Emden. Blendende Stimmung, enthusiastischer Applaus und erstklassige Leistungen der Akteure auf der Bühne – das war „Stimmflut“ 2026. Dabei lädt das A Cappella-Quartett „Viva Voce“ zwei weitere Stimmkunst-Ensembles ein. Das anregende Format hat sich herumgesprochen, und so startete das vorerst letzte Unternehmen dieser Art am Sonnabend vor voll besetzten Reihen im Festspielhaus am Wall.
Vier junge Männer gestalteten dabei einen Konzertbeginn, der es in sich hatte. Die „German Gents“ in schwarzen Anzügen und Lackschuhen starteten mit einem Programm, das unter anderem Lieder der Comedian Harmonists enthielt – und die jungen Sänger machten ihren Vorgängern alle Ehre. Ihr Auftreten besticht durch erstklassige Stimmen – alle waren Sänger im Staats- und Domchor Berlin – geschliffene Moderation und formgerechtes Benehmen. Das Repertoire umgreift sowohl die 20er als auch die 50er und 60er Jahre und transportiert auf bestechende Weise Vokalgesang vergangener Zeit in ein zeitgemäßes Umfeld. Beleg dafür etwa „Isabella aus Kastilien“ – mit hinreißendem Witz in ein spanisch inspiriertes Umfeld eingefügt.
Linkes Bild: Sie arbeiten gerne mit älterem Song-Material aus den 20er Jahren: die German Gents aus Berlin | Rechtes Bild: Sind abonniert auf die Musik der 90er Jahre: die Medlz aus Dresden
Die „Medlz“ aus Dresden sind vier Frauen, die sich gesanglich in den 90er Jahren tummeln. Alle vier waren Mitglieder des Philharmonischen Kinderchores Dresden und verfügen somit über das stimmliche Niveau und mehr als 25 Jahre Bühnenerfahrung. Dass sie darüber hinaus das Publikum in Bewegung bringen – wenn auch nicht zum Tanzen a la Disco, so doch zum intensiven Mitklatschen – mag der mitreißenden Dynamik des Damen-Quartetts geschuldet sein. Jedenfalls war der kurze Gang durch die langen 90er zum Beispiel geprägt von „MFG“ der Fantastischen Vier, dem James Bond-Song „Golden Eye“ oder auch „True Colors“ von Phil Collins.
Beziehen auch Puppen in ihr Programm mit ein: die vier Sänger von Viva Voce
Den Hauptteil des Abends bestritten die Gastgeber des Abends, „Viva Voce“. Ihnen ist es seit ihrer Gründung 1998 gelungen, einen derart typischen Stil mit vorwiegend deutschen (Eigen)Texten zu kreieren, dass man sie quasi „blind“ aus den unterschiedlichsten A Cappella-Formationen heraushören kann. Auch die Tatsache, dass über die Jahrzehnte ihres Bestehens etliche personelle Wechsel stattgefunden haben, beeinträchtigt die sängerische Qualität keineswegs. Zwei Tenöre, ein Bariton und ein Bass gestalten – unterstützt von Choreographie, Licht und Schatten, Puppenspiel und Beatboxing eine hinreißende Performance, die das Publikum von den Sitzen hob. Ihr Song über die „Mitgeschleiften Gatten“ ist nicht neu, aber derart komisch, dass man ihn immer wieder gerne hört. Der Song mit „unzüchtigen“ Worten, die nicht ausgesprochen, sondern mit den Silben „Falalala“ ersetzt werden, erheiterte den ganzen Saal. Was die Herren nach den musikalischen Motiven aus „Titanic“ und „Dirty Dancing“ auf der Bühne choreographierten, war in der stilistischen Schlichtheit sehenswert.
Die 12 Künstler des Abends beim gemeinsamen Abschiedssong
Zum Schluss gibt es den Auftritt aller Beteiligten, die ohne Mikros und gemeinsam „Stand by me“ singen. Damit endete ein höchst unterhaltsamer Abend, der zeigte, was die menschliche Stimme auch ohne instrumentale Begleitung zu leisten vermag.
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events