Emden. 2023 steht beim Internationalen Filmfest Emden-Norderney der Film „Divertimento – Ein Orchester für alle“ im Mittelpunkt. Die Dokumentation erhält den Hauptpreis, den Score Bernhard Wicki-Preis. Thema ist die Geschichte von Zahia Ziouani, einer jungen Frau, die allen Widerständen trotzt und ihren Traum, Dirigentin zu werden, realisiert.
Beim jüngsten Konzert von Kulturevents Emden konnte man diese Frau live erleben. Sie kam als Dirigentin des Bridges Kammerorchester in die Seehafenstadt und erwies sich als zurückhaltende, gleichwohl energische Leiterin eines ungewöhnlichen Klangkörpers. Betriebsleiterin Kerstin Rogge-Mönchmeyer hatte sich drei Jahre lang bemüht, das Orchester auf die Bühne des Festspielhauses zu bringen.
Das Besondere: die Musikerinnen und Musiker, die aus unterschiedlichen Kulturen kommen, sind gleichzeitig ihre eigenen Arrangeure oder Komponisten. Daraus entwickelte sich im Konzert ein Klangbild, in dem Traditionen von Orient und Okzident Verschmelzungen eingingen. Die Musiker spiegelten dies auch in ihren Instrumenten, wo neben den klassischen europäischen wie Violine, Kontrabass und Harfe, auch eine Kamanche (Stachelgeige), eine Oud (Kurzhalslaute), die Tar (Langhalslaute) oder die Kaval (Längsflöte) zu sehen waren. In dieses folkloristische Bild fügte sich auch eine Zither ein.
Ein buntes Bild bot das Bridges Kammerorchester auch optisch durch die unterschiedlichen Kleidungsstile
Das Programm des Orchesters mit dem Titel „Von der Seidenstraße über Venedig nach Konstantinopel“ begann mit Vivaldis „La Follia“, einem Satzmodell, das auch viele andere Komponisten für Variationen genutzt haben. So war es nicht verwunderlich, dass die Flötistin von „Bridges“, Johanna-Leonore Dahlhoff, es neu arrangiert und ansprechend für das transnational besetzte Orchester gesetzt hatte. Was dann folgte, waren Kompositionen für die ein bis mehrere Musiker ihre Ideen zusammengetragen hatten – teilweise waren diese von Naturereignissen inspiriert, teilweise von einigen improvisierten Takten, teilweise auch kombinierten sie eine Opernarie aus „Tosca“ mit arabischen Klängen.
Bemerkenswert: vier Beiträge waren erst fünf Tage zuvor bei einem Konzert in Kempten uraufgeführt worden. Von einer Sinfonie waren erst zwei von drei Sätzen fertig. Man bekam also ganz „frische“ Stücke präsentiert. Gemeinsam war ihnen ein mitreißender Schwung, eine klangliche Hörbarkeit und eine Freude, die Musiker und Konzertbesucher teilten. Es gab tosenden Applaus und eine Zugabe, die an den Beginn des Konzertes anknüpfte und es somit rundete. Es erklang „Nel blu, dipinto di blu“, besser bekannt als „Volare“ des italienischen Sängers Domenico Modugno.
Das Publikum im Festspielhaus war völlig begeistert von den Darbietungen des Bridges Kammerorchester
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events