Zwei junge Musikerinnen kreieren ein neues Festival

Die ersten drei Konzerte planen sie für Emden, aber Ostfriesland wird bereits mitgedacht

„Profunduo“ spielt im Rummel Musik von Bach bis Bartok
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Emden. Elena Meyer und Polina Munteanu sind 22 und 24 Jahre alt, beide Violinistinnen, und sie teilen dieselbe berufliche Einstellung zu ihrem Beruf als Künstlerin. Nun stellen sie mit dem Festival „Poème“ ihre Fähigkeiten als Organisatorinnen vor. Als Musiker lerne man nicht nur das Präsentieren von Musik, sondern auch das Ausrichten von Konzerten quasi von selber, meint die gebürtige Emderin Elena Meyer. Polina Munteanu ist diesbezüglich besonders „trainiert“, denn sie kommt aus einer Musikerfamilie und war stets eingebunden, wenn ihr Vater, der Violin-Pädagoge Professor Petru Munteanu, seinen internationalen Wettbewerb ausrichtete.
 

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Organisieren ihr erstes Festival: Elena Meyer und Polina Munteanu

Organisieren ihr erstes Festival: Elena Meyer und Polina Munteanu

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Die beiden Violinistinnen kennen sich schon einige Jahre und haben ihr Festival recht schnell auf die Beine gestellt. Polina Munteanu bringt sogar ein Ensemble mit, dessen Leiterin sie ist. Ihr Ziel ist es, mit dem Programm verstärkt auch junge Leute anzusprechen. Entsprechend wurde das Programm ausgerichtet. Filmmusik findet sich darin ebenso wie für Streichquartett arrangierte Popsongs von Taylor Swift oder den Beatles. Um eine persönliche Atmosphäre zu schaffen, haben die beiden Räume ausgewählt, die ihrem Wunsch nach Atmosphäre gerecht werden.
 

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Das „Concertino Ensemble“ gastiert in der Neuen Kirche in Emden und stellt zwei Fassungen der „Vier Jahreszeiten“ gegenüber

Das „Concertino Ensemble“ gastiert in der Neuen Kirche in Emden und stellt zwei Fassungen der „Vier Jahreszeiten“ gegenüber

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Eröffnet wird „Poème“ am Sonnabend, den 11. April, um 17 Uhr mit dem Concertino Ensemble, das Petru Munteanu 1986 für junge Musiker gegründet hat. „Vier Jahreszeiten im Dialog“ nennen Elena Meyer und Polina Munteanu das Programm, in dem sie die Musik von Antonio Vivaldi und Astor Piazzolla in einer, eigens von ihnen erdachten Weise verschränken. Die Violinistinnen sind dabei auch solistisch eingebunden. Polina Munteanu spielt die Musik Vivaldis, Elena Meyer jene von Piazzolla.
 

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„Profunduo“ spielt im Rummel Musik von Bach bis Bartok

„Profunduo“ spielt im Rummel Musik von Bach bis Bartok

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Am 15. April laden die beiden um 18.30 Uhr in den Rummel des Rathauses am Delft ein. Dort spielt Profunduo (Violine und Akkordeon) das Programm „Crossover Harmonies“ mit Musik von Bach bis Bartok. Der dritte Abend beginnt am 18. April um 20 Uhr in der Schweizer Kirche. Das Hanover Quartet bietet hier eine musikalische Reise bei Kerzenschein an. Thema des Abends ist „Licht und Klang“. Eigens dafür haben die beiden Musikerinnen 300 Kerzen besorgt, um den Veranstaltungsort mit Licht zu fluten.
 

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Das Hanover Quartet ist mit einem Programm, in dem sich Klang und Licht verweben, in der Schweizer Kirche zu hören

Das Hanover Quartet ist mit einem Programm, in dem sich Klang und Licht verweben, in der Schweizer Kirche zu hören

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Einen Kartenvorverkauf wird es nicht geben. „Pay what you can“ soll stattdessen das Motto der drei Abende sein. Damit die Besucher sich orientieren können, wird es Empfehlungen geben, welche Summe angemessen ist. Denn die gastierenden Musikerinnen und Musiker sollen „fair bezahlt werden“, sagt Elena Meyer. Die Abende werden auch moderiert. Das gehöre heute dazu.

Für die Musiker haben sie in besonderer Weise gesorgt. Alle Beteiligten werden privat untergebracht und beköstigt. Hilfe haben sie dabei vom Verein „Freunde und Förderer der Klassik e.V.“ erhalten, der als Veranstalter auftritt und für das abendliche Catering sorgt. Weitere Hilfe leisten die Sparkasse Emden und eine Physiotherapie-Praxis. Wenn alles gut läuft, dann soll das Festival künftig jedes Jahr stattfinden, wünschen sich die Organisatorinnen – und das nicht nur in Emden, sondern auch darüber hinaus. „Aber erst einmal warten wir den ersten Durchgang ab.“

Die Besucher erwartet bei „Poème“ noch eine Besonderheit. Elena Meyer ist Stipendiatin der Deutschen Stiftung Musikleben, die hochwertige Streichinstrumente aus dem Deutschen Musikinstrumentenfonds vergibt. Ihr wurde eine Violine des französischen Instrumentenbauers Nicolas Lupot (1758 bis 1824) zugewiesen, die dieser 1810 gebaut hatte. „Ich bin sehr glücklich mit dem Instrument“, versichert die junge Musikerin, die die Geige für ein Jahr spielen darf. Dann muss sie in einem Vorspiel nachweisen, dass sie sich mit der „Lupot“ musikalisch weiterentwickelt hat, um sie erneut für ein Jahr spielen zu dürfen.

Polina Munteanu verfügt über ein Instrument des italienischen Geigenbauers Giovanni Paolo Maggini (1580 bis 1632). Sie datiert von 1630 und hat eine bemerkenswerte Geschichte. Ihr Vater kaufte die völlig verrußte Violine nämlich auf einem Antikmarkt. Erst als sie restauriert wurde, stellten sich ihr hohes Alter und ihr Wert heraus. Passt der Klang der Französin zu der der Italienerin? „Wir werden es ausprobieren, aber meine Geige ist relativ italienisch im Klang“, gibt sich Elena Meyer zuversichtlich.

⏵     www.poeme-musikfestival.de

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Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.