Die Töchter der Marie Heinen

Fotografien von Maike Vará

"Die Töchter der Marie Heinen"
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Kulturring und Kunstkreis Rhauderfehn

"Die Töchter der Marie Heinen"

Was bleibt von einem Menschen – 150 Jahre nach seiner Geburt?

Dieser Frage widmet sich die Uplengener Fotografin Maike Vará mit ihrer neuen Ausstellung „Die Töchter der Marie Heinen“. Die Ausstellung erzählt die Geschichte einer einzigen Frau – und zugleich die Geschichte von dreißig Frauen und Mädchen, die sichtbar machen, welche Spuren ein einzelnes Leben über Generationen hinweg hinterlassen kann.

Marie Friederike Heinen wurde im Juli 1876 in Westrhauderfehn geboren und wuchs im Müllerhaus der Hahnentanger Mühle auf. Sie heiratete Martin Krämer aus Breinermoor und gründete eine Familie mit sechs Kindern. Ihr jüngstes Kind war noch ein Kleinkind und ihre älteste Tochter erst zehn Jahre alt, als sie im November 1916 an einer Lungenkrankheit verstarb. Mit ihrem frühen Tod begann für die Familie eine schwere Zeit. Nur ihre beiden ältesten Kinder bekamen später selbst Nachkommen. Niemand konnte damals ahnen, welches Vermächtnis daraus eines Tages entstehen würde.
Heute beherbergt genau dieses ehemalige Müllerhaus die Räumlichkeiten des Kulturrings und Kunstkreises Rhauderfehn – und wird damit zum Ausstellungsort einer Geschichte, die dort ihren Ursprung nahm. Fast 150 Jahre später kehren ihre Nachfahrinnen in das Haus zurück, in dem Marie aufwuchs – hier begegnen sich heute die Frauen und Mädchen, die ihr Leben und ihre Geschichte bis in die Gegenwart fortschreiben.

Für das Projekt porträtierte Maike Vará –selbst Urenkelin von Marie Heinen insgesamt 30 Frauen und Mädchen, die alle der vierten oder fünften nachfolgenden
Generation von Marie Heinen angehören. Manche sind miteinander aufgewachsen, andere lernten sich erst im Rahmen dieses Projekts kennen. So unterschiedlich ihre Lebenswege, Berufe, Persönlichkeiten und Lebensalter auch sind – sie alle verbindet dieselbe Vorfahrin. Erst ihre Bereitschaft, Teil dieses Projekts zu werden, macht diese Ausstellung möglich. Gemeinsam erzählen sie eine Geschichte, die keine von ihnen allein erzählen könnte.

Die Fotografien selbst sind bewusst in einer Bildsprache gehalten, die an vergangene Zeiten erinnert. Sie schlagen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und lassen die porträtierten Frauen zugleich zeitlos erscheinen. Dabei geht es um Identität, Würde und die Frage, wie Geschichte in Gesichtern, Blicken und Haltungen weiterlebt. Die Ausstellung entstand unter der künstlerischen Leitung von Maike Vará, deren Arbeiten seit vielen Jahren von tiefgründigen und authentischen Porträts geprägt sind. Mit großer Sensibilität gelingt es ihr, Menschen nicht nur abzubilden, sondern ihre Persönlichkeit sichtbar werden zu lassen. Ihre Fotografien wurden bereits in Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, unter anderem in New York, Paris und Mailand. Mit „Die Töchter der Marie Heinen“ verbindet sie ihre charakteristische Porträtfotografie erstmals mit ihrer eigenen Familiengeschichte – und stellt dabei die Frauen und Mädchen in den Mittelpunkt, die dieses generationsübergreifende Vermächtnis als gemeinsames Kunstwerk sichtbar machen. „Die Töchter der Marie Heinen“ ist weit mehr als eine Familienchronik. Die Ausstellung verbindet dreißig Frauen und Mädchen zu einem gemeinsamen künstlerischen Werk und macht sichtbar, wie das Leben eines einzigen Menschen über Generationen hinweg nachwirken kann. In dieser Form dürfte sie einzigartig sein. Was bleibt von einem Menschen – 150 Jahre nach seiner Geburt? Die Ausstellung gibt darauf keine eindeutige Antwort. Vielleicht besteht das Vermächtnis eines Menschen nicht nur in Erinnerungen, sondern vor allem aus den Menschen, die nach ihm kommen.

Marie Heinen konnte nie wissen, welches Erbe sie einmal hinterlassen würde. Fünf Generationen später stehen heute dreißig ihrer Nachfahrinnen gemeinsam vor der Kamera – jede mit ihrer eigenen Geschichte und doch alle verbunden durch dieselbe Wurzel. Aus einer Frau wurde eine Gemeinschaft. Aus einem Leben entstand ein Vermächtnis. Genau davon erzählt diese Ausstellung.
 

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Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.