Von Beuys bis Richter - alles Kunst

Künstlerlexikon Ostfriesland

Cover des Buchs "Bildende Kunst in Ostfriesland im 20. und 21. Jahrhundert" von Walter Baumfalk
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Ostfriesische Landschaft

Trimborn. Gramberg. Uttecht. Peters. Folkerts. 
Wem diese Namen etwas sagen, der kann sich mit Recht einen Kenner der ostfriesischen Kunstszene des 20. und 21. Jahrhunderts nennen. Wem diese Namen allerdings – noch – nichts sagen, dem sei das Künstlerlexikon „Bildende Kunst in Ostfriesland im 20. und 21. Jahrhundert“ ans Herz gelegt. Verfasst hat dieses fast 600 Seiten starke Werk, das nun in der bereits dritten Auflage erscheint, der Auricher Kunstexperte und Sammler ostfriesischer Kunst, Dr. Walter Baumfalk. Keine zehn Jahre sind vergangen, seitdem die erste Auflage mit damals etwa 370 Künstler- und Künstlerinnenbiographien 2016 erschien. Und nun liegt es in der dritten, erweiterten und überarbeiteten Fassung vor. Über 400 Künstlerinnen- und Künstlernamen finden sich darin, sorgfältig recherchiert und prägnant formuliert.

Der Ostfriesischen Landschaft gebührt ein Dank, dieses Werk unterstützt und herausgegeben zu haben. Ein Werk, das für die ostfriesische Kunst und vor allem Kunstgeschichte von unschätzbarem Wert ist und bleiben wird. Bei der Landschaft ist man sich der Bedeutung des Nachschlagewerkes bewusst und hat viele gute Gründe dafür: „Aus Sicht der Ostfriesischen Landschaft ist das Künstlerlexikon unglaublich wertvoll, da wir uns gleichzeitig die Förderung der ostfriesischen Kunst sowie die langfristige Dokumentation regionaler Geschichte und wichtiger ostfriesischer Akteure auf die Fahnen geschrieben haben“, betont Landschaftspräsident Rico Mecklenburg. „Deshalb gebührt unser Dank Walter Baumfalk, der mit seinem gewissenhaften Werk ein bedeutendes Stück ostfriesischer Kunstgeschichte dokumentiert.“

Zu den größten Verdiensten des von Walter Baumfalk und Dr. Annette Kanzenbach gemeinsam begonnenen und von Walter Baumfalk seit der 2. Auflage 2020 allein fortgeführten Werkes gehört es, eine umfangreiche, aktuelle Darstellung des regionalen Kunstgeschehens zu bieten. Dies hat zum einen natürlich den rein dokumentarischen historischen Wert wie es zum anderen auch die Zusammenschau dessen ist, was künstlerisch in Ostfriesland geschaffen wurde und wird. 

Dem leidenschaftlichen Sammler Walter Baumfalk – und seiner verstorbenen ersten Frau, die sich ebenfalls sehr für die Förderung der regionalen bildenden Kunst in Ostfriesland eingesetzt hatte - war es vor allem daran gelegen, diese Bestandsaufnahme vorzunehmen und damit zu belegen, wie vielfältig und ambitioniert die in Ostfriesland entstehende Kunst ist. Wie ernst er dies nimmt, belegt die Aufnahme der beiden wohl berühmtesten Künstler Deutschlands der letzten 50 Jahre, Joseph Beuys und Gerhard Richter, in den ostfriesischen Kunst-Kanon. Beuys hat sich auf Norderney, Gerhard Richter mehrfach auf Juist aufgehalten, wo Arbeiten entstanden sind, die für die inspirierende Kraft der ostfriesischen Landschaft stehen. Unabhängig davon ist die Bewahrung der Erinnerung an die eingangs genannten Künstler und Künstlerinnen – Hans Trimborn. Gerd und Karl Gramberg. Meinhard Uttecht. Hildegard Peters. Poppe Folkerts – und so viele andere von unschätzbarem Wert. Aktuelle Vertreter finden sich zuhauf: Hermann Buß, Bodo Olthoff und Herbert Müller, Ida Oelke, Ingrid Freihold, Hans-Christian Petersen, Gerd Rokahr, Helmut Müller, Herbert Buss, Hartmut Bless… Allein das Stöbern und Blättern in den 600 Seiten ist ein reines Vergnügen, findet man doch viel Gelegenheit, lose Enden zu verknüpfen und sich ein umfassendes Bild vom Kunstgeschehen in Ostfriesland zu machen. Bei der Erstellung der Geschichte des Ostfriesischen Kunstkreises und der Harle Kunstausstellung bewies das Lexikon bereits seine Wertigkeit. 

