Auf höchstem Niveau

Die Internationalen Sommerkonzerte Dornum“ sind am 24. Juli mit dem Konzert einer US-Amerikanerin eröffnet worden

Christa Rakich beim Registrieren
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Wolfgang Mauersberger

Christa Rakich beim Registrieren

Dornum. Mit einem ebenso unterhaltsamen wie virtuosen Konzert eröffnete die amerikanische Organistin Christa Rakich die diesjährige „Nachtorgel bei Kerzenschein“ an der Holy-Orgel von 1711. Das kleine, aber sehr feine Festival vereint in fünf Konzerten renommierte Musiker der internationalen Szene an einem Instrument, das Christa Rakich außerordentlich lobte. „Es ist ein großes Vergnügen, die Holy-Orgel zu spielen“, betonte die Organistin, Cembalistin, Professorin, Preisträgerin vieler Wettbewerbe und Festivalgründerin, die dank eines Germanistik-Studiums und eines Studienaufenthaltes in Wien perfekt Deutsch spricht, zu Konzertbeginn. 

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Christa Rakich an der Holy-Orgel in Dornum

Christa Rakich an der Holy-Orgel in Dornum

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Gelobt wurde ihr differenziertes Spiel, dass sich entgegen aktueller Moden des Schnellspielens bei Bachs „Chaconne in g“ und „Präludium und Fuge in C“ nicht scheute, die Interpretation geradezu genüsslich langsam zu gestalten – und damit enorme Wirkung zu erzeugen. Ihr Motto an diesem ersten Festival-Abend war „Nordeuropäische und transatlantische Klänge“. Und so wurden die Besucher mit zeitgenössischer nordamerikanischer Orgelmusik beglückt, die in ihrer sehnsuchtsvoll melodischen (James Biery, Jahrgang 1956, „Die Frau am Brunnen) und etwas pathetisch beschreibenden (Carson Coorman, Jahrgang 1982, „Sonnenuntergang“) Art viel Vergnügen bereitete, weil die Werke harmonisch ausgewogen und solide gesetzt sind. Dass zeitgenössische Musik sich so vorteilhaft auf einer Orgel spielen lässt, die 300 Jahre alt ist, macht tatsächlich Lust, mehr davon zu hören.

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Begehrt: Sitzplätze mit Blick auf die Orgel

Begehrt: Sitzplätze mit Blick auf die Orgel

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Christa Rakich (Jahrgang 1952) komponiert auch. In diesem Fall waren es elf Variationen über „Heinlein“, einen Komponisten des 17. Jahrhunderts – als Hommage dem Johann Sebastian Bach zugeeignet. Sie selber bezeichnet die unterschiedlich langen Stücke als „Gebrauchsmusik“, doch sind sie klanglich ausgefeilt und zeigen Rakich als aufmerksame Stylistin, die sehr genau weiß, wie man Wirkungen erzielt und Spannung hält.

Kein Wunder, dass sie an den „Heinlein“ nun zwei Werke des großen Meisters Bach anschloss, dessen musikalische Wirkmächtigkeit sie mit „unser Zuhause“ schlicht, aber treffend bezeichnete. Die „Chaconne in g“ schrieb man erst 2025 Bach zu. Entdeckt wurde das Werk, das anscheinend die Abschrift des Originals durch einen Anonymus ist, in der Belgischen Royal Library. Das überaus elegante, aber relativ kurze Werk wurde fortgeführt mit „Präludium und Fuge in C“ (BWV 545), einer Komposition, die besonders qualitätvoll genannt werden darf. Rakich spielte das Werk, das – fast – aus der Bauzeit der Orgel stammt, mit herzerfrischender Begeisterung, die sich dann auch im Publikum widerspiegelte.

Begonnen hatte sie ihr Konzert mit einer höchst lebhaften „Fantasia in C“ von William Byrd, die, wie Rakich vor Konzertbeginn erläuterte, ein „Gespräch“ zwischen zwei Orgeln abbilden könnte. Und in der Tat disputierten sonore Klangelemente mit solchen, die schärfer artikulierten, so dass sich ein eindrucksvolles Gegeneinander entwickelte, das ziemlich lautstark endete. Ihren Spaß hatte die Organistin mit Purcells „Volontary for Double Organ“, das stark mit Dissonanzen arbeitet und tatsächlich, was der bestens gelaunten Rakich ein strahlendes Lächeln abnötigte. Doch sie führte auch in Abgründe. Das zutiefst melancholische Lamento aus der Purcell-Oper „Dido und Aeneas“ gestaltete sich derart trostlos und erschütternd, dass es wirklich zu Herzen ging.

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Ein gestisches Dankeschön an das Instrument sendete Christa Rakich nach dem Konzert

Ein gestisches Dankeschön an das Instrument sendete Christa Rakich nach dem Konzert

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So bot Christa Rakisch ein klug zusammengestelltes Konzert, das viele emotionale Momente bot, mit bemerkenswerter Leichtigkeit präsentiert wurde, dabei aber spielerisch auf höchstem Niveau agierte.

▶     Mehr Informationen über Christa Rakich: Homepage ( auf Deutsch)

▶     Das nächste Nachtorgel-Konzert im Kerzenschein findet am Freitag, 31. Juli, um 21 Uhr in der Bartholomäus-Kirche in Dornum statt. Roland Börger aus Leipzig spielt das Programm „Chromatische Orgelmusik des 16. Und 17. Jahrhunderts“ mit Werken von Frescobaldi, Torellas, Erbach, Hassler, Steigleder, Schildt und Scheidemann. Eintritt: 14 Euro

Ina Wagner ( amuthon@gmx.de )

Veröffentlichungsdatum
Publiziert von

Wolfgang Mauersberger

(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events

In diesem Beitrag erwähnt

Gotteshaus

St.-Bartholomäus-Kirche Dornum

Adresse
Kirchstr. 19, Dornum
Im Mittelpunkt des Festivals: Die barocke Holy-Orgel in Dornum

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Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.