Aurich. Ein Raunen ging durch den Saal, als Matthias Kirschnereit das Eröffnungskonzert der diesjährigen Gezeitenkonzerte ankündigte. Der künstlerische Leiter des Festivals hatte an der Mitgliederversammlung des „Freundeskreises der Gezeitenkonzerte“ teilgenommen, ein kleines Zwischendurch-Konzert gegeben und war nun – gemeinsam mit Festivalorganisator Raoul-Philip Schmidt – angetreten, um einen Einblick in das Programm 2026 zu gewähren.
Stellten das Programm des Festivals 2026 gemeinsam vor: Raoul-Philip Schmidt und Matthias Kirschnereit
Dass dabei schon die erste Ankündigung die fast 150 Anwesenden so deutlich entzückte, war einem Dauergast der „Gezeiten“ zu danken, dem Violin-Virtuosen Daniel Hope, der mittlerweile einen geradezu legendären Status bei den Gezeiten-Fans genießt. Und weil die Räume nie ausreichen, wenn Hope spielt, hatten die Veranstalter gleich den größten in Ostfriesland angemietet: die Kirche St. Magnus in Esens. Dort wird nun am 13. Mai das Programm „In 80 Tagen um die Welt“ über die Bühne gehen.
Voll besetzt war der Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft in Aurich bei der Mitgliederversammlung des „Freundeskreises der Gezeitenkonzerte“. Knapp 150 Mitglieder waren gekommen.
„Begegnungen!“ ist das Motto der Veranstaltungen betitelt, die bis zum 12. Juli an Standorten in Ostfriesland und Papenburg gespielt werden. Und man habe ein „Super-super-schönes Programm“ zusammengestellt, schwärmte der Pianist und Klavierprofessor. Kirschnereit wird im Rahmen „seines“ Festivals natürlich auch selber auftreten. Zum Beispiel spielt er das 3. Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven – gemeinsam mit der Radiophilharmonie Hannover unter Andrew Manze. Auch der Violinist Christian Tetzlaff ist wieder zu Gast und konzertiert mit Kirschnereit unter anderem die d-Moll Sonate von Johannes Brahms.
Wer schaut sonst noch beim Festival vorbei? Die Kammerakademie Neuss mit Isabelle van Keulen spielt ein Tango-Programm. Albrecht Meyer (Oboe) konzertiert mit dem Pianisten Bernd Glemser. In der Kirche zu Nesse geben sich Harfe und Cello ein Stelldichein. Pianist Sebastian Knauer bietet sein Programm „Hollywood“ an. In der Ludgerikirche in Norden lässt das Ensemble BachWerkVokal den Barockmusiker tanzen. Die legendäre Pianistin Elisabeth Leonskaja spielt in der Johannes a Lasco Bibliothek. Maurice Steger geht mit seiner Kollegin Dorothee Oberlinger auf „Grand Tour“. Der Filmkomponist Helmut Zerlett und der Komponist Ettore Prandi, der laut Kirschnereit „nicht verstörende Musik“ macht, werden zu Gast sein. Nils Mönkemeyer bringt seine Schüler mit und gestaltet das Format „Bratschissimo“.
Ein Konzert mit vier musikalischen „Wunderkindern“ steht ebenso auf dem Programm wie das Projekt SingBach, das in diesem Jahr in Emden und Leer stattfindet. Die „Damen und Herren Dafke“ geben sich im Fährhaus am Borkumkai in Emden die Ehre. Das Trio „Bidla Buh“ wird im Rahmen der letzten gemeinsamen Saison für musikalische Späße sorgen. Kabarettist und Sänger Christian Ehring kommt zum zweiten Mal, weil es ihm bei den „Gezeiten“ im ersten Durchgang so gefallen hat. Es gibt Jazz- und Bigband-Konzerte, eine Glasharfen-Spielerin ist zu erleben, die „Langen Nächte“ gehen wieder an den Start, es gibt Lesungen mit Musik – unter anderem aus Mozarts frivol-erotischen „Bäsle-Briefen“. Dieses Format ist Bestandteil eines zweitägigen Festivals im Festival, das „Mozart 360º“ betitelt ist.
Das Abschlusskonzert findet wieder auf dem Polderhof in Bunderhee statt und bringt ein höchst ungewöhnliches Opern-Programm. Umgesetzt wird es von der Neuen Philharmonie Westfalen, dem vierköpfigen Ensemble UWAGA, das seine Vision einer „Musik ohne Grenzen“ auslebt, und Dirigent Rasmus Baumann.
Matthias Kirschnereit verabschiedet sich musikalisch
⏵Der Vorverkauf für den „Freundeskreis der Gezeitenkonzerte“ beginnt am 9. März um 9 Uhr, für die Öffentlichkeit am 16. März, 9 Uhr. Kontakt: Tel. 0 49 41 / 17 99 67 oder
karten@ostfriesischelandschaft.de
Aus der Mitgliederversammlung:
Die Besetzung des Vorstandes hat sich verändert. Der zweite Vorsitzende Walter Theuerkauf und Schriftführerin Monika van Lengen sind ausgeschieden. Neu hinzugekommen sind Meenke Pollmann und Vera Queck. Geblieben sind Vorsitzende Heide Fritzsche und Schatzmeisterin Annchen Brunken. Der Verein dankte den beiden Vorstandsmitgliedern mit kleinen Präsenten. Matthias Kirschnereit spielte für die Scheidenden den „Abschiedswalzer“ von Johannes Brahms.
Die Zahl der Mitglieder liegt derzeit bei 973. Man erwartet, in diesem Jahr die 1000 zu erreichen.
Der Verein unterstützt das Festival 2026 mit 55 000 Euro.
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events
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