Auf Europa-Reise in der Renaissance
Das Abschlusskonzert des Krummhörner Orgelfrühlings fand in der Kirche zu Eilsum statt und wurde von der Capella de la Torre gestaltet
Eilsum. Auf der Reise von Deutschland nach England, nach Spanien, nach Italien und wieder nach Deutschland folgten die Besucher der Capella de la Torre, die zum sechsten Mal im Rahmen des Krummhörner Orgelfrühlings in Ostfriesland gastierte. Und wie in jedem Jahr hatte das Ensemble ein sehr spezielles Angebot dabei, das zudem durch eine Sängerin und den Einsatz eines Lautenisten veredelt wurde. Das Publikum in der voll besetzten Eilsumer Kirche ließ sich bezaubern von Kompositionen des John Dowland, Johann Crüger oder Orazio Vecchi, Thomas Morley oder Michael Praetorius.
Das Ensemble mit Katharina Bäuml, Mike Turnbull, Margaret Hunter, Ilja Kulikov, Daniel Seminara, Falko Munkwitz und Annette Hils
Mit der Stimme der Sopranistin Margaret Hunter brachte das Ensemble eine weitere Dimension in das Konzert und vertiefte die Wirkung des Ausdrucks, den die sechs Instrumentalisten mit Posaune, Dulcian, Orgel, Laute, Percussion und Schalmei formten und damit die Welt der Renaissance-Musik nahe brachten. Dies geschah aber auf eine spezielle Weise – mit viel Schwung und einer ansteckenden Begeisterung. Dass Ilya Kulikov zweimal die große Orgel der Eilsumer Kirche spielte – und damit den Bezug zum Orgelfrühling stabilisierte, machte Freude. Denn erstaunlicherweise passte sich die moderne Schuke-Orgel im Gewand des historischen Gehäuses von Joachim Kayser mit der Musik von Scheidemann und Buxtehude durchaus in das Gesamtgebäude des Programms ein.
Sehr gut besucht war das Abschlusskonzert des Krummhörner Orgelfrühlings 2026
„Fröhlich in der Hoffnung“ hieß das Motto des diesjährigen Orgelfrühlings und so gestaltete sich auch dieser Spätnachmittag in Eilsum zu einem heiteren und beschwingten Abschluss, in dem das Ensemble seine Fähigkeiten, das historische Material zu würdigen, ohne es in Formalismen erstarren zu lassen, zeigte. Die stets gut gelaunte Katharina Bäuml leitete die Capella, führte aber auch durch das Programm, das – so ist es bei den Turmbläsern üblich -, in Sinneinheiten zu jeweils drei Beiträgen gegliedert war. Dabei spielte die Jahreszeit – der Mai - ebenso eine Rolle wie der Bezug zum Motto. Dies geschah sinnfällig in dem spanischen Beitrag „Ibant Apostoli gaudentes“ (Die Apostel gingen freudig ihres Weges).
Ilya Kulikov an der Schuke-Orgel der Kirche zu Eilsum
Natürlich waren auch in diesem Konzert zahlreiche Tänze vertreten, aber es dominierten die Lieder nach Texten von Paul Gerhard, die von Johann Crüger mit Melodien versehen worden waren. Die englischen Songs von Byrd und einem Traditionell nutzte die Capella, um zu zeigen, wie sie Melodien, die gewisse Ähnlichkeiten aufweisen, geschickt miteinander verschränkt.
Katharina Bäuml betonte in ihrer Moderation, dass die Capella ihre Musik nur fruchtbringend einsetzen könne, wenn das Umfeld stimme, wenn der Raum die gute Stimmung wiedergäbe. Dies wiederum sei abhängig vom Publikum. Und da passte dann wohl alles zusammen, denn Bäuml konstatierte: „Wir freuen uns!“ Und wie ein leises Echo hallte es von den Bänken wider: „Wir auch!“ Der Leiter des Orgelfrühlings, Siek Postma, resümierte: „Es braucht im Leben das Gute und Schöne. Ihr habt es in unsere Mitte getragen.“
⏵ Die Capella de la Torre spielte in der Besetzung: Margaret Hunter (Sopran), Falko Munkwitz (Posaune), Annette Hils (Bassdulzian und Flöte), Ilya Kulikov (Truhenorgel und Schuke-Orgel), Daniel Seminara (Laute), Mike Turnbull (Percussion) und Katharina Bäuml (Schalmei).
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events
In diesem Beitrag erwähnt
Krummhörner Orgelfrühling 2026
Orgelkonzert-Reihe in der Krummhörn.