Emden. Ein junges Ensemble, zwei junge Solistinnen, viel Enthusiasmus, ein forsches Tempo – das Publikum reagierte begeistert und feierte die insgesamt elf Musikerinnen und Musiker rückhaltlos, die am Sonnabend den ersten Konzertabend eines neuen Festivals mit dem Namen „Poème“ in der Neuen Kirche gestalteten.
Zum Auftaktkonzert war die Neue Kirche gut gefüllt
Insgesamt umfasst dieses Festival in seinem ersten Durchgang drei Konzerte. Am Eröffnungsabend standen die „Vier Jahreszeiten“ – von Antonio Vivaldi und Astor Piazzolla auf dem Programm. Elena Meyer und Polina Munteanu haben sich dieses Festival ausgedacht, und sie übernahmen auch die Solo-Passagen. Die beiden Violinistinnen wollen mit „Poème“ vor allem die Jugend ansprechen, daher ist als Veranstalter der Verein „Freunde und Förderer der Klassik“ eingebunden. Vorsitzender Dr. Ghassan Al Halabi sieht die klassische Musik als eine „Basis für eine kultivierte Gesellschaft“ und als Mittel für eine geistige Revolution, die musizierende Kinder zu zufriedenen Menschen werden lässt – und die hineinführt in „eine Welt, in der Geld, Macht und Gier keine Rolle mehr spielen“.
Elena Meyer mit der Lupot-Geige von 1810 und Polina Munteanu mit ihrer Maggini-Violine von 1620
Elena Meyer und Polina Munteanu hatten die feste Abfolge der beiden Kompositionen aufgelöst und stellten die jeweiligen Jahreszeiten einander direkt gegenüber. Elena Meyer sprach bei der Vorstellung des Programms von einem „Dialog“, in den die beiden Auffassungen eintreten. Vivaldis „Jahreszeiten“ sind eine Abfolge von vier kurzen, je dreisätzigen Violinkonzerten. Piazzollas „Vier Jahreszeiten in Buenos Aires“ verstehen sich als Suite und geben Stimmungen wieder. Entstanden sind sie rund 250 Jahre nach den Vivaldi-Kompositionen, nehmen ab und an aber melodisch auf das barocke Vorbild Bezug.
Das Ensemble ging ganz in der Musik auf, die zwischen melancholisch und stürmisch drängend angelegt ist und genoss – ebenso wie das Publikum – sowohl die vom Tango Nuevo geprägte Fassung Piazzollas als auch die raffinierte barocke Musik Vivaldis. Das Ensemble war intensiv bei der Sache, die Außenwelt schien nicht mehr existent. Es war ein Musizieren, das sich löste vom Alltag und seinen Problemen. Insbesondere die große Sicherheit in der Präsentation war bemerkenswert – nicht nur bei den Solistinnen, sondern auch bei den weiteren neun Musikern, die mit viel Dynamik bei der Sache waren. Bemerkenswert gestaltete sich das harmonische Miteinander im Spiel, die Sorgfalt, mit der Polina Munteanu ihrer doppelten Aufgabe als Solistin und Orchesterleiterin nachkam und der flotte Wechsel der Solistinnen: Polina Munteanu spielte die Vivaldi-Soli, Elena Meyer jene von Piazzolla – beide in kraftvoller Grifftechnik. Das war erstklassig.
Das schöne Konzert brachte Sturm und Drang in die Neue Kirche und endete mit einer winzigen Zugabe: der Nummer 5 „Vivace“ aus den „12 Duetten für zwei Violinen“ von Reinhold Glière, einem russischen Komponisten – lebhaft, beschwingt, einfach schön.
⏵Das nächste Konzert des Festivals findet am 15. April um 18.30 Uhr im Rummel des Rathauses am Delft statt. Es spielen „Profunduo“ (Violine und Akkordeon). Ihr Programm trägt den Titel: „Crossover Harmonies“ Von Bach bis Bartok
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events
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Poème Musikfestival
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