Zeichnungen des Steinhauses aufgetaucht
Familie de Boer übergab Unterlagen an die Bibliothek der Ostfriesischen Landschaft
Aurich. Die Landschaftsbibliothek in Aurich hat von Elisabeth de Boer aus Landschaftspolder umfangreiche Unterlagen über das Steinhaus Bunderhee erhalten. Sie stammen aus dem Nachlass von Gerhard de Boer, der sie 1956 in seiner Studienzeit in Braunschweig erstellt hat. Darunter sind zahlreiche großformatige und detailgenaue Zeichnungen des Steinhauses sowie eine schriftliche Hausarbeit zur baugeschichtlichen Untersuchung und Beschreibung des Steinhauses. Die Sammlung befand sich bisher bei Gerhard de Boers Tochter Theda in Hamburg, die sie vor kurzem an ihre Tante Elisabeth de Boer übergab. Diese freut sich, dass die Dokumente nun in guten Händen sind. „Ich wusste nicht, wo ich die Unterlagen sonst würdig unterbringen sollte."
Übergabe der Unterlagen vor dem Steinhaus: Helmut Collmann, Fokko de Boer, Taline de BoSer, Theda de Boer, Dr. Heiko uhr, Elisabeth de Boer, Rico Mecklenburg, Heepke Bockelmann, Dr. Rolf Bärenfänger, Dr. Matthias Stenger, Anne Park und Wilko de Boer.
Den Kontakt zur Ostfriesischen Landschaft hatte die Galeristin Anne Park nach einem Besuch bei Elisabeth de Boer hergestellt und den ehemaligen Landschaftspräsidenten Helmut Collmann über die Zeichnungen informiert. „Als die Anfrage kam, war ich wie gestochen", erklärte Collmann. Er sah sich die Pläne gemeinsam mit dem ehemaligen Landschaftsdirektor Dr. Rolf Bärenfänger an. Bärenfänger ist ein ausgewiesener Kenner des Steinhauses und hat 2024 in der Reihe „Hefte zur ostfriesischen Kulturgeschichte" einen Band über das Steinhaus Bunderhee veröffentlicht. „Es handelt sich um sehr saubere und ordentliche Pläne von hoher Qualität", bestätigte Bärenfänger. Schade sei nur, dass die Zeichnungen zu spät für sein Steinhaus-Heft gekommen seien.
Nordansicht des Steinhauses Bunderhee in einer Zeichnung von Gerhard de Boer
Ähnliche Zeichnungen des Steinhauses seien zuvor lediglich von dem Architekten Karl Maas aus den 1940er Jahren bekannt gewesen. Dr. Heiko Suhr, Leiter der Landschaftsbibliothek, geht davon aus, dass Gerhard de Boer dessen Pläne als Grundlage nutzte und verbesserte. Denn auch Maas hatte in Braunschweig studiert. De Boers Zeichnungen zeigen das Steinhaus von allen Seiten. In dem Fundus sind aber auch Detailansichten, beispielsweise von Fenstern oder Türen. Dabei hat er die technischen Zeichnungen teilweise mit Aquarellfarbe ergänzt. „Es ist wirklich bemerkenswert, dass wir immer mehr über dieses geschichtsträchtige Gebäude erfahren", freute sich auch Landschaftspräsident Rico Mecklenburg.
Interesse an der Arbeit Gerhard de Boers bestehe in der wissenschaftlichen Hausforschung ebenso wie in der Heimatforschung, wie Suhr betonte. Denn seine Studienarbeit sei in der Landschaftsbibliothek bereits mehrfach eingesehen worden. Die umfangreichen Unterlagen sollen laut Suhr demnächst als „Buch des Monats" vorgestellt werden.
Ganz dezent: Querschnitt des Steinhauses sowie Längsschnitt des Kellers, gezeichnet von Gerhard de Boer
Gerhard de Boer wurde 1927 in Landschaftspolder geboren. Nach der Volksschule in seinem Heimatort besuchte er die Staatliche Oberschule in Leer, an der er 1948 das Abitur ablegte. Bis 1950 sammelte er dort bei verschiedenen Bauunternehmen und Architekturbüros erste praktische Erfahrungen, ehe er zum Architekturstudium an die Technische Universität Braunschweig wechselte. 1958 schloss er es als Diplom-Ingenieur ab und zog im selben Jahr nach Hamburg, wo er bis 1985 als angestellter Architekt bei der Neuen Heimat tätig war. Er starb 2005 in Hamburg-Niendorf.
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