Aurich. Das Kollegium der Ostfriesischen Landschaft hat am Sonnabend (18. April) auf seiner regulären Sitzung beschlossen, dem Mediziner, Nationalsozialisten, Privatgelehrten und Kartografen Arend Lang (1909 bis 1981) die ihm 1973 verliehene Ubbo-Emmius-Medaille posthum abzuerkennen. In der sich anschließenden Landschaftsversammlung, in der die Entscheidung vermeldet wurde, nahmen die Mitglieder die Nachricht mit Applaus zur Kenntnis. Eine Diskussion über diesen Beschluss gab es nicht.
Landschaftspräsident Rico Mecklenburg wies darauf hin, dass damit zum ersten Mal eine solche Aberkennung vorgenommen worden sei. „Sie ist allerdings geboten, weil eine aktive und leitende Beteiligung Langs an der nationalsozialistischen Erb- und Rassenpflege zweifelsfrei belegt ist. „Langs Tätigkeiten und Taten stünden in einem unauflösbaren Widerspruch zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, der Menschenwürde und den Grundrechten sowie zu den humanistischen Werten, für die die Emmius-Medaille verliehen werde“, erklärte Mecklenburg. Die Entscheidung sei ohne vorherige Beratung im Indigenatsausschuss gefallen. Dessen Vorsitzender, Wilhelm Ihnen, sei allerdings zuvor informiert worden und habe sich mit dem Prozedere einverstanden erklärt. Mecklenburg betonte, dass in diesem Fall das Kollegium das „allein zuständige Gremium“ sei.
Arend Lang war unter anderem an Zwangssterilisationen beteiligt – in 50 Fällen im Landkreis Aurich. Darauf wird bereits im „Biographischen Lexikon für Ostfriesland“ hingewiesen. Eine Folge ergab sich daraus nicht. Ins Rollen gebracht hatte die Forderung nach einer Aberkennung der Ehrung der Oldenburger Historiker Andreas Wojak in einem Vortrag in Emden.
Mecklenburg wies darauf hin, dass schon längere Zeit der Plan bestanden habe, einen Aufsatz über Arend Lang zu schreiben. Dieses Vorhaben, das in den Händen des Leiters der Landschaftsbibliothek, Dr. Heiko Suhr, liegt, solle nun vorgezogen werden. Zudem würde auch der entsprechende Artikel im Biographischen Lexikon überarbeitet.
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