Einziger Wermutstropfen: „Wir mussten aus vielen Gründen, nicht zuletzt urheberrechtlichen und technischen, auf die Bebilderung des Buches verzichten,“ erläutert Walter Baumfalk: „Deshalb war mir die Erarbeitung der verlässlichen Informationen und weiterführenden Quellen ein besonderes Anliegen.“ Wer sich für die ostfriesische Kunst im 20. und 21. Jahrhundert interessiert, findet zu jedem genannten Namen mal mehr, mal weniger Literaturverweise, die einer weiterführenden Beschäftigung mit der Materie dienlich sind. Dem Juristen Walter Baumfalk, ehemals Vizepräsident des Landgerichts Aurich und Verfasser mehrerer Bücher zum Zivilprozessrecht, ist zu danken, dass er mit Akribie und Ausdauer Quellen erschlossen und Fakten bestätigt hat.

Baumfalk führt gemeinsam mit der Ostfriesischen Landschaft eine Arbeit fort, die in den zurückliegenden Jahrzehnten von leider verstorbenen Persönlichkeiten wie Heiko Jörn und Dr. Helmut Eichhorn ausgeführt wurde, die eine Fülle von Monographien und Aufsätzen veröffentlichten und für die Beschäftigung und Kenntnisnahme in der Region entstandener Kunst warben. Es wäre wünschenswert, dass diese grundlegende Arbeit fortgesetzt würde. Auch die archivierende Tätigkeit, wie sie in ausgewählter Form im Kunsthaus Leer von Susanne Augat vorgenommen wird, wäre eine Aufgabe der Zukunft, will man den Wissensschatz über die Region in Gestalt zum Beispiel von Künstlernachlässen nicht verloren geben. Zuletzt machte die junge Hagener Kunsthistorikerin Sarah Byl mit zwei von ihr kuratierten Ausstellungen von Hildegard Peters auf Norderney und Jürgen Müller-Dühring in Wittmund auf sich aufmerksam.

Für die Zukunft wäre eine digitalisierte Fassung des Lexikons ebenso wünschenswert wie die Ergänzung einer lexikalischen Übersicht über die Künstler und Künstlerinnen der Region, die die strenge Auswahlbedingung, künstlerisches Studium oder Ausbildung, nicht erfüllen. Dies würde der zunehmend wachsenden Zahl an autodidaktisch gebildeten Künstlern und Künstlerinnen und ihrer Leistung im Rahmen der Popularisierung von Kunst in der Region gerecht werden.

Das Künstlerlexikon bleibt eine wichtige Grundlage für die Beschäftigung mit der Kunst in Ostfriesland, es sollte in keinem kulturell ambitionierten Haushalt fehlen.

 

Walter Ruß, Ostfriesischer Kunstkreis/LiteraturFest Wittmund

 

Baumfalk, Walter: Bildende Kunst in Ostfriesland im 20. und 21. Jahrhundert. Ein Künstlerlexikon. Aurich 2025. 3.überarbeitete und erweiterte Auflage. Ostfriesische Verlags- und Vertriebsgesellschaft mbH Aurich. 578 Seiten. ISBN 978-3-940601-87-0, 28,90€

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