Volles Haus in der Kunstscheune Jemgum

Kunstweiber eröffnen Ausstellung "Zwischenwelten"

Abendstimmung: Die Kunstscheune
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Wolfgang Mauersberger

Abendstimmung: Die Kunstscheune Gess in Jemgum

Jemgum. Gut 20 Stühle standen in drei Reihen vor dem Rednerpult in der Kunstscheune. Der Andrang war groß: Um die 150. Kunstfreunde aus ganz Ostfriesland und umzu, darunter auch aktive Künstlerinnen und Künstler, trafen sich zur Vernissage der Ausstellung "Zwischenwelten" der vier Kunstweiber Katharina Schulz (Leer), Hielkje van Damme (Loquard), Anette Janssen und Gaby Mrongowius (beide aus Amdorf). Eine beeindruckende Vielfalt an Gemälden, Keramiken und Objekten hatten die vier Künstlerinnen zusammengestellt.

Die Besucherinnen und Besucher wurden schon beim Eintreffen vom Folk-Trio DreiBartLang musikalisch empfangen und damit gleich in die passende Stimmung gebracht. „Nordischer Zugfolk“ nennen die Drei ihre Musikrichtung, denn sie arbeiten regelmäßig mit den Zugvogeltagen, organisiert vom Nationalpark Wattenmeer, zusammen.

Vor dem Beginn der Veranstaltung blieb Zeit für einen ersten Rundgang. Nach kurzer Begrüßung durch Iris Gess, der Hausherrin, trat die Lokalpolitikerin Beate Stammwitz ans Mikrofon: "Scheune, das lässt Gedanken an Staub und Spinnweben aufkommen." Die Kunstscheune sei ein schönes Beispiel für eine gelungene Umwidmung.

In einer einfühlsamen Laudatio stellte anschließend die in Ostfriesland bekannte Kunsthistorikerin Sarah Byl in ihrer Laudatio die vier Künstlerinnen vor. Dabei bewegte sie sich am Bild der vier Elemente entlang: Luft, Erde, Wasser und Feuer.

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Sarah Byl: Laudatio

Sarah Byl: Laudatio

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„Das Element Luft steht für die Gedanken, Kommunikation und Inspiration. Sie symbolisiert den Geist“, so Byl. Das ordnete sie den Werken von Katharina Schulz zu: Überwiegend Gemälde, aber auch künstlerisch verfremdete Fotografien und „luftige“ Objekte. 

Erde ordnete sie Hielkje van Dammes Keramikskulpturen zu. „Ihr künstlerischer Blick richtet sich auf das Schöne, Faszinierende der Natur, ebenso wie auf die gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen“, so Sarah Byl. Hielkje van Damme ist eine Meisterin des Rakubrands, einer japanischen Brenntechnik, bei der die Glasur unvorhersehbare Strukturen entwickelt. Auch Zeitkritisches kommt nicht zu kurz, so der Koffer mit dem Judenstern, umgeben von züngelnden Flammen, und auf dem Kärtchen der Text: Eine schwelende Glut entflammt leicht.

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Die Kunstweiber lauschen der Laudatio: Katharina Schultz, Gaby Mrongowius und Anette Janssen (links) und Hielkje van Damme (rechts)

Die Kunstweiber lauschen der Laudatio: Katharina Schultz, Gaby Mrongowius und Anette Janssen (links) und Hielkje van Damme (rechts)

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Wasser zieht sich als Thema durch viele Gemälde von Gaby Mrongowius, aber auch anderes wie Architektur. Immer wieder überlagert sie ihren Bildern die „Doomsday Clock“ und weist damit auf die Endlichkeit der natürlichen Ressourcen hin.

Feuer schließlich ist Anette Janssen zugeordnet: „Feuer – steht für Energie, Leidenschaft und Schaffenskraft. Es symbolisiert Transformation.“ Sie erarbeitete unter anderem mit Kindern in der Kulturwerkstatt Leer ein Poster „Mein Planet“. Die Kinder haben auf kleinen Zetteln Wünsche und Befürchtungen festgehalten. „Kein Krieg“, „Gerechiichkeit“ und „Keine Umweltverschmutzung“ ist da zu lesen. Sarah Byl: „Die Wünsche und Vorstellungen der Kinder würden wir vermutlich alle unterschreiben, aber durch Hand und Mund von Kindern wird bewusster, was wir Erwachsenen hier eigentlich machen, oder auch nicht machen.“

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Blick von oben: Geschickte Hängung

Blick von oben: Geschickte Hängung

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Oben in der Scheune läuft eine Dauerausstellung von Willy Bitter aus Hilden. Der 90-jährige Künstler war an diesem Abend ebenfalls anwesend.

Die Jemgumer Kunstscheune ist Teil eines alten Gulfhofs aus dem Jahr 1890. Im Jahr 2015 übernahmen Iris und Wolfgang Gess – seit gut 30 Jahren in Nordrhein-Westfalen im Kunstbereich tätig – das Anwesen. Nach zweijähriger intensiver Umbauphase fand am 24. November 2017 die erste Veranstaltung unter dem Motto "Rheinland trifft Rheiderland – Ein Wochenende im Zeichen der Kunst" statt, eine Kunstausstellung mit umfangreichem Rahmenprogramm. Nun wurde am 12. September Kunstgezeiten 12 eröffnet.

▶     Die Ausstellung mit einem umfangreichen Beiprogramm ist bis zum 27. September geöffnet, Näheres auf der Homepage der Kulturscheune.

▶     Hier geht es zur Homepage der Kulturscheune.

Veröffentlichungsdatum
Publiziert von

Wolfgang Mauersberger

(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events

In diesem Beitrag erwähnt

Galerie & Atelier

Kunstscheune Gess

Kunstausstellungen, Lesungen, Diskussionsabende, Konzerte

Adresse
Jemgumgaste 2 a, Jemgum

Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.