Ausgefeilte Fertigkeiten

Abschlusskonzert der „Nachtorgel“ in Dornum vereinte Holy-Orgel und Barockvioline

Bartholomäuskirche in Dornum

Beherbergt eine wunderbare Barock-Orgel: die Kirche St. Bartholomäus in Dornum

Dornum. Es ist eine wundersame Welt der Musik, die sich vor den Hörern in der von Kerzen erleuchteten St. Bartholomäuskirche zu Dornum ausbreitete. Sie führte ins 17. Jahrhundert nach Norddeutschland, und sie präsentierte Klänge, die durch den Einsatz der Barockvioline, die sich zu den Tönen der Holy-Orgel von 1711 gesellten, eine tiefere Dimension erhielten. Dabei war es bemerkenswert, wie deutlich sich die Geige gegenüber der machtvollen Orgel mit ihren 1770 Pfeifen behaupten konnte. Mechthild Karkow und Bernhard Klapprott boten nicht nur im Zusammenspiel ihrer Instrumente ein beglückendes Duo, sondern sie hatten auch ein Programm zusammengestellt, dessen virtuose Bewältigung Begeisterung erweckte.

Barocke Verzierungen, affektvolle Wendungen, emotionale Nähe, aber auch gedankenvolle Melancholie ergaben einen Eindruck der Barockzeit – angesiedelt zwischen tiefster Not und jubelnder Lebenslust -, der in den Noten der Zeit nachdrücklich gespiegelt wurde. Die beiden Musiker richteten den Blick aber auch auf die Wertschätzung, die den Komponisten einst entgegengebracht wurde – nicht nur von den damaligen Hörern, sondern auch von Kollege zu Kollege. Deutlich trat ein Netzwerk hervor, das seine sinnreichen Auswirkungen planvoll aufzeigte und die Komponisten und Musiker als namhafte Koryphäen ihrer Zeit auswies.

Dieterich Buxtehude erhielt Besuch von Johann Sebastian Bach – seiner Kompositionen wegen.  Bach war aber auch mit dem vielgereisten Paul von Westhoff bekannt, mit dem er zweitgleich am Hof von Sachsen-Weimar wirkte, weshalb die Musikgeschichte die Suiten für Violine ohne Bass von Westhoff als mögliche Vorläufer der gleichartigen Sonaten und Partiten Bachs einordnet. Johann Schop und Heinrich Scheidemann wurden als Team sogar literarisch besungen und hoch gepriesen.

Thomas Baltzar, ebenfalls aus Lübeck stammend, erregte in London Berühmtheit durch sein mehrstimmiges Spiel auf der Violine, das von den Engländern als klanglich ungewohnt „süß“ empfunden wurde, wie Mechthild Karkow in einer Vorrede zum Konzert erinnerte. Zu hören war auch eine Musik von Ulrich Johann Voigt, eine 18-minütige Sonata in B. Sie ist das einzige Werk, das sich von diesem Komponisten erhalten hat und verdeutlicht den hohen Stand der künstlerischen Ausprägung. Wer hätte angesichts dieser abwechslungsreichen und intensiven Musik nicht gerne gewusst, was der Herr Voigt sonst noch zustande gebracht hat?

Der Höhepunkt des Abends aber war eine Sonate von Philipp Heinrich Erlebach, einem gebürtigen Ostfriesen, der am Hofe von Rudolstadt in Thüringen wirkte. Eigentlich als Triosonate geschrieben, spielte Klapprott auf der Holy-Orgel von 1711 mit der linken Hand die Bassstimme, mit der rechten die zweite Violinstimme. Dass das Zuhören ein Vergnügen war, muss angesichts der hohen Fähigkeiten der beiden Instrumentalisten nicht erst gesagt werden.

Sehr wohl aber muss darauf verwiesen werden, dass das wunderschöne Konzert stimmig bis in die Zugabe – eine Sarabande mit Variationen von Erlebach – gestaltet war. Und so konnten beide Protagonisten aufgrund ihrer großen Erfahrung, ihres feinen künstlerischen Verständnisses und der ausgefeilten Fertigkeiten in der Ausführung der technisch anspruchsvollen Kompositionen aus dem reichen Fundus der barocken Musik ganz frei aufspielen. Der mächtige Schlussapplaus bedeutete dann den logischen Abschluss eines glanzvollen Abends. 
 

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Gotteshaus

St.-Bartholomäus-Kirche Dornum

Adresse
Kirchstr. 19, Dornum
Die Holy-Orgel verfügt über 1770 Pfeifen

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