GROSSE BUCHSTABEN, GRELLE FARBEN. Schrift als Kunst - Kunst als Schrift
Der Ausstellungstitel GROSSE BUCHSTABEN, GRELLE FARBEN ist ein Zitat aus dem Song „Füchse" der Absoluten Beginner feat. Samy Deluxe (auf: Bambule, 1998).
Buchstaben, Worte, Sätze: In der zeitgenössischen Malerei tragen sie nicht nur wörtliche Bedeutung, sondern können zum eigenständigen Bildmotiv werden. Die Kunsthalle Emden widmet diesem Spannungsfeld eine neue Ausstellung: GROSSE BUCHSTABEN, GRELLE FARBEN (15. August 2026 – 28. Februar 2027) versammelt rund zwanzig Werke zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler und fragt, wie Schrift im Bild wirkt: Was fügt sie dem Werk hinzu, wie wird sie gestalterisch bearbeitet? Kann Schrift uns etwas mitteilen, das sich allein in Worten nicht fassen lässt?
Schrift im Bild ist spätestens seit der klassischen Moderne ein kunsthistorisches Thema. Die Dada-Bewegung setzte hierfür wegweisende Impulse; auch in späteren Strömungen wie dem Neoexpressionismus und den Neuen Wilden - beides Sammlungsschwerpunkte der Kunsthalle Emden – wird Schrift zum elementaren Bestandteil des Bildes. In den versammelten Werken begegnet sie uns in vielfältigen Formen: als Zitat, als ergänzendes Element oder als eigentliches Hauptmotiv. Stets steht die gestalterische Formgebung in produktiver Spannung zum wörtlichen, sprachlichen oder symbolischen Gehalt. Die Bearbeitung und Verfremdung der Schrift wird zur künstlerischen Entscheidung.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Arbeiten von Graffiti-Writerinnen und Writern, die die Künstlerin MadC als Co-Kuratorin ausgewählt hat. Diese Werke machen deutlich, dass die Schrift als gestalterisches und künstlerisches Mittel nicht nur in der modernen und zeitgenössischen Malerei, sondern ebenso im Graffiti ihre volle Wirkung entfaltet.
Seit den 1970er Jahren hat sich Graffiti, ausgehend von den Metropolen, zu einer weltweiten Subkultur entwickelt. Politische, gesellschaftliche, religiöse und soziologische Themen finden hier ebenso Ausdruck wie die künstlerische Gestaltung des eigenen Namens. Durch die kreative Überformung von Schrift entstehen Werke, die den urbanen Raum prägen. Kaum eine andere Kunstform hat das Erscheinungsbild moderner Städte so nachhaltig beeinflusst.
Lesbarkeit, Formgebung und die Spannung zwischen Zeichen und Bedeutung sind Fragen, die sich im Graffiti ebenso stellen wie in der zeitgenössischen Kunst. Mitunter folgen die gezeigten Werke einer Bildlogik, die dem Graffiti nahesteht, mitunter beziehen sie bewusst Gegenposition. Die Ausstellung eröffnet so einen vielschichtigen Dialog zwischen unterschiedlichen künstlerischen Ansätzen und Ausdrucksformen.
Veranstaltungsort
Hinter dem Rahmen 13
26721 Emden
Deutschland