Flutlichter lassen junge Kreativität strahlen
Das 27. Konzert im Rahmen des Gezeiten-Festivals: das Abschlusskonzert eines außergewöhnlichen Musikvermittlungsprojekts
Aurich. Mehr als 400 Besucher erlebten in der Auricher Stadthalle ein Konzert, das weit mehr war als eine klassische Aufführung. Mit dem Abschlusskonzert des Musikvermittlungsprojekts „Flutlichter – Gipfelstürmer@School“ präsentierten die Gezeitenkonzerte gemeinsam mit Rhapsody in School / TONALi das Ergebnis einer künstlerischen Zusammenarbeit zwischen professionellen Musikern sowie Schülern aus ganz Ostfriesland.
Schüler in Bewegung - beim Musikvermittlungsprogramm
Beteiligt waren rund 100 Schülerinnen und Schüler aus Aurich, Emden, Leer und Wittmund: die Klasse 6bw des Gymnasiums Ulricianum Aurich, die Klasse 6d des Max-Windmüller-Gymnasiums Emden, die Klasse 5c des Ubbo-Emmius-Gymnasiums Leer sowie die 5. Musikklasse der Alexander-von-Humboldt-Schule Wittmund. In insgesamt drei Schulworkshops hatten die jungen Teilnehmer zwischen Februar und Juni gemeinsam mit dem Pianisten Benyamin Nuss, der Sängerin Ella Burkhardt, dem Mundharmonikavirtuosen Konstantin Reinfeld und dem Theaterpädagogen Alexander Hauer Ideen entwickelt, Bewegungen erarbeitet, Szenen gestaltet und musikalische Erfahrungen gesammelt. Aus diesen Bausteinen entstand ein ebenso berührendes wie professionell wirkendes Bühnenereignis.
Unter der Regie von Alexander Hauer und der musikalischen Leitung von Benyamin Nuss verwandelte sich die Stadthalle in eine poetische Reise durch Ostfriesland. Im Mittelpunkt stand die Geschichte des jungen Arthur, der sich auf die Suche nach den geheimnisvollen „Flutlichtern“ begibt und dabei verschiedene Welten durchquert. Die einzelnen Stationen wurden von den beteiligten Schulklassen gestaltet und erhielten jeweils einen ganz eigenen Charakter: die Leichtigkeit Leers, die Lockerheit Wittmunds, den Mut Emdens und die Gemeinschaft Aurichs.
Die Band: Konstantin Reinfeld (Mundharmonika), Benyamin Nuss (Klavier), Giorgi Kignaze (Kontrabass) und Rafael Müller (Schlagzeug)
Bemerkenswert war dabei, wie selbstverständlich sich die Beiträge der Schülerinnen und Schüler in den künstlerischen Gesamtbogen einfügten. Hauer gelang es, die jungen Mitwirkenden nicht als dekorative Statisten einzusetzen, sondern als tragende Akteure einer durchdachten Inszenierung. Bewegungsbilder, choreografische Elemente, gesprochene Texte und musikalische Aktionen verschmolzen zu einem Gesamtkunstwerk, das Authentizität und künstlerischen Anspruch überzeugend miteinander verband.
Musikalisch bildete Benyamin Nuss mit seiner herausragend besetzten Band das Zentrum des Abends. Mit großer Ausdruckskraft führte er durch unterschiedlichste Klangwelten und bewies einmal mehr seine Fähigkeit, musikalische Exzellenz mit unmittelbarer Zugänglichkeit zu verbinden. Die Zusammenarbeit mit Ella Burkhardt (Gesang), Konstantin Reinfeld (Mundharmonika), Giorgi Kignaze (Kontrabass) und Rafael Müller (Schlagzeug) sorgte für zahlreiche Höhepunkte. Besonders eindrucksvoll gelang die Verbindung von professioneller Bühnenkunst und jugendlicher Kreativität dort, wo die Musiker die Impulse der Schüler aufgriffen, weiterentwickelten und in den musikalischen Verlauf integrierten.
100 Schülerinnen und Schüler mit Band und Sängerin Ella Burghardt samt Flutlichter-Bühnenbild und Publikum
Der dramaturgische Aufbau erwies sich als ebenso schlüssig wie wirkungsvoll. Ausgehend von stillen, konzentrierten Momenten entwickelte sich das Geschehen zunehmend zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis. Im großen Finale wurden schließlich alle Schülerinnen und Schüler Teil des Geschehens. Ein mitreißender Blues-Groove, Call-and-Response-Passagen zwischen Ella Burkhardt und allen Schülerinnen und Schülern ließen jene Gemeinschaft erfahrbar werden, die das Projekt von Beginn an vermitteln wollte.
So wurde „Flutlichter“ zu einem eindrucksvollen Beispiel dafür, wie zeitgemäße Musikvermittlung gelingen kann. Das Konzert zeigte nicht nur, was junge Menschen gemeinsam mit herausragenden Künstlerinnen und Künstlern auf die Beine stellen können. Es machte auch deutlich, dass kulturelle Teilhabe dann besonders wirksam wird, wenn Kinder und Jugendliche nicht nur zuschauen, sondern selbst gestalten dürfen. Der Applaus des Publikums war Ausdruck der Begeisterung über einen Abend, der künstlerische Qualität, Kreativität und Gemeinschaft auf bemerkenswerte Weise miteinander verband. Möge dieses Projekt sich als Musikvermittlungsformat nachhaltig in Ostfriesland etablieren, wünscht sich der organisatorische Leiter des Festivals, Raoul-Philip Schmidt.
In diesem Beitrag erwähnt
Gezeitenkonzerte 2026
"Begegnungen"