Emden. Das Gemälde ist in starken Farben und in expressiver Weise gemalt und zeigt ein neunjähriges Mädchen aus Norden. Die Malerin des Bildes war die bekannte Kunstpädagogin und Künstlerin Hildegard Peters (1923 bis 2017), die ihre Enkelin Lea mit Teddy und Puppe zeigt. Das Porträt gehörte schon seit Jahren als Leihgabe zum Bestand des Ostfriesischen Landesmuseums. Jetzt erwarb die Fielmann Group AG das Ölgemälde und schenkte es der Stbiku, der Stiftung bildende Kunst und Kultur in der deutsch-niederländischen Ems-Dollart-Region, die treuhänderisch von 1820dieKUNST verwaltet wird. Zu sehen ist es im sogenannten „Kinderzimmer“ der Gemäldegalerie des Ostfriesischen Landesmuseums, wo bereits Darstellungen von Kindern aus unterschiedlichen Zeiten ausgestellt sind.
Bildübergabe in der Gemäldegalerie des Ostfriesischen Landesmuseums: Jasmin Alley, Silke Reblin, Lea Peters, Regina Külpmann, Dr. Constanze Köster, Gregor Strelow, Dr. Walter Baumfalk und Dr. Annette Kanzenbach
Bei der Übergabe des Gemäldes betonte Kuratorin Dr. Annette Kanzenbach, dass Hildegard Peters besonders gerne Kinder porträtierte, weil sie „unbefangen und ohne Pose“ agierten. Peters‘ zentrales Argument, das sie 2013 im Gespräch mit der Kunsthistorikerin äußerte, als ihre Werke in Emden ausgestellt wurden: „Gerade jetzt, wo sich die halbe Welt wieder totschlägt, male ich das Gegenteil. Ich will dieses unglaublich Herrliche des Menschen - wie er sein kann und ist - malen, wenn es noch nicht zerstört ist durch die unterschiedlichsten Umwelteinflüsse.“
Dr. Constanze Köster von der Museumsförderung der Fielmann Group AG verwies darauf, dass Günther Fielmann, der Gründer des Unternehmens, seinerzeit beschlossen habe, auf Werbung zu verzichten und das Geld in die Förderung kleiner, regionaler Museen in Norddeutschland zu stecken. Die Antragstellung erfolgt daher ganz unbürokratisch. Das Landesmuseum profitiert bereits zum dritten Mal von dieser Praxis. Zuvor hatte die Fielmann Group AG die Restaurierung großformatiger Glasgemälde gefördert.
Das Porträt sei heute ein unterschätztes Medium, betonte die Direktorin des Landesmuseums, Jasmin Alley. Es wurde inzwischen von der Fotographie übernommen. Doch Hildegard Peters habe sich diesem Sujet mit großer Begeisterung gewidmet. Sie betrachtete es als „faszinierende Herausforderung“, erläuterte Annette Kanzenbach. Zur Einordnung der Funktion des Kinder-Porträts in der Kunstgeschichte merkte sie an, dass im 17. Jahrhundert die Darstellung des Kindes wesentlich den Reichtum der Eltern repräsentieren sollte. „Die Kleidung wie die Gegenstände in den Händen symbolisierten die Hoffnungen der Eltern auf ein ebenfalls erfolgreiches zukünftiges Leben ihrer Sprösslinge.“ Erst mit dem 19. Jahrhundert habe man begonnen, den eigenen Charakter von Kindern zu wertschätzen und sie nicht als kleine Erwachsene abzubilden.
Hildegard Peters wurde in Bielefeld geboren. Sie studierte Kunsterziehung, Kunstgeschichte, Philosophie und Französisch in Berlin, Marburg und Köln. Zudem trat sie in die Klasse von Otto Pankok an der Kunstakademie Düsseldorf ein. 1956 bis 1965 war sie Kunstlehrerin auf Norderney. 1965 bis zu ihrem Tod lebte und wirkte sie in Norden. Ihre Tochter, Linda Peters, erinnerte an die vielfältigen Tätigkeiten ihrer Mutter. Unter anderem gründete Hildegard Peters die Internationale Norder Sommerakademie, die in diesem Jahr zum 37. Mal stattfindet. Sie war eine der Initiatoren des Kunstkreises Norden e.V., organisierte Ausstellungen, bot Studienfahrten an.
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events