Es sind immer Geschichten!

Mein Besuch bei Rudi Opper

Mehrere Bilder im einem Atelier
Lizensiert gemäß Alle Rechte vorbehalten von Sarah Byl

Für eine Kunsthistorikerin wie mich, die sich der Region Ostfrieslands verschrieben hat, ist es von sehr großer Bedeutung, die aktiven Gestalter:innen der regionalen Kunst- und Kulturszene persönlich und am besten noch am Ort des Geschehens, dem Atelier, kennenzulernen. Aus diesem Grund machte ich mich auf den Weg in die Krummhörn, um den Künstler Rudi Opper zu besuchen:

Gegen Ende der 1960er Jahre begann Opper sein Studium der Fotografie an der Werkkunstschule Darmstadt. Nach einiger Zeit wechselte er an die Freie Akademie in Mannheim, wo er bei Hans Nagel (Freie Farb- und Formgestaltung) und Paul Berger-Bergner (Malerei/Grafik) lernte. Parallel zum Studium initiierte er gemeinsam mit einem Kommilitonen in einem recht waghalsigen, aber nicht minder erfolgreichen Unterfangen das Projekt Turmgalerie im Wasserturm Groß-Gerau.

Nach dem Ende des Studiums zog es ihn für zwei Jahre nach Australien. Hierzu sollte erwähnt sein, dass Opper das Ende seines Studiums selbst bestimmte, ganz aus der Überzeugung heraus, dass die Fähigkeit zur Kunst entweder gegeben ist oder nicht, und dass ein Diplom in diesem Fall keinen Einfluss auf die künstlerische Begabung hat. 

In Australien entwickelte sich bei Opper eine ausgeprägte Faszination für die Kultur der Aborigines. Im Rahmen seiner späteren Reisen nach Afrika (u. a. Namibia) waren es die Buschmänner, die sein Interesse weckten, da er die zahlreichen Parallelen zwischen diesen ursprünglichen, sehr alten Kulturen erkannte: Ein Leben im Einklang mit der Natur, mit der gesamten Umwelt und vor allem den Tieren. 

Oppers Interesse an der Kultur der Aborigines zieht sich bis heute durch sein Leben und ist mittlerweile tief in seiner Persönlichkeit verankert. Er erklärt selbst, dass er sich als Aborigine fühle und dies seine Religion, seine Überzeugung sei. Daher wundert es nicht, dass sich die Tradition des Geschichtenerzählens, der mündlichen Überlieferung wie in der Kultur der Aborigines, bei ihm in der Leidenschaft für Geschichten wiederfindet. Fasziniert ist er besonders von den verlorenen Weisheiten der alten Kulturen und den Fragen danach, wie ihre Überlebensstrategien an so lebensfeindlichen Orten aussehen und welche Geschichten, oder Mythen, sie zu erzählen haben. 

Ein hohes Maß an Achtsamkeit und aufmerksames Beobachten der eigenen Umgebung, offenbaren in der zwischenmenschlichen Beziehung die leisen Töne, die es zu verstehen gilt, wenn man tiefer schauen möchte. 

„Ich fange mit den Augen an“ – Ein Blick in die Seele, feinfühlig und mit Gespür für die Tiefen der Persönlichkeit, lassen Opper Geschichten erkennen, die wiederum in seinem Kopf mit Bildern verknüpft werden, die untrennbar miteinander verbunden sind. 

Diese Kombination aus seinem Interesse an den alten Kulturen und ihren Geschichten und der Fähigkeit den Bildern in seinem Kopf in der Realität Gestalt zu verleihen, bildet die Grundlage für Oppers schriftstellerische Schaffen. Wie der Titel erahnen lässt, ist dies auch Thema seines neusten Buches „Geschichten Länder Mythen“, das Ende des Jahres erscheint.

Er malt Bilder für seine Geschichten oder erfindet Geschichten zu Bildern, die es schon länger gibt. In dem Fall haben die Bilder vor der Geschichte ihren Weg in die Außenwelt gefunden. 

In seiner „realistischen“, gegenständlichen Darstellungsweise ist der künstlerische Ursprung der Fotografie nach wie vor zu erkennen. Hauptsächlich Menschen und Tiere sind Oppers malerische Motive. Meist werden wir als Betrachtende konzentriert angesehen, die Augen und die Mimik der Protagonisten wirken herausfordernd, als liege in ihrem Blick die stumme Frage, ob wir erkennen können, was sie uns zu erzählen haben. 

In ihrer Farbigkeit wirken Oppers Werke sehr pastellig, teils durchscheinend, wie mit Kreide gezeichnet. Wobei es sich hierbei um eine ausgereifte Technik des Überlagerns sehr dünner Farbschichten aus Acryl handelt, die ergänzt wird mit Kreide o.a. Materialien. 

Opper hält seine Figuren durch seine spezielle Technik in der Schwebe, uns wird klar gemacht, dass nicht die Abbildung einer realen Figur im Fokus steht, sondern die Verbindung der Figur, mit der dahinterliegenden Erzählung. 

Der Künstler Rudi Opper zeigte sich mir als ein umtriebiger, tatkräftiger, sehr erfinderischer und vor Geschichten und Anekdoten sprudelnder Mensch, für den es immer um Geschichten geht, gespeist aus dem Erleben und der Fiktion. 

© Sarah Byl

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In diesem Beitrag erwähnt

Rudi-Philipp Opper

Maler & Schriftsteller

Sarah Byl

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Das Vorhaben „KultinO“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumforschung gefördert.