Ein Lebensbuch, das fasziniert
Dr. Michael Weichenhan ist als Wissenschaftler ein kontinuierlicher Leser. Am 20. Mai stellt er in der Naturforschenden Gesellschaft in Emden sein „Lebensbuch“ vor
Emden. Als er das Buch als 15-Jähriger lesen wollte, sagte man ihm, dass das zu schwer sei. Dennoch las sich Dr. Michael Weichenhan durch hunderte Seiten – und las sie noch mal und nochmal und nochmal. „Ich bekam dabei eine Ahnung, was große Literatur sein kann“, resümiert Weichenhan seine Erfahrung mit dem viele Seiten umfassenden Werk. Für die Vorbereitung seines Vortrags habe er es in den letzten Wochen dann nochmals an die zwanzigmal gelesen. Diese Male aber nicht vordringlich als Leser, sondern als durchaus skeptischer Betrachter und Interpret des Inhaltes.
Thomas Manns „Doktor Faustus. Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde“ ist die Lektüre, die Weichenhan, Theologe und Wissenschaftshistoriker, von Jugend an fasziniert, ja gebannt hat. Man könne, so sagt Weichenhan selber, den Dr. Faustus als spannenden Roman lesen, als „hinreißenden Musikerroman“, als „großartige Wiederaufnahme und Fortschreibung“ des Faust-Stoffes. Außerdem erzählt der im Exil entstandene und 1947 erschienene Roman die Geschichte des in die Barbarei fallenden Deutschland. Einen Pakt mit dem „Teufel“ schließt nicht nur der Komponist Leverkühn, sondern auch das deutsche Volk.
In aller Kürze zusammengefasst geht es um den Musiker Adrian Leverkühn, dessen Leben von dem Altphilologen Serenus Zeitblom aufgeschrieben wird. Der hochintelligente Leverkühn steigert mit dämonischen Mitteln seine Kreativität. Infiziert mit der Syphilis hat er eine wahnhafte Erscheinung und verschreibt sich dem Verführer, der ihm in 24 Jahren Lebenszeit eine ungeheure Steigerung seiner Schaffenskraft verspricht, wenn dieser dafür auf Wärme und menschliche Zuneigung verzichte. Dabei spielt im Verlauf des Romans Musik, speziell die Zwölftonmusik, eine zentrale Rolle – als ein Paradigma für die Kunst.
⏵ Michael Weichenhan spricht am 20. Mai um 19 Uhr im Vortragsraum der Naturforschenden Gesellschaft, Grasstraße 1. Der Eintritt ist frei.
Wolfgang Mauersberger
(Presse-)Fotografie für Landschaft, Kultur und Events