Emden. „Welch eine Spielkultur“, staunte die Dame, selber Musikerin, mit Blick auf das nur zwölfköpfige Orchester, das den Kirchenraum mit Klang im Übermaß füllte. Den ganzen Abend traumhafte Streicherklänge und ein Programm, das nun wirklich nichts zu wünschen übrig ließ.
Klein, aber sehr fein: die Camerata Bohemica Prag
Schon der Auftakt mit Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ bot eine sehr exakte Diktion – auch wenn der Kontrabass im zweiten Satz etwas zu laut agierte. Ansonsten erlebte man ein ausgewogenes harmonisches Orchester von großem Selbstbewusstsein. Diesem wusste Dirigent Gudni Emilsson mit Wertschätzung zu begegnen. Ensemble und Leiter machten tatsächlich den Eindruck einer verschworenen Gemeinschaft, die genau weiß, wie man ein Publikum zur Begeisterung treibt.
Hatte ein wirkungsvolles Programm zusammengestellt: Gudni Emilsson
Dann kam der Solist dazu und gab bei Haydn Cellokonzert Nr. 1 in C-Dur so richtig Gas. Von der ersten Note an zog er das Tempo durch und verlieh dem Werk aus den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts, das erst 200 Jahre später wiederentdeckt wurde, eine Frischekur, die es in sich hatte. Das machte Spaß und kam beim Publikum blendend an, zumal Maximilian Hornung nicht nur über hohes virtuoses Potential verfügt, sondern auch ein intuitives Gefühl für richtiges Timing hat und somit spektakuläre Wirkung erzielen kann. Der Applaus geriet dann auch derart enthusiastisch, dass es einen „Nachschlag“ gab: den ersten Satz aus Bachs Cellosuiten – auch dieser wurde mit Verve gespielt und provozierte erneute Begeisterung.
Spektakuläre Interpretationen: Cellist Maximilian Hornung
Hornung war auch nach der Pause wieder gefragt – in Dvoraks „Waldesruh“, einem hoch emotionalen romantischen Werk, das der Cellist mit bewegender Noblesse inszenierte – unterstützt von einem berührend feinfühlig agierenden Orchester, das dem verinnerlichendem Duktus vollständig Rechnung trug. Das Ensemble steuerte nunmehr auf das zentrale Werk des Abends zu – die lang ausgedehnte, zauberhafte Streicherserenade von Josef Suk. Als Meisterwerk mit eingängigen Klängen und schönem Aufbau wurde es von der Camerata mit ausgeprägtem Feingefühl gespielt. Drei Zugaben spendierte Emilsson. Und sie alle zeigten die Breite der musikalischen Möglichkeiten dieses engagierten Orchesters: die „Gavotte“ aus Leoš Janáčeks Suite für Streichorchester, ein orchestraler „Blues“ des tschechischen Komponisten Luboš Sluka und die „Pizzicato-Polka“ aus dem Ballett „Don Juan“ von Christoph Willibald Gluck. Zauberhaft!
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