss zu fassen, denn es stünden auch noch andere Optionen offen. 

Die Planung der Iconyk GmbH geht davon aus, dass das Depot in eine der bereits bestehenden Hallen im Frisia-Park integriert wird. Die ins Auge gefasste Halle 402 böte, so erklärte Iconyk-Projektleiter Holger Bosch, ausreichend Platz für die Flächen zur Unterbringung der Archivalien und kulturellen Objekte und für die zusätzlich benötigten Werkstätten, Büros, Restaurierungsräume und Besucherbereiche. 

Die Halle ist mit seinem räumlich integrierten Bürotrakt bereits zweigeschossig angelegt, während der Bereich, in dem das Depot untergebracht würde, eingeschossig ist. Um die Archivalien und Magazinbestände unterzubringen, schlägt das Planungsbüro ein Haus-im-Haus-Konzept vor. Es würde demnach ein eigenständiges Gebäude in der Halle errichtet, das auf rund 1900 Quadratmetern ausreichend Platz samt einer 25-prozentigen Reserve für die Lagerung bietet. Architekt Axel Köllner, dessen Büro pm mit Iconyk zusammenarbeitet, betonte vor dem Ausschuss, dass man auch noch eine Zwischendecke einziehen könnte, wenn sich weiterer Platzbedarf ergeben würde. 

Das Haus-im-Haus-Konzept ermöglicht es nach Angaben von Holger Bosch, sicherzustellen, dass „flexibel steuerbare und konservatorisch sichere Klimazonen“ für die unterschiedlichen Sammlungsbestände geschaffen werden könnten. Da das massiv gebaute Haus-im-Haus kleiner ist als die Industriehalle, bilde sich eine Luftschicht um das Depot herum, die eine zusätzliche Klimaanlage unnötig mache. Anders als die Archivalien würden die Büro- und Benutzerräume über eine bereits vorhandene Gasheizung erwärmt.

Die Bestände des Stadtarchivs sind derzeit im Bunker an der Kirchstraße untergebracht, ein Standort, der nach Ansicht von Iconyk „baulich und technisch nicht für einen fachgerechten Archivbetrieb ausgelegt“ ist. Es gäbe Defizite beim Brand-, Arbeits- und Gesundheitsschutz. Angemerkt werden auch fehlende Funktionsbereiche, etwa für die Behandlung bei Schimmelbefall. Fazit: „Ein ordnungsgemäßer und sicherer Archivbetrieb ist unter den bestehenden Rahmenbedingungen nicht gewährleistet.“

Das Magazin des Landesmuseums in Borssum ist das Gebäude des einstigen Umspannwerkes. Dieses Gebäude wird von den Fachleuten als „baulich ungeeignet für die sensible, diverse Sammlung“ beurteilt. Die Lüftung sei veraltet, die Kapazitäten zur Unterbringung von Kulturgütern erschöpft. Das Grundstück biete keine Erweiterungsflächen. Die Sanierung des Gebäudes sei finanziell unwirtschaftlich.

Trotz der bedenklichen Beurteilung der bestehenden Situation konnte Jasmin Alley die Ausschuss-Mitglieder beruhigen. Zwar bestünde Einigkeit, dass etwas getan werden müsse, aber derzeit habe man die Probleme noch im Griff. Der jüngst erfolgte Wassereinbruch im Bunker sei unter Kontrolle, das Klima im Bunker wieder stabil. Auch im Depot in der Erlenstraße könnten die geforderten fünf Klimazonen für die unterschiedlichen Bestandsgruppen noch geleistet werden.

Dass der mit rund 8,5 Millionen Euro veranschlagte Umbau der Halle 402 letztlich nur durch Fördergelder zu realisieren sei, ließen die Planer nicht außen vor. Und auch Oberbürgermeister Tim Kruithoff kündigte an, dass man auf „Jagd nach Fördermitteln“ gehen werde. Im Falle einer Entscheidung, die beiden Sammlungen im Frisia-Park zusammenzulegen, würde man das Haus in Borssum aufgeben und verkaufen. Der Erlös würde in die Umbausumme fließen. Kruithoff machte aber auch deutlich, dass das „kein Projekt ist, dass schnell geht“. Dennoch werde man bei den anstehenden Budget-Planungen das Projekt immer mitdenken, dessen ungeachtet, aber auch Alternativen im Blick behalten. Ratsfrau Hillgriet Eilers charakterisierte die Bedeutung des Projektes mit wenigen Worten: „Wir haben keinen Handlungsdruck, wir haben Handlungszwang!“

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Museum

Ostfriesisches Landesmuseum Emden

Das Ostfriesland Museum

Adresse
Brückstraße 1, Emden

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