Zwischen Marsch und Meer
Die Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse und die Ostfriesische Landschaft haben ihren Kunstkalender für 2027 herausgegeben. Jetzt wurde er vorgestellt
Aurich. „Küstenwelten“ heißt der Kalender, der das Jahr 2027 begleiten wird. Zehn regional tätige Künstler wurden gebeten, dafür Werke zur Verfügung zu stellen. Dazu kommen mit Bildern von Poppe Folkerts und Karl Dönselmann zwei Arbeiten verstorbener Maler und Graphiker, die sich aber ohne Schwierigkeiten in den Kontext der aktuellen Kunst einbetten lassen, wie Kunsthistorikerin Dr. Annette Kanzenbach anmerkte. Sie schlägt in jedem Jahr Werke ostfriesischer Künstler für den Kalender vor. Ausgewählt wird dann in einem Vierer-Gremium, dem neben Kanzenbach Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger, der Vorstandsvorsitzende der Brandkasse Thomas Weiss und Brandkassen-Sprecherin Signe Foetzki angehören.
Stellten den Kalender vor: Signe Foetzki und Thomas Weiss, Katrin Schöß, Hartmut Bleß, Almuth Baumfalk, Ida Oelke, Renate Fäth, Alfred Kaufner, Herbert Müller, Ahlrich van Ohlen, Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger, Landschaftspräsident Rico Mecklenburg und Kunsthistorikerin Dr. Annette Kanzenbach.
Ihre Auswahl für 2027 umfasst mehr als die übliche Vorstellung von Küste. „Wir haben einen breiten Zugang zum Thema zugelassen“, erläutert Kanzenbach. So findet man neben Wasser und Dünen auch den Blick vom Meer ins Land, ein „Unterwasser“- und ein Vogelmotiv. Stilistisch reicht die Auswahl von abstrakt bis realistisch. Neben Arbeiten in Öl sind auch die Techniken Aquarell, Holzschnitt, Lithographie, Tempera vertreten. Die Küste und die Inseln Ostfrieslands hätten die Künstler zu Kompositionen inspiriert, „die mit ihrer Ausdruckskraft weit über die traditionellen Landschaftsdarstellungen hinausreichen“, schreibt Annette Kanzenbach in einem Beitrag zum Kunstkalender.
Welche Künstler mit welchen Motiven sind im neuen Kunstkalender vertreten? Der Januar gehört Hermann Buß (Jahrgang 1951, Leer), der mit dem Gemälde „Fest im Strom“ eines seiner tiefsinnigen, existenziellen Werke vorstellt. Das Gemälde hat Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff so beeindruckt, dass es heute in seinem Büro im Verwaltungsgebäude am Frickensteinplatz hängt.
Ida Oelke (Jahrgang 1956, Esens) nutzt für ihr Motiv „Wellen und Meer“ die typische Maserung eines Holzbretts. Der Holzschnitt suggeriert eine weite Meereslandschaft mit ferner Küstenlinie und Wolken. „Ein Stück Natur zur Darstellung von Natur“, kommentiert Annette Kanzenbach. Ahlerich van Ohlen (Jahrgang 1949, Rastede) schafft mit seinem Farbholzschnitt von 2006 ein vielschichtiges Bild von Mehrdimensionalität. Katrin Schöß (Jahrgang 1968, Oldenburg) bevorzugt Freiluftmalerei. Ihre Ölskizze „Spiekeroog“ ist ein Beispiel für ihre zügige Maltechnik, mit der sie die Kraft des Augenblicks einfängt. Nacharbeiten im Atelier gibt es bei der Architektin und Künstlerin nicht. „Dadurch wird das Bild nämlich nicht besser“, schildert sie ihre Erfahrungen.
Bei Alfred Kaufner (Jahrgang 1949) spielt das Wasser eine große Rolle. Sein Kalenderbild „Land unter“ von 2015 ist eigentlich dreidimensional angelegt und arbeitet mit Glaspartikeln, Pigmenten und Bindemitteln, wirkt aber auch zweidimensional lebhaft. Hilke Deutscher (Jahrgang 1940, Leer) stellt mit dem Aquarell „Alles grün“ von 2003 eine Arbeit zur Verfügung, die zugleich das Titelbild des Kalenders ist. Herbert Müller ist mit seinem Bild „Hohe Düne II“ im Kalender vertreten. Es entstand nach einem Urlaub, in dem Müller auf Juist mit dem Skizzenbuch unterwegs war, mit Ölfarben auf Japanpapier. „Wir wollten für den Juli eine Arbeit, die Urlaubsstimmung ausdrückt“, erklärt Annette Kanzenbach.
Almuth Baumfalk (Jahrgang 1962, Aurich, Berlin) bezieht sich mit „Saatkrähen“ auf den fruchtbaren Marschensaum entlang der Küste. Ihr Bildträger ist hauchdünne Kunstseide. So kann sie Licht- und Schattenspiele mit einbeziehen. Dabei verbindet die Künstlerin transparente Farben mit photographischen Bildelementen. Ihr grundsätzliches Thema ist Zerbrechlichkeit und Fragilität. Der September ist dem Vertreter des norddeutschen Impressionismus, Poppe Folkerts (Jahrgang 1875, Norderney) gewidmet. Seine Kreide-Lithographie „Norderneyer Schaluppe bei stürmischem Wetter“ vermittelt „Atmosphäre und sachliche Richtigkeit in allen seemännischen Angelegenheiten“, versichert Annette Kanzenbach. „Als passionierter Segler besaß er alle notwendigen Kenntnisse und verstand es, sie auf eine ausdrucksstarke Weise umzusetzen.“
„Fischer mit Netzen (Neuharlingersiel)“ ist eine Arbeit von Karl Dönselmann (Jahrgang 1902, Aurich). Sie ist dem Oktober zugeordnet und zeigt eine expressive Arbeit, in der er das Wesentliche in reduzierter Formensprache präsentiert. „Der Kalender sollte nicht ganz menschenleer daherkommen“, kommentiert Annette Kanzenbach die Bildauswahl. Renate Fäth (Jahrgang 1954, Leer) nennt ihr Bild „Rostbraun“. Dass es letztlich vorwiegend Grau daherkommt, gründet auf der spontanen Entscheidung, es mit grauer Farbe zu übergießen. Die wie eine Landschaft wirkende Mischtechnik, in der eingearbeitete Fäden und Pasten eine wichtige Rolle spielen, zielt auf die Zeit zwischen Ebbe und Flut ab – Stillwasser genannt. Die Arbeit für Dezember stammt von Hartmut Bleß (Jahrgang 1953, Aurich). Sein Bild „Sunset III“ entstand mit Öl auf Wellpappe. Das widerspräche der Stofflichkeit des Themas, betonte Bleß. Er bezeichnet seine Arbeit als „ideele Landschaft“, die den Blick von der Küste ins Land lenkt. Das Bild wurde für die Neue Galerie im Ostfriesischen Landesmuseum Emden angekauft.
„Der Kalender ist wirklich toll geworden", lobte Landschaftspräsident Rico Mecklenburg. Die Künstler stimmten ihm zu. Insbesondere lobten sie die Farbqualität, mit der ihre Arbeiten aufs Papier gebracht wurden.
▶ Der Kunstkalender ist ab sofort im Buchhandel und im Landschaftsladen unter www.olv-gmbh.de zu bekommen. Er kostet 18,95 Euro
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Ostfriesische Landschaft
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