Der erste Film, der vor 95 Jahren im Emder Apollo-Kino lief
Ostfriesisches Landesmuseum Emden und der vhs-Filmclub zeigen „Ihre Majestät, die Liebe“ in einem Filmclub spezial
Emden / Die vhs Emden und das Ostfriesische Landesmuseum Emden (OLmE) präsentieren gemeinsam ein ganz besonderes Kino-Ereignis. Gezeigt wird der erste Film, der 1931 im Emder Apollo-Kino lief. Es handelt sich um die Komödie „Ihre Majestät, die Liebe“ von Joe May. Das teilt die Pressestelle des Ostfriesischen Landesmuseums mit.
Das historische Filmplakat von 1931
Zu sehen ist die Produktion am Dienstag, 22. September, um 17 Uhr im vhs Forum. Die Vorführung ist Teil des Begleitprogramms zur Sonderausstellung „Zickzack – Emder Backsteinexpressionismus vor 100 Jahren“ und der Auftakt zu einer insgesamt vierteiligen Filmreihe.
Eine Motorenfabrik, ein kauziger Baron, eine (zunächst) unerfüllte Liebe, ein Frauenheld, eingängige Musik und ein Brautraub vor dem Altar: Das sind ganz grob die Zutaten für diese turbulente Liebeskomödie, in der es ein Wiedersehen mit bekannten Darstellerinnen und Darstellern des frühen Tonfilms gibt (u.a. Adele Sandrock, Paul Henckels, Käthe von Nagy, Kurt Gerron und Otto Wallburg).
„[…] das amüsanteste, kultivierteste und gekonnteste deutsche Filmlustspiel, das uns bislang der Tonfilm bescherte“, lautete vor 95 Jahren eine der enthusiastischen Kritiken. Der Film-Kurier befand, dass mit „Ihre Majestät, die Liebe“ gar ein „Standardwerk aus der Taufe gehoben“ wurde. Anlässlich einer Retrospektive schrieb epd Film Jahrzehnte nach der Uraufführung: „Ein sehr, sehr lustiger Film ist das, sehr beschwingt, mit eingängigen Schlagersongs, deren frech-fröhlichen Texte die Handlung geschickt kommentieren.“
Das Apollo-Kino, dessen Kinobetrieb 2009 nach 78 Jahren eingestellt wurde, gehöre zu den markantesten Emder Gebäuden im Stil des Backsteinexpressionismu, heißt es in der Pressemitteilung. Das einstige Lichtspielhaus sei somit auch ein wichtiges Kapitel der Emder Stadtgeschichte. Die Wiederaufführung von „Ihre Majestät, die Liebe“ im Jahr 2026 stehe darüber hinaus für ein Stück Erinnerungskultur. So wirken dort die jüdischen Schauspieler Kurt Gerron („Der blaue Engel“, „Die drei von der Tankstelle“) und Franz Lederer („Die Büchse der Pandora“) sowie der jüdische Schlagersänger Leo Monosson („Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“) mit. Lederer und Monosson emigrierten in die USA und überlebten so den Holocaust. Kurt Gerron wurde im Oktober 1944 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Kurz zuvor hatte er auf Druck der SS den Pseudo-Dokumentarfilm über Theresienstadt - „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ - gedreht.
▶ „Ihre Majestät, die Liebe“, 22. September um 17 Uhr im vhs-Forum. Eintritt: 4 Euro (mit Filmclubausweis 2 Euro). Karten nur an der Abendkasse.
▶ Weitere Filme aus der Zeit des Expressionismus zum Vormerken: Am 29. Oktober um 17 Uhr läuft mit „Nosferatu – eine Symphonie des Grauens“ (1922) ein weiteres vhs-Filmclub Spezial im vhs Forum. Am 13. Dezember um 14 Uhr zeigt das OLmE im Foyer des Museums „Emil und die Detektive“ nach Erich Kästner (1931). Im Rahmen eines Filmnachmittags mit Tee, Kaffee und Gebäck aus dem Café Nebenan wird am 24. Januar 2027 um 14 Uhr im Rummel „Metropolis“ (1927) von Fritz Lang zu sehen sein.