Ebenso mutig wie überzeugend

Plattdeutsch trifft Bigband-Sound: Weltpremiere bei Gezeitenkonzerten begeisterte 400 Besucher

Außergewöhnliches Crossover: Sabine Santjer, die Nordwest Bigband mit Dirigent Malte Schiller
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Karlheinz Krämer

Außergewöhnliches Crossover: Sabine Santjer, die Nordwest Bigband mit Dirigent Malte Schiller

Emden. Mit minutenlangem Applaus feierten rund 400 Besucher am Sonntagabend im Emder Festspielhaus am Wall eine außergewöhnliche Weltpremiere der Gezeitenkonzerte. Unter dem Titel „Techtelmechtel“ begegneten sich die ostfriesische Singer-Songwriterin Sabine Santjer und die Nordwest Bigband erstmals auf einer Bühne – eine künstlerische Begegnung, die sich als ebenso mutig wie überzeugend erwies. Santjers plattdeutsche Songs erhielten durch die eigens von Malte Schiller geschaffenen Bigband-Arrangements eine neue klangliche Dimension, ohne dabei ihre poetische Intimität einzubüßen.

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Ein Sextett mit Emder Beteiligung als Vorgruppe

Ein Sextett mit Emder Beteiligung als Vorgruppe

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Bereits der Auftakt des Konzertabends machte deutlich, dass es um den musikalischen Nachwuchs in der Region bestens bestellt ist: Eine sechsköpfige Formation des Jazzlabors Oldenburg überzeugte als Support mit bemerkenswerter Spielfreude, stilistischer Sicherheit und beeindruckender Reife. Tom Trinkner (Klavier, Johannes-Althusius-Gymnasium Emden), Till Murra (Saxophon, Johannes-Althusius-Gymnasium Emden), Jannis Schapers (Saxophon), Paul Rücker (Bass) sowie Johann Rhode (Schlagzeug) präsentierten sich unter der Leitung von Sebastian Hinrichs (Posaune) als hervorragend eingespieltes Ensemble und wurden vom Publikum mit herzlichem Beifall bedacht.

Anschließend gehörte die Bühne Sabine Santjer und der Nordwest Bigband. Was auf dem Papier wie eine ungewöhnliche Kombination wirkte, entfaltete sich live als faszinierende Symbiose. Santjers warme, authentische Stimme blieb stets Mittelpunkt des Geschehens, während die Bigband ihren Songs ein farbenreiches orchestrales Fundament verlieh. Malte Schillers Arrangements verstanden es meisterhaft, den Charakter der plattdeutschen Lieder zu bewahren und gleichzeitig deren Ausdruckskraft durch satte Bläsersätze, raffinierte Harmonien und mitreißende Grooves erheblich zu erweitern.

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 Erstmals gemeinsam im Konzert: Sabine Santjer und die Nordwest Bigband

Erstmals gemeinsam im Konzert: Sabine Santjer und die Nordwest Bigband

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Gerade dieser respektvolle Umgang mit dem Originalmaterial machte den Reiz des Abends aus. Stücke wie das eröffnende „Danz“, das atmosphärische „Dat Lücht“, das poetische „De Tied“ oder das eindringliche „Dat eensame Huus“ (vom Emder Musiker Wolfgang Meyering zum 500-jährigen Stadtjubiläum geschrieben) entfalteten in den farbenreichen Arrangements von Malte Schiller eine ganz neue klangliche Weite. Andere Titel wie „Flinnerkes“, „Waarden de Wind die weiht“ und das temperamentvolle „Frees un Frei“ zeigten eindrucksvoll, wie organisch sich Santjers plattdeutsche Liedkunst mit der Ausdruckskraft einer modernen Bigband verbinden lässt.

Mal lyrisch und zurückgenommen, mal rhythmisch pulsierend und voller orchestraler Energie, entstand ein Spannungsbogen, der das Publikum vom ersten bis zum letzten Ton fesselte. Auch die Nordwest Bigband präsentierte sich in Bestform. Präzise Bläsersätze, ein hervorragend abgestimmter Rhythmus-Apparat und zahlreiche solistische Glanzlichter sorgten für einen transparenten, zugleich energiegeladenen Klang. Dabei blieb die Bigband stets musikalischer Partner und nie bloße Begleitung – ein fein austariertes Miteinander, das den besonderen Charakter dieses Projekts ausmachte.

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Begrüßung zu zweit: Raoul-Philip Schmidt, organisatorischer Festivalleiter, und Grietje Kammler, Leiterin des Plattdüütskbüros der Ostfriesischen Landschaft, eröffneten das Konzert gemeinsam

Begrüßung zu zweit: Raoul-Philip Schmidt, organisatorischer Festivalleiter, und Grietje Kammler, Leiterin des Plattdüütskbüros der Ostfriesischen Landschaft, eröffneten das Konzert gemeinsam

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Für den Applaus bedankten sich Sabine Santjer und die Bigband mit einer plattdeutschen Version von Gregory Porters „Wind Song“. Mit dieser umjubelten Weltpremiere gelang den Gezeitenkonzerten weit mehr als ein außergewöhnliches Crossover-Projekt. „Techtelmechtel“ zeigte eindrucksvoll, dass die plattdeutsche Sprache und zeitgenössischer Bigband-Jazz keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig bereichern können. Ein Konzert, das musikalische Grenzen überwand und dem Festivalmotto „Begegnungen!“ in besonderer Weise gerecht wurde.

Veröffentlichungsdatum

In diesem Beitrag erwähnt

Gezeitenkonzerte 2026

Gezeitenkonzerte 2026

"Begegnungen"

Multifunktionaler Ort

Festspielhaus am Wall

Adresse
Theaterstraße 5, Emden

Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.