Per Buch unterwegs in andere Welten

Am 8. August findet wieder die Lange Nacht der Museen statt. In der Johannes a Lasco Bibliothek dreht sich dabei alles um Aspekte des Reisens, natürlich auf kurzweilige und unterhaltsame Weise

Organisiert die Lange Nacht in der Bibliothek: Dr. Michael Weichenhan
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Wolfgang Mauersberger

Organisiert die Lange Nacht in der Bibliothek: Dr. Michael Weichenhan

Emden. „Die Welt erlesen“ ist das Motto der Museumsnacht in der Johannes a Lasco Bibliothek, und dabei geht es um die Entdeckung der Welt durch Bücher. Zwar sei es womöglich wichtiger, sich selbst in die Welt hinauszubegeben, betont der Initiator, der Wissenschaftshistoriker Dr. Michael Weichenhan. Allerdings könne man auch Bibliotheken als einen Hafen oder gar Flughafen verstehen. „Man nimmt ein Buch zur Hand, und schon nach den ersten Seiten ist man woanders, nämlich in der Welt, von der das Buch erzählt.“

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„Die Welt erlesen" ist das Motto der diesjährigen Langen Museumsnacht in der Johannes a Lasco Bibliothek. Die Darstellung verbindet Ludolf Backhuysens Stadtansicht von Emden (1698) und eine Seekarte von 1680.

„Die Welt erlesen" ist das Motto der diesjährigen Langen Museumsnacht in der Johannes a Lasco Bibliothek. Die Darstellung verbindet Ludolf Backhuysens Stadtansicht von Emden (1698) und eine Seekarte von 1680.

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In der Museumsnacht steht von all den Büchern, die literarisch über das Reisen berichten, ein ganz besonderes Werk im Mittelpunkt, von dem Michael Weichenhan sagt, es zähle zu seinen erklärten Lieblingsbüchern: die Odyssee, in der eine abenteuerliche Irrfahrt beschrieben wird, verfasst wahrscheinlich vor gut 2700 Jahren. Bis heute werden Fahrten ins Ungewisse, die mit mancherlei Gefahren und Zwischenfällen verbunden sind, als „Odyssee“ bezeichnet, auch wenn eine Stadt durchstreift wird wie in „Ulysses“ von James Joyce oder der Weltraum wie in Arthur Clarkes „Odyssee im Weltraum“. Das Motiv des Unterwegsseins sieht Weichenhan als „ganz starkes Moment“ an, ebenso wie das Sichbewähren in der Fremde und die glückliche Heimkehr. 

Odysseus sei eine solch starke Figur, ebenso wie Sindbad der Seefahrer, der immer wieder alles und fast auch sein Leben verliere, um am Ende glücklich am Ziel zu sein. „Aber es gibt seit dem Mittelalter auch die Vorstellung, dass Odysseus gar nicht nach Hause, nicht ankommen will, sondern als der ewig Unruhige gilt. Dann bleibt die Geschichte offen – wie eben bei James Joyce.“

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Im Magazin der Johannes a Lasco Bibliothek findet sich reichlich Literatur über das Reisen

Im Magazin der Johannes a Lasco Bibliothek findet sich reichlich Literatur über das Reisen

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Forschungsreisen – auch hier bietet die Bibliothek eine ganze Palette von Berichten – seien anders motiviert. Denn obwohl Abenteuerlust auch eine Rolle spiele, dominiere hier die Neugier aufs Unbekannte. Weichenhan: „So sind Menschen aus Europa weit nach Asien aufgebrochen, haben den Orient durchstreift, nach den Nilquellen gesucht. Daraus sind ungeheuer faszinierende Bücher entstanden.“ Für ihn seien diese Bücher noch heute lesenswert, weil man die Fremde dort noch spüren könne. Anders als bei den heutigen touristisch aufgebauten Touren, sei das Reisen vor 150 Jahren ein echtes Abenteuer gewesen, das durchaus auch tödlich enden konnte. „Ältere Reiseberichte sind deshalb Zeitreisen in verlorene Welten.“     

Eine dritte Gattung sind utopische Reisen – etwa mit Zeitmaschinen. Neben den Klassikern des Genres von Jules Verne, H. G. Wells, George Orwell oder Stanisław Lem steht der Name Alfred Döblin im Raum. Dessen wenig bekannter Roman „Berge Meere und Giganten“ sei ein, so befindet Weichenhan, „ganz großartiges, allerdings auch beängstigendes Buch“. Auch dieser Roman wird in der Museumsnacht eine Rolle spielen. Um 21 findet ein von Ina Wagner moderiertes Podiumsgespräch mit Harald Groenewold und Weichenhan zur Frage statt, warum Menschen überhaupt Sehnsucht nach der Fremde empfinden. Um Mitternacht endet das Programm mit einer Lesung „Reise in die Nacht“.

      Die Museumsnacht beginnt in der Bibliothek um 18 Uhr. Jeweils zur vollen Stunde wird in jeweils 15 Minuten ein thematischer Block vorgestellt. In der Zeit bis zum nächsten Kurzvortrag besteht die Möglichkeit, die aktuelle Ausstellung der Bibliothek „500 Jahre Oldersumer Religionsgespräch“ zu besuchen, sich von der Buchbinderin und -restauratorin Diana Smidt in die Kunst des Herstellens und Erhaltens von Büchern einführen lassen, die in den Vitrinen ausgestellten Bücher zu besehen - oder auch bei einem Glas Wein mit anderen Besuchern ins Gespräch zu kommen. 

      Das Programm:

18 Uhr   Einführung Michael Weichenhan (JALB) und Harald Groenewold (Vorsitzender der Freunde der JALB)
19 Uhr   Reisen als Abenteuer: Das Urbild Odysseus
20 Uhr   Reisen nach Karten: Atlanten in der JALB
21 Uhr   Gespräch „Die ewige Sehnsucht nach der Fremde“
22 Uhr   Reisen zur Forschung: Charles Darwin & Co.
23 Uhr   Reisen in der Zeit: Utopien und Sciencefiction
24 Uhr   Eine Reise in die Nacht

Veröffentlichungsdatum

In diesem Beitrag erwähnt

Bildungsort

Johannes a Lasco Bibliothek Emden

Adresse
Kirchstr. 22, Emden
Hauptbild der Veranstaltung Kultursommer: Museumsnacht

Kultursommer: Museumsnacht

Samstag, 08. August 2026 ab 18 Uhr in verschiedenen Museen

Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.