Esens. Wenn Ostfriesen und Gäste bei einem Konzert völlig aus dem Häuschen geraten und sich vor Begeisterung gar nicht mehr fassen können, dann ist mit Sicherheit der Name eines bestimmten Musikers im Spiel: Daniel Hope.
Der beliebte Geiger hatte vier Kollegen gebeten, ihn bei einer musikalischen Reise um die Welt zu begleiten. Und so fanden sich Raffael Müller (Gitarre), Jacques Ammon (Klavier), Stéphane Logerot (Kontrabass) und Omar Massa (Bandoneon) zu einem Ensemble zusammen, dass mit bester Laune ein Programm spielte, das mit Bach begann und mit Tangos endete.
Spielten vor ausverkauftem Haus: Raffael Müller, Jacques Ammon, Daniel Hope, Stéphane Logerot und Omar Massa.
Mal sprach pure Lebensfreude aus den Beiträgen – wie bei dem ukrainischen Traditional „Odessa Bulgur“ -, mal wurde es melancholisch – wie bei dem irischen Song „Danny Boy“ in der Fassung von Keith Jarrett. Dann wiederum konnten sich die Besucher in einem Jazz-Keller wähnen, um mit „It don’t mean a Thing“ von Duke Ellington oder „I got Rhythm“ von George Gershwin einem unwiderstehlichen Sound zu lauschen.
Schnappschüsse: Stéphane Logerot und Omar Massa
Aber wenn man meinte, die Stimmung in der voll besetzten Magnus-Kirche in Esens sei schon in euphorische Höhen gestiegen, so katapultierte sich diese Verzückung mit den letzten fünf Titeln in ungeahnte Höhen. Tango! – Ganz klassisch von Carlos Gadel, als Tango Nuevo von Astor Piazzolla und
als moderne Fassung, die den Tango Nuevo quasi fortführt, von Omar Massa. Das enorm ausdrucksstarke, mitreißende Lebensgefühl des Tanzes teilte sich den Besuchern ganz direkt mit. Und besonders der Bandoneon-Spieler stand im Mittelpunkt uneingeschränkter Begeisterung.
Hat bei den Gezeitenkonzerten eine große Fan-Gemeinde: Daniel Hope
Alle fünf Musiker bestachen durch eine ganze Bandbreite emotionaler Empfindungen, die sie per Instrument mitteilten – sei es bei Béla Bartóks „Rumänischen Tänzen“, Joseph Kosmas‘ „Autem leaves“ oder Ernest Blochs „Prayer“. Bachs Adagio aus dem „Concerto d-Moll“ bildete den Ausgangspunkt der Reise. Und mit dem 1. Satz der Sonate Nr. 5 f-Moll des „Urvaters der Musik“ – so Daniel Hope – wurde die aufgeregte Welt tatsächlich etwas stiller. Allerdings nicht lange. Denn in den beiden Zugaben legten die fünf Musiker noch mal so richtig los – unter anderem mit „Summertime“.
Drei Musiker: Daniel Hope, Jacques Ammon und Raffael Müller
Das Quintett bestach durch gleichermaßen beeindruckende musikalische Fähigkeiten. Ammon pflügte sich enthusiastisch durch alle Anforderungen der Kompositionen. Müller bewies sich als höchst fingerfertiger Gitarrist. Und der stets gut aufgelegte Logerot zeigte mit seinem Kontrabass
eine beeindruckend tänzerische Körpersprache. Massa aber verwuchs geradezu mit seinem Instrument und folgte dessen Klangwelt der existenzialistischen Dimension. Hope wiederum agierte mal virtuos, mal treffsicher emotional, ließ sein Instrument seufzen, klagen, jubeln. Alle fünf Musiker
sind Solisten, sie bewiesen aber als Ensemble ein harmonisches Miteinander.
War voll besetzt: die dreischiffige Hallenkirche St. Magnus, die im 19. Jahrhundert errichtet wurde
Der künstlerische Leiter der Gezeitenkonzerte, Matthias Kirschnereit, betonte, dass es kaum möglich sei, den Einstieg in die diesjährige Saison besser zu besetzen als mit dem Hope-Ensemble. Das Publikum war da ganz seiner Meinung.
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