Die Kunsthalle wird „rebellisch“
Die vierte Ausstellung im Jahr des 40-jährigen Bestehens führt in die 70er und 80er Jahre und wirft einen Blick auf den Feminismus in der Kunst
Emden. 17 Künstlerinnen zeigen in vier Räumen der Kunsthalle weibliche Positionen, die aus einer Zeit stammen, als Frauen sich selbstbewusst gegen die männliche Vorherrschaft in der Kunst stellten und eigene Netzwerke gründeten. „Rebellinnen“ ist eine Ausstellung, die in das große Jahresthema der Kunsthalle „Bilder, die wir lieben“ integriert ist. Jetzt wurde die Schau im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.
Silke Oldenburg, Künstlerin Johanna Kandl, Ina Grätz und Bettina Semmer vor der Arbeit von Bettina Semmer „Vier Frauen“.
Den Hintergrund dieser Ausstellungserweiterung erläuterten die Kunsthallen-Direktorinnen Ina Grätz und Silke Oldenburg. Sie hätten nämlich festgestellt, dass sich innerhalb der Sammlung des eigenen Hauses kaum Werke von Künstlerinnen befanden. Ina Grätz: „Weibliche Kunst spiegelt sich in der Sammlung nicht wider.“ Und Silke Oldenburg hat errechnet, dass „nur sieben Prozent des Gesamtbestandes der Kunsthalle weiblich ist.“ Angesichts dessen sei es nötig, eine neue Perspektive einzunehmen.
Bereits im Januar habe man die Künstlerin Bettina Semmer beauftragt, eine Schau in der Schau zu kuratieren. Semmer hatte an der Ostfriesland-Biennale 2025 teilgenommen. So war man ins Gespräch gekommen. Und Bettina Semmer ließ ihre Kontakte spielen – mit dem Erfolg, dass 14 ihrer Künstlerkolleginnen Arbeiten aus den 70er und 80er Jahren heraussuchten und sie nach Emden gaben. Drei Künstlerinnen der Zeit waren bereits in der Sammlung der Kunsthalle vertreten: Miriam Cahn, Elvira Bach und Ina Barfuss. Hinzu kamen Leihgaben von Monika Funke Stern, Sabine Herrmann, Johanna Kandl, Jutta Koether, Käthe Kruse, Verena Kyselka, Michaela Melián, Christa Näher, Hilka Nordhausen, Gabriele Stötzer, Rosemarie Trockel, Anna Vonnemann, den WeibsBildern und Bettina Semmer.
Das Magazin „Stern“ diente hier als „Leinwand“ für farbige Abstraktionen
Da sind zum Beispiel Arbeiten von Johanna Kandl. Ihr Professor habe an der Hochschule gegen figuratives Malen gewettert. Für ihn galt nur die Abstraktion als angemessene Form des Ausdrucks. „Da haben wir Studenten natürlich erst recht figurativ gemalt!“ Und das sehr bunt. Die Österreicherin Kandl stellt in der Kunsthalle zwei großformatige Arbeiten vor, die dem mythologischen und christlichem Bereich zugehören. Das eine Gemälde stellt Franz von Assisi in einer Gloriole in den Mittelpunkt, das andere einen minoischen Stier. Vorurteile gegen Frauen als Künstlerinnen habe sie erst kennengelernt, als sie sich in Deutschland aufhielt, wo die männlichen Maler lautstark deutlich machten, dass Frauen nicht malen können.
Obwohl die meisten Künstlerinnen Malerinnen sind, gibt es auch andere Positionen. Rosemarie Trockel zeigt zum Beispiel Bilder aus Strick, Käthe Kruse gefärbte, beschriftete Kissen. Kalenderblätter von 1979 sind bei den „Rebellinnen“ ebenso zu finden wie - sehr seltene - übermalte Ausgaben der Magazins „Stern“. Und obwohl die Ausstellung im 30. Todesjahr von Kunsthallen-Gründer Henri Nannen stattfinden, sei das keineswegs eine Anspielung, sondern das Magazin müsse als ein allgemein zugängliches Material zum Malen gewertet werden.
Die Kunsthalle agiere im Geburtstagsjahr sehr erfolgreich, erklärte Sprecherin Ilka Erdwiens. Die Ausstellungen, die Ina Grätz und Silke Oldenburg, die erst seit einem Jahr an der Kunsthalle tätig sind, verantworten, würden am Jubiläumswochenende den 50 000. Besucher ins Haus bringen. Damit sei abzusehen, dass die Kunsthalle die Corona-Jahre überwunden habe. Denn schon im letzten Jahr besuchten mehr als 56 000 Kunstinteressierte das Haus. Diese Zahl werde 2026 wohl noch überboten.
▶ Die Kunsthalle zeigt derzeit die Ausstellungen „Bilder, die wir lieben“, „Rebellinnen“ und „Große Buchstaben, grelle Farben“. „Rebellinnen“ ist bis zum 27. Februar 2027 zu sehen.
▶ Am 3. Oktober wird von 11 bis 17 Uhr das Malschulfest gefeiert, die Kunsthalle bietet einen Tag der offenen Tür, um 17 Uhr trifft man sich zur offiziellen Eröffnung von „Rebellinnen“ im Forum der Volkshochschule.
▶ Am 4. Oktober bietet Bettina Semmer um 11.30 Uhr eine Kuratorinnen-Führung an.
▶ Und am 6. Oktober gibt es im Rahmen des „Langen Kunstabends“ um 19 Uhr einen Talk mit der Kulturwissenschaftlerin Evke Rulffes.
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events
In diesem Beitrag erwähnt
Ausstellungseröffnung "REBELLINNEN" Kunsthalle Emden
Im Jubiläumsjahr zeigt die Kunsthalle Emden ab dem 3. Oktober 2026 die Ausstellung REBELLINNEN 3. Oktober 2026 – 28. Februar 2027 mit Werken ausschließlich von Künstlerinnen, die die Kunstszene der 1980er Jahre prägten. Zum 40. Geburtstag der Kunsthalle